Matthew Mitcham und OnlyFans „Viele Leute wollen einfach