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Umfrage Familie

Ausgequetscht Hättest du gern eine andere Familie?

vvg - 21.06.2026 - 19:00 Uhr
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Wir haben die Community gefragt: Hättest du gern eine andere Familie? Die Antworten darauf sind vielfältig und spannend.

Hättest du gern eine andere Familie?

In den achtziger Jahren habe ich einen Bericht gelesen, wie an Aids Erkrankte von ihren eigenen Familien abgelehnt und alleine gelassen wurden, mit der schrecklichen Begründung: „Aids bekommt man nicht, man holt es sich!“

Zum Glück wurden viele Erkrankte von ihren „Wahlfamilien“ aufgefangen, betreut und bis zum Tode gepflegt. Es gab einen unglaublichen Zusammenhalt. Ich war beeindruckt von dieser „besonderen“ Art der Freundschaft beziehungsweise von diesem frei gewählten Familienzusammenhalt.

Heute sind viele der Meinung, so etwas gäbe es nicht mehr, stattdessen herrsche Egoismus oder Gleichgültigkeit ...

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Das stimmt nicht! Die queere Familie funktioniert auch heute noch. Vor circa zwei Jahren bin ich in eine Situation geraten, die mich körperlich, seelisch und finanziell an für mich allein nicht mehr zu bewältigende Grenzen gebracht hat.

Ohne Nachfragen oder Bitten meinerseits haben Freunde und Bekannte für mich Spenden gesammelt, um die durch einen verstorbenen Menschen für mich entstandenen Schulden von mehreren tausend Euro zum Großteil begleichen zu können. Es wurde mir große Zuneigung geschenkt, durch gezeigte Wertschätzung und Empathie von queeren Menschen aus Köln und Berlin. Mit vielen davon hatte ich lange keinen Kontakt mehr, uns verbinden aber innige, wundervolle Erlebnisse und oft eine jahrzehntelange Vergangenheit.

Ich kann dieser meiner „Familie“ nicht genug danken! Sie haben mir materiell geholfen und mir seelisch wieder Mut für die Zukunft gegeben. Einige von ihnen darf ich nennen: Wolfgang Schönweitz, die Rosa Funken, Olaf Müller, Anne Rixmann (in Köln), Sharron Sawyer, Martin und Tilly Creutzfeld-Jacob in Berlin.

Es gibt noch viele mehr, die ich voll Dankbarkeit zu meiner queeren Familie zähle!

„Yes, WE ARE FAMILY“

Elke aus Köln/Berlin

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In einer guten Familie stehen die Eltern zu ihrem Kind, egal, wie es ist oder sein möchte, und Liebe zueinander sollte an erster Stelle stehen. Mit meiner Familie lief es nicht so, es gab Stress und Ärger, weil ich transsexuell bin. Deswegen habe ich mich früh abgenabelt.

Schon vor 34 Jahren wurde ich operiert. Meine erste Hormonspritze habe ich an meinem 16. Geburtstag bekommen. Ich hatte damals einen älteren Freund, der Arzt war und mich behandeln konnte und durfte. Zur damaligen Zeit war das ein Tabu. Es gab ja kaum Vorbilder.

In meiner biologischen Familie hatte ich vier Geschwister. Ich habe lange Kontakt gehalten, denn solange ich als Künstlerin und Moderatorin auf der Bühne stand (unter anderem dreißig Jahre auf Hamburger Travestiebühnen), waren Geld und kleine Geschenke gern gesehen.

Ich habe mir aber eine Ersatzfamilie zusammengestellt. An erster Stelle möchte ich Sven erwähnen, der eine Gaststätte mit Bühne in Köln betreibt. Wir haben uns anfangs fünf Minuten unterhalten und es war, als würden wir uns fünf Jahre kennen. Er ist wie mein großer Bruder.

Trotz der Entfernung Köln-Hamburg sehen wir uns oft. Wir sind immer füreinander da und können uns blind vertrauen. Als ich vor einem Jahr wegen Herzproblemen ins Krankenhaus musste, hat sich Sven sofort in den Flieger gesetzt, während sich von meiner leiblichen Familie niemand sehen ließ. Da habe ich den Schlussstrich gezogen.

