I Capuleti e i Montecchi Die zeitlose Kraft von Romeo und Julia
Giulietta soll das Erbe der Capuleti fortführen und mit Tebaldo vermählt werden. Diese Hochzeit ist für Giulietta der wahrgewordene Albtraum, da ihre Liebe eigentlich einer Frau gilt: Romeo. Ausgerechnet die Anführerin der Montecchi und Mörderin ihres Bruders! Sie ist gefangen im Konflikt zwischen Familienehre auf der einen und der Liebe zu Romeo auf der anderen Seite.
Romeo und Julia – zwei Namen in aller Munde und seit Jahrhunderten der Inbegriff tragischer Liebe. Liebe gegen gesellschaftliche Normen, Individuum gegen Familie, Gefühl gegen Pflicht. Es geht um das Aufbegehren gegen eine Welt, die für Liebe keinen Raum lässt. Während frühere Interpretationen den Fokus auf Klassenunterschiede oder familiäre Konflikte legten, rücken heutige Adaptionen verstärkt Themen wie Identität, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Akzeptanz in den Vordergrund. Lesbische Liebe ist auch heute noch in weiten Teilen der Gesellschaft nahezu unsichtbar. Die Rolle der Frau wird noch immer nach konservativen Denkmustern konstruiert, Ehe und Mutterschaft stehen im Fokus der propagierten Rollenbilder. Die Geschichte von Romeo und Julia prägt seit jeher kulturelle Identität und kollektives Erzählen.
Eine lesbische Adaption, die Bellinis Komposition wie vielleicht keine zweite nicht nur erlaubt, sondern geradezu anbietet, kann dazu beitragen, diese Erzähltradition positiv zu erweitern und aus heteronormativen Denkmustern zu befreien. Die Ablehnung der Beziehung würde nicht mehr nur aus einer Fehde resultieren, sondern aus tief verwurzelten Moralvorstellungen über Geschlecht und Sexualität. Die Protagonistinnen kämpften nicht nur um ihr Zusammensein, sondern auch gegen strukturelle Diskriminierung und für Sichtbarkeit.
Tragedia lirica in zwei Akten von Vincenzo Bellini
Libretto von Felice Romani nach »Giulietta e Romeo« von Nicola Vaccai
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung: Srba Dinić / Regie: Jan Eßinger / Bühne: Marc Weeger / Kostüme: Natascha Maraval
Staatstheater Braunschweig, Großes Haus
Vorstellungen: 26. April, 14., 16., 27. Mai und 7. Juni 2026
www.staatstheater-braunschweig.de