Der queere Liederabend „PRIDE IN CONCERT – Forget me not”
Das Projekt „Forget me not“ (Idee & Konzept: Tim Stolte)
Frédéric Chopin war schwul. Und er hat das zu Lebzeiten kaum verschleiert, in seinen Texten thematisiert er seine Liebe sogar offen: „Ein schöner Kerl, was will man mehr“. Und doch musste er 171 Jahre tot sein, bevor jemand seine Queerness benannte. Chopin ist nicht der Einzige, dessen Sexualität zu Lebzeiten tabuisiert und posthum vertuscht wurde, denn viele historische Persönlichkeiten unterlagen dem Zwang des „coding“ und mussten ihre innersten Gefühle verbergen. Unzählige Biografien von Komponist*innen wurden zugunsten des heteronormativen Blickes bis zur Unkenntlichkeit verändert, einzig in ihrer Musik scheint ihre wahre Liebe für Eingeweihte hervor. Der moderierte Liederabend „Forget me not“ macht die Lebensgeschichten der queeren Komponist*innen für das Publikum erlebbar. Die queeren Sänger*innen Tim Stolte, Daniel Philipp Witte, Rhonda Browne und die Pianistin Annalena Hoesel stellen ihr Können in den Dienst der Vorgänger*innen, erschaffen plastische Porträts der historischen Persönlichkeiten und erweitern das Hörerlebnis des Publikums. Die international gefeierte Altistin Rhonda Browne, regelmäßig zu Gast an der English National Opera, reist dafür eigens aus London an, Tim Stolte und Daniel Philipp Witte kommen aus Hamburg, um diesen einzigartigen Abend zu begehen. Annalena Hoesel arbeitet in Augsburg am Staatstheater als Dirigentin und Pianistin.
Wie ist das Projekt entstanden?
Den Liederabend „Forget me not“ hat der Sänger und Pianist Tim Stolte entwickelt.
Inspiration war das Radiofeature des Schweizer Rundfunks: „Chopin war schwul und niemand sollte davon erfahren“: Dort wurde aufgedeckt, dass in den ersten englischen Übersetzungen von Chopins Briefen gezielt männliche Pronomen ausgetauscht wurden mit dem Interesse, die Homosexualität zu verschleiern. Jahrzehntelang sind diese Übersetzungen in der Forschung benutzt worden und so wurde Geschichtsfälschung betrieben. Plötzlich hat Tim Stolte die Musik ganz anders gehört und der Wunsch, dem Publikum neue Infos zu geben und die Möglichkeit, durch Kontext ein neues Hörerlebnis zu schaffen, hat ihn zum Entwickeln des Projekts geführt.
Das Ziel des Projektes
Die Vermittlung von queerer Geschichte, das Lüften des Schleiers heteronormativer Geschichtsschreibung und damit das Sichtbar-Machen von Vorbildern ist ein wichtiger Schritt zur Integration queerer Themen in den Bereich der klassischen Musik und in die Gesellschaft. Das Projekt soll Anregung für weitere Forschung und Auseinandersetzung sowie eine Plattform für neue Hörerlebnisse sein.
An wen richtet sich das Projekt?
„Forget me not“ begeistert ein Publikum, das klassische Liedkunst mag, kulturpolitisch interessiert ist und offen für queere Lebensrealitäten ist. Zum Einläuten der Pride Week in Augsburg wollen wir mit neuen Perspektiven auf Bekanntes und dem Entdecken von Unbekanntem sowohl Schüler*innen, Studierende, Aktivist*innen als auch erfahrenes Klassikpublikum ansprechen. Der Charme des Abends liegt nicht nur in der exzellenten künstlerischen Darbietung, sondern wird durch die lebendige und informierte Moderation zu einem nachhaltigen, niedrigschwelligen Erlebnis. Menschen mit und ohne Vorkenntnisse erleben einen Abend, der nicht nur Wissen vermittelt, sondern sowohl musik- als auch queerhistorische Realität zu einem musikalischen, herausragenden Gesamterlebnis gestaltet. Die Stadt Augsburg wird dadurch um ein Konzerterlebnis bereichert, das in dieser Form absolut einzigartig ist.
Schirmfrau: Claudia Roth

PRIDE IN CONCERT – Forget me not
03.06.26
19:30 Uhr
Kleiner Goldener Saal Augsburg
Tickets ab sofort unter https://www.eventbrite.de/e/forget-me-not-tickets-1987121128788