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Finales "Heartstopper"-Cover: Kuss als Zeichen gegen Zensur

Letztes Buch mit Signalwirkung Finales "Heartstopper"-Cover: Kuss als Zeichen gegen Zensur

kw - 17.02.2026 - 18:45 Uhr
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Nick und Charlie küssen sich auf dem Cover: Mit dieser öffentlichkeitswirksamen Entscheidung beendet Alice Oseman die Graphic-Novel-Reihe "Heartstopper" und setzt damit in unmissverständliches Zeichen gegen reaktionäre Stimmen, die queere Geschichten marginalisieren möchten. Das letzte Buch erscheint am 2. Juli – und die Wahl des Covers steht angesichts jüngster Zensurversuche alles andere als beiläufig im Raum.

"Heartstopper"-Cover Bd. 6

Cover der letzten Bandes von "Heartstopper"

 

Sichtbarkeit trotz Zensur

Die Veröffentlichung des sechsten "Heartstopper"-Bandes unterstreicht, wie sehr queere Medien heute zwischen Anerkennung und Angriffen stehen. In mehreren Ländern – darunter Russland, Ungarn und konservative Bundesstaaten in den USA – wurde "Heartstopper" wegen angeblicher „LGBT-Propaganda“ bereits aus Bibliotheken verbannt. Auch in Italien fordern rechte Politiker wie Rossano Sasso Restriktionen und versuchen, den Zugang zu der Buchreihe zu verhindern. Dabei zeigt sich: Je mehr gesellschaftliche Sichtbarkeit queere Geschichten erreichen, desto heftiger fällt das Gegensteuern von Gegnerinnen und Gegnern aus. Ein Detail: 2023 wurden laut PEN America in den USA mehr als 3.300 Bücher von queeren Themen und marginalisierten Gruppen zensiert, ein besorgniserregender Rekordwert.

 

Oseman setzt gezielt Zeichen

Alice Oseman wählte das finale Cover mit Bedacht. Während die ersten fünf Cover subtil Nähe und Zuneigung visualisieren, steht nun erstmals der leidenschaftliche Kuss der beiden Hauptfiguren im Mittelpunkt – ein Bild, das weltweit als Statement für queere Liebe gelesen wird. Oseman selbst sprach in Sozialen Medien offen darüber, wie emotional anspruchsvoll dieser symbolische Abschluss für sie war, aber dass ihr ein Kuss am stimmigsten erschien. Ihr konsequentes Bekenntnis zur Repräsentation, gerade in Zeiten von Gegenwind und Banalisierungsversuchen, ist beispielgebend für eine wachsende Zahl von Autorinnen und Autoren, die queere Realität nicht länger im Subtext verstecken möchten.

 

Zentrale Stimmen und gesellschaftlicher Wandel

Die Tatsache, dass „Heartstopper Forever“ als Filmadaption nahezu zeitgleich erscheint und auch das Serienfinale für Netflix gedreht wurde, verstärkt die Reichweite der Story enorm. Die Begeisterung junger Leserinnen und Leser weltweit hat "Heartstopper" längst zum Kult gemacht. Oseman fasst zusammen: „Jetzt ist die Reihe komplett. Sechs Bücher. Das war die Geschichte, die ich erzählen wollte.“ Die starke Resonanz zeigt, dass Authentizität und positive Repräsentation queerer Figuren längst einen festen Platz im Mainstream verdient haben.

 

Fortschritte – aber keine Entwarnung

Die Debatte um "Heartstopper" steht für den größeren Kulturkampf um Diversität in Medien. Während das offene Ende und die sichtbare Liebe auf dem Cover Hoffnung und Selbstbewusstsein liefern, bleibt die gesellschaftliche Akzeptanz queerer Inhalte weiterhin umkämpft. Kann Heartstopper Schule machen oder wird die nächste Buchreihe wieder zur Zielscheibe? Sicher ist: Wenn Sichtbarkeit so mutig verteidigt wird, wächst auch der Druck auf Gesellschaft und Politik, nachzuziehen.

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