Auch in Hamburg habe ich eine Ersatzfamilie. Als ich 1996 wegen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung im Krankenhaus war, hatte ich eine tolle Mitpatientin, die mir zur „Mutter“ wurde. Leider ist sie 2019 gestorben, ihre Töchter sind heute „Schwestern“ und wir haben einen richtig schönen Kontakt. Und mein pflegebedürftiger Mann gehört seit 30 Jahren auch zur Familie.

Mandy aus Hamburg

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Sehr gerne hätte ich eine andere Familie, weil ich seit meinem Outing komplett alleine bin und absolut keinen Kontakt mehr zu meiner Familie habe. Die besteht aus meinen Eltern, und da die geschieden sind und beide neue Partner haben, auch aus meinen Stiefeltern, Stiefgeschwistern und meiner Oma.

Alle vertreten die Meinung, Homosexualität sei eine Krankheit, die ausgerottet werden sollte. Diese Einstellung hat weder mit Kirche noch mit Glauben zu tun, sondern sie vertreten einfach die typische Meinung der AfD-Wählerschaft.

Ich war auch zehn Jahre verheiratet und habe mit dieser Frau zwei tolle Mädchen, doch auch diese enge Beziehung zerbrach durch mein Outing. Das war für meine Familie natürlich ein weiterer Grund, dass ich von ihr verstoßen wurde.

Meine Exfrau macht mir ebenfalls das Leben zur Hölle, weil sie nicht verkraftet, dass ich sie wegen Männern verließ.

Ich lebe jetzt seit 2021 ganz alleine. Meine Kinder darf ich nur alle sechs Wochen sehen und in der Hälfte ihrer Ferienzeit, und dann auch nur, wenn ich sie in Karlsruhe abhole und wieder zurückbringe. Das ist zwar viel Fahrerei, aber das mache ich gerne, weil ich meine beiden Mädchen abgöttisch liebe und weiß, dass das auch auf Gegenseitigkeit beruht.

Ich würde mir Eltern wünschen, die mich so akzeptieren, wie ich bin. Und natürlich eine feste Beziehung mit einem Partner an meiner Seite, aber davon träumen doch fast alle. Ich habe auch nichts dagegen, wenn er älter ist. Ich möchte nur kein drittes Kind, ich habe ja schon zwei reizende Kinder.

Als meine Ersatzfamilie nenne ich meine besten Freunde, die mich verstehen. Es sind zwei Jungs, die seit einigen Jahren zusammen sind und demnächst heiraten. Auf die kann ich mich hundertprozentig verlassen.

Massimo aus Karlsruhe/Köln

 

Ich hatte mit meiner Familie nie Probleme wegen meines Schwulseins. Meine Eltern hatten schwule Freunde und kamen bei mir nicht zum ersten Mal damit in Berührung. Mein Coming-out hatte ich vor 30 Jahren. Meinen jetzigen Mann kenne ich seit 26 Jahren und wir sind seit 21 Jahren zusammen.

Bei uns war der Wunsch, eigene Kinder zu haben, schon immer ein Thema. 2014 ist unser Sohn auf die Welt gekommen. Wir haben uns für eine Leihmutterschaft entschieden und haben bis heute immer noch Kontakt zur Mutter. Für unseren Sohn sind wir Papa und Papi, haben beide das volle Sorgerecht und wir wissen auch, wer von uns der Erzeuger ist. Unser Sohn weiß es auch.

Seit seinem ersten Tag ist er bei uns und unser Leben hat sich durch ihn total verändert. Man ist nicht mehr so flexibel und trägt große Verantwortung für einen Menschen.

Als zwei Väter haben wir noch nie Probleme gehabt, nicht im Kindergarten oder in der Schule, weil wir von Anfang an offen damit umgegangen sind. Auch unser Sohn hat nie Probleme mit anderen Kindern bekommen.

Natürlich haben wir uns auch Gedanken gemacht wegen eines Geschwisterchens, aber inzwischen sind wir „zu alt“, also der Altersunterschied zwischen Kind und Eltern wäre jetzt einfach zu groß.

Wir denken, dass wir eine gute Familie sind. Das beruht auf Vertrauen, guter Empathie und einem guten Miteinander. Es gibt zwischen Menschen immer verschiedene Meinungen. Wir haben einen Familienrat, da setzen wir uns zusammen, diskutieren über negative, aber auch positive Sachen und finden bei Problemen für alle die beste Lösung.

