Direkt zum Inhalt
Queere Ukraine-Ausstellung startet zum ESC in Wien

LGBTIQ+-Stimmen gegen Krieg Queere Ukraine-Ausstellung startet zum ESC in Wien

kw - 07.05.2026 - 22:00 Uhr
Loading audio player...

Zum Start der Ausstellung „The Queer Face of War: Portraits and Stories from Ukraine“ bringt der Journalist und Fotograf J. Lester Feder ab dem 8. Mai 2026 die Geschichten queerer Ukrainerinnen und Ukrainern in den Mittelpunkt der europäischen Kulturlandschaft. Im Zusammenspiel mit der Queeren Nothilfe Ukraine werden persönliche Erzählungen und Fotografien von Soldatinnen und Soldaten, Aktivistinnen sowie Aktivisten und Überlebenden erstmals in Wien, Berlin und Amsterdam präsentiert. Die neue Ausstellung gibt Einblicke in das Leben und den Überlebenswillen einer Minderheit, die angesichts des Krieges nicht nur um ihr Land, sondern auch um ihre Rechte kämpft.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Ausstellung startet am 8. Mai 2026 als Teilprogramm des Eurovision Song Contest in Wien.
  • Präsentiert werden Fotografien und Berichte von queeren Ukrainern aus unterschiedlichen Kontexten: Militär, Aktivismus, Geflüchtete.
  • Am 19. Mai findet eine Buchvorstellung in Berlin statt, unterstützt von LSVD+ und der Bundesstiftung Gleichstellung.
  • Im Sommer 2026 ist die Präsentation als Teil des WorldPride Amsterdam geplant.
  • Die Ausstellung thematisiert auch die Instrumentalisierung von Homophobie im russischen Angriffskrieg.

 

Einblicke in Lebensrealitäten unter dem Angriffskrieg

Als offizieller Programmpunkt beim Eurovision Song Contest in Wien präsentiert J. Lester Feder in der Atelier Galerie Roland Puschitz ab dem 8. Mai die Gesichter des Krieges aus queerer Perspektive. Über zwei Wochen hinweg werden Besucherinnen und Besucher in einer dicht bespielten Metropole Europas auf die Geschichten von Menschen aufmerksam gemacht, die sich in den Reihen der ukrainischen Armee oder als Sanitäterinnen sowie Sanitäter engagieren. Ihre Schilderungen schenken nicht nur Sichtbarkeit, sondern dokumentieren, wie der Krieg im Leben von Minderheiten eingreift und welche Kraft Solidarität entfalten kann. Persönliche Führungen von Feder ermöglichen ein tiefes Verständnis der individuellen Geschichten und der kollektiven Hoffnung auf Anerkennung.

 

Widerstand gegen autoritäre Narrative

Aus den Porträts der Ausstellung spricht der Kampf gegen Putins Strategie, Homophobie als ideologisches Mittel im Krieg einzusetzen. Russische Rhetorik setzt gezielt auf die Abwertung queerer Menschen, während in der Ukraine selbst die Bereitschaft wächst, die Rechte von LGBTIQ+-Personen zu stärken. Diese Entwicklung wird durch jüngste Gesetzesinitiativen und engagierte Stimmen aus der Zivilgesellschaft unterstrichen. Bei der Berliner Veranstaltung am 19. Mai werden Vertreterinnen und Vertreter von Menschenrechtsorganisationen und internationalen Institutionen gezielt eingeladen, um die Bedeutung dieses Engagements hervorzuheben.

„Wir wollen gesehen werden — von anderen Ukrainer*innen, die angesichts russischer Homophobie die Rechte queerer Menschen zunehmend unterstützen“, schreibt Olena Shevchen im Vorwort des zugehörigen Bildbands.

 

Dokumentation als Teil europäischer Erinnerungskultur

Die Zusammenarbeit zwischen der Queeren Nothilfe Ukraine, Kunstschaffenden und gesellschaftlichen Institutionen verankert die Ausstellung in einer Debatte um Erinnerungsarbeit und demokratische Werte. Neben Wien und Berlin ist als weiterer Meilenstein die Teilnahme an der WorldPride in Amsterdam geplant. Inmitten einer wachsenden Akzeptanz von Anti-LGBTIQ+-Propaganda in Teilen Europas sendet das Projekt ein Zeichen für Vielfalt und Zusammenhalt.

 

Wichtige Fragen zum Thema

Wie werden queere Soldatinnen und Soldaten in der Ukraine aktuell geschützt?
Sie erhalten bisher keinen vollständigen rechtlichen Schutz, die öffentliche Wahrnehmung und Unterstützung nimmt jedoch seit Kriegsbeginn deutlich zu.

Wer steht hinter der Queeren Nothilfe Ukraine?
Die Organisation wurde von Aktivistinnen und Aktivisten gegründet, um gezielt humanitäre, rechtliche und medizinische Hilfe für LGBTIQ+-Personen im Krieg zu leisten.

Wie groß ist das Interesse an der Ausstellung?
Bereits im Vorfeld gab es zahlreiche Anmeldungen, gerade durch die Anbindung an den ESC und WorldPride wird ein internationales Publikum erreicht.

Die weitere Tour der Ausstellung intensiviert den Blick auf queeres Leben im Ausnahmezustand und macht persönliche Geschichten zum Teil der europäischen Erinnerungskultur. Noch offene Fragen betreffen die dauerhafte rechtliche Gleichstellung in der ukrainischen Gesellschaft.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Vom Tabu zum Kulturgut

„Schwulcomix“-Jubiläum

Zum 45-jährigen Jubiläum seiner „Schwulcomix“ wird dem Comic-Künstler Ralf König erstmals eine große Retrospektive in Österreich gewidmet.
Mehr Sichtbarkeit am Broadway

LGBTIQ+-Community wird gefeiert

Broadway erfindet sich neu mit einer radikalen queeren Bühnen-Transformation: In New York feiert "Cats: The Jellicle Ball" einen großen Erfolg.
Erinnerung an harte Kämpfe

Würdigung eines Lebenswerks

Die Münchner Ausstellung „Marching on“ in der Graf Rumford Bar & Galerie, zeigt unveröffentlichte Bilder von queeren Protestbewegungen.
Volksoper mit Pride-Edition

Premiere am 9. Juni 2026

Tom Neuwirth alias Conchita Wurst spielt 2026 in der „Fledermaus” an der Wiener Volksoper.
Ländliche Räume neu gestaltet

LGBTIQ+-Jugend erschließt Land

Das Schwule Museum in Berlin zeigt queeres Leben abseits der Großstadt. Die Ausstellung läuft bis zum 2. November 2026.
Queerer Dialog fehlt

Oberflächliche Behandlung

Eine Stedelijk-Ausstellung in Amsterdam zur Manosphäre stößt auf Kritik, die Schau wird als zu oberflächlich kritisiert.
Betroffene prägen die Schau

Über 600 Werke zu sehen

Erstmals kuratiert von Sexarbeitenden selbst, präsentiert die Bundeskunsthalle Bonn die Ausstellung „Sex Work. Eine Kulturgeschichte der Sexarbeit“.
Queere Mythen werden sichtbar

Lange Zeit Auslassungen und Zensur

Die aktuelle Debatte um die queere Rezeption antiker Mythen erhält neuen Auftrieb mit neuen Berichten um Herakles' männliche Liebhaber.