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Angst in der US-Community Der neue Vizepräsidentschafts-Kandidat der Republikaner sei eine Gefahr, warnen LGBTI*-Organisationen

Von ms - 16.07.2024 - 10:00 Uhr
Angst in der US-Community
Foto: IMAGO / USA TODAY Network
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Nachdem Ex-Präsident Donald Trump gestern den 39-jährigen Senator von Ohio, James David Vance (kurz J.D.), zu seinem Kandidaten als künftigen Vizepräsidenten gemacht hat, regt sich massiver Widerstand in der amerikanischen LGBTI*-Community. Sollten die Republikaner im November gewinnen, wäre Vance einer der jüngsten Vizepräsidenten in der US-Geschichte.

Gegner der LGBTI*-Community

Für queere Aktivisten im Land ist dies trotzdem kein Grund zur Freude: Vance ist ein Gegner des generellen Rechts auf Abtreibung und hat sich mehrfach auch gegen LGBTI*-Rechte ausgesprochen. So soll er sich in der Vergangenheit gegen die Gleichstellung der Ehe positioniert haben. 

Außerdem ist er dagegen, dass Kinder und Jugendliche bereits im Klassenzimmer über Geschlechtsidentitäten informiert werden. Vance hat zudem ein Gesetz eingebracht, den „Protect Children's Innocence Act“, der geschlechtsangleichende medizinische Behandlungen und Operationen bei Minderjährigen als „grausam“ und „irreversibel“ bezeichnet und verbieten lassen will. 

„Alles steht auf dem Spiel“

Vertreter der Biden-Harris-Kampagne erklärten inzwischen, Vance sei eine „direkte Bedrohung“ für die Fortschritte, die die LGBTI*-Community in den letzten Jahren gemacht habe. Die Präsidentin des LGBTI*-Verein Human Rights Campaign, Kelley Robinson, sagte, Trump sei „seit Jahren ein Tyrann“ und die Wahl von Vance erinnere daran, dass sich nichts geändert habe. 

„Wir haben nicht nur die Wahl zwischen zwei Kampagnen. Wir haben die Wahl zwischen zwei grundlegend verschiedenen Visionen von Amerika. Die eine, mit Trump und MAGA "Ja-Mann" JD Vance an der Spitze, wo unsere Rechte und Freiheiten unter Belagerung stehen. Die andere, mit Joe Biden und Kamala Harris an der Spitze, wo wir auf dem Weg zu Freiheit und Gleichheit für alle sind. Alles steht auf dem Spiel, und der Kontrast könnte nicht deutlicher sein“, so Robinson weiter. 

Freiheit, Sicherheit und Würde

Die Präsidentin und Geschäftsführerin der landesweit größten LGBTI*-Organisation GLAAD, Sarah Kate Ellis, betonte: „LGBTI*-Amerikaner sind Steuerzahler, Familienmitglieder, Kollegen, Klassenkameraden, Nachbarn und Freunde, und unsere Anliegen sind die gleichen wie die aller anderen Amerikaner: unsere Freiheit, wir selbst zu sein, in Sicherheit und Würde zu leben, das Recht, private Entscheidungen über die Gesundheitsversorgung zu treffen, Bücher unserer Wahl zu lesen, zu heiraten, wen wir lieben, und nicht dafür diskriminiert zu werden, wer wir sind.“

Beide Organisationen betonten mehrfach, dass die Regierung Biden-Harris die „gleichstellungsfreundlichste in der US-Geschichte“ sei. Für den Großteil der Homosexuellen im Land indes spielen LGBTI*-Aspekte bei der kommenden Wahl keine wesentliche Rolle mehr, vielmehr geht es um Sorgen rund um die Wirtschaft und die Inflation. Queere Aktivisten befürchten überdies, dass auch in diesem Jahr viele LGBTI*-Menschen ihre Stimme erneut Donald Trump geben werden – bei der letzten Präsidentschaftswahl votierten 28 Prozent von ihnen für Trump.  

Ein „Hinterwäldler“ als Vizepräsident

Die enge Verbindung zwischen Vance und Trump wuchs dabei erst in den letzten Jahren, noch 2016 hatte Vance erklärt, Trump käme für ihn „niemals in Frage“, er habe ihn auch „noch nie gemocht“. An anderer Stelle hatte er den Ex-Präsidenten sogar als Idioten bezeichnet – für all diese Äußerungen entschuldigte sich der 39-Jährige inzwischen. Der Sinneswandel kam 2021. Bei einer Wahlkampfveranstaltung im darauffolgenden Jahr sagte Vance bereits: „Trump ist der beste Präsident, den ich je erlebt habe. Er hat wie kein anderer die Korruption in den USA aufgedeckt.“

Geboren wurde Vance 1984 in einer kleinen Stadt in Middletown im Rust Belt, der ältesten und größten Industriegegend der USA. Er kommt aus bescheidenen Verhältnissen und einem zerrütteten Elternhaus, der Großvater war ein starker Alkoholiker, die Mutter drogenabhängig. Vance schaffte dank der Großmutter den Weg raus, ging zum US Marine Corps und diente im Irak, zudem studierte er an der Eliteuniversität Yale Jura und arbeitete anschließend in einer Investmentfirma in San Francisco. Berühmt wurde er 2016 als Autor mit seinem Buch „Hillbilly Elegy“, darin erzählt er von seiner Jugendzeit als „Hinterwäldler“. Trump hofft, mit Vance die Stimmen der Arbeiter und Farmer in ländlichen US-Bundesstaaten gewinnen zu können.  

Spahn kritisiert Ampel-Regierung

Der schwule Unionsfraktionsvize Jens Spahn indes kritisierte nach den jüngsten Entwicklungen in den USA und der Ernennung von Vance die deutsche Ampel-Regierung. Gegenüber dem Deutschlandfunk betonte er, es sei sehr wahrscheinlich, dass Trump erneut Präsident der USA werde. Die deutsche Bundesregierung müsse mit jedem amerikanischen Präsidenten gesprächsfähig sein – und nach Gemeinsamkeiten suchen, beispielsweise beim Thema Migration. Die Regierungsparteien SPD, Grüne und FDP zeigten indes bisher aber ein unverantwortliches Verhalten, sie seien nicht für einen möglichen Wechsel im Weißen Haus gerüstet. 

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