Freunde kann man sich aussuchen, Familie hat man, aber auch da kann man etwas für harmonische Verhältnisse tun.

Nico aus Ratingen

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Ich habe tatsächlich noch Familie, aber die habe ich für mich personell sehr reduziert, weil ich Menschen aussortiert habe, die mir nicht guttaten und nur Stress gemacht haben. Meine Familie ist die Schwester meines Vaters und ihre Kinder. Wir sehen uns monatlich, machen gemeinsam Unternehmungen oder grillen zusammen.

Als meine Eltern gestorben sind, habe ich die Kontakte zu meinen beiden Brüdern und meinen Nichten und Neffen einschlafen lassen. Das hat sich ergeben, als meine Mutter sehr krank und in der Folge sehr jähzornig wurde.

Da haben mich meine Brüder und ihre Familien einfach allein gelassen, es hat sich keiner blicken lassen und alles ist an mir hängen geblieben. Auch beim Sterben war keiner von denen dabei und alle haben sich darauf verlassen, dass ich mich schon um die Beerdigung kümmern werde. So habe ich mich durch das Reduzieren auf die nötigsten Kontakte von diesen Menschen befreit.

Das hatte alles nichts mit meiner sexuellen Orientierung zu tun. Meine Mutter hatte weniger ein Problem mit meinem Schwulsein, aber sie machte sich Sorgen, was wohl die Nachbarn denken und über das Getratsche in der Dorfgemeinschaft. So durfte ich ihretwegen auch nie einen Freund mit nach Hause bringen. Meinem Vater wäre das eigentlich egal gewesen.

Ich war bis vor Kurzem liiert, es sollte halt nicht sein. Heute bin ich glücklicher Single und habe einen guten Freundeskreis mit Freunden in München, Köln, Halle, Leipzig und andernorts.

In meiner schwulen Familie sind wir füreinander da, wir besuchen uns regelmäßig, telefonieren, feiern zusammen. Hier finde ich das, was ich bei meiner leiblichen Familie vermisst habe: Füreinander-da-Sein, ebenso Vertrauen, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit.

René aus Halberstadt

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Ich hatte starken Stress mit meiner Familie. Ich habe 1992 eine Frau geheiratet und aus dieser Ehe haben wir eine Tochter. Meine Frau hat mich sechs Jahre später für einen anderen Mann verlassen. Nach zwei kleinen Affären mit Frauen bin ich nach einer durchzechten Nacht morgens neben einem Mann aufgewacht. Da erst begann ich, meine Liebe zu Männern zu entdecken.

Unsere Tochter wuchs bei uns beiden auf. Als meine Frau wieder Single war, hat sie angefangen, Lügen über mich zu verbreiten: „Ich hätte sie verlassen, weil ich schwul bin, ich wäre Alkoholiker und hätte sie geschlagen“, damit sie das alleinige Sorgerecht bekommt.

Wir hatten ein Haus und sie hat mich finanziell nackig gemacht. Das war der Zeitpunkt, ab dem ich absolut keinen Bock mehr auf Frauen hatte und mich 2006 geoutet habe. Meine Tochter hatte keine Probleme damit und wir hatten und haben das beste Papa-Tochter-Verhältnis.

In meiner Familie war ich das Nesthäkchen und habe noch zwei Brüder und zwei Schwestern. Sie fingen plötzlich an, mir einzureden, wie ich zu leben habe. Mein Schwulsein wollten sie mir nicht „austreiben“, aber ich sollte es nicht öffentlich machen: „Wenn es meine Eltern erführen, würden sie das nicht überleben.“

Ich habe ihnen gesagt: „Ich bin immer noch der gleiche Roby, aber wenn ihr das nicht erkennen wollt, möchte ich mit euch nichts mehr zu tun haben.“ So ist unser Verhältnis zerbrochen und sie haben die Eltern gegen mich aufgewiegelt.

Da habe ich mich bei ihnen geoutet, es wurde der Familienrat einberufen und die Konsequenz war, dass ich in Luxemburg alles verkauft habe und ins Saarland gezogen bin. Das Verhältnis zu meinen Eltern und meinen jüngeren Geschwistern ist inzwischen wieder vernünftig.

Roby aus Luxemburg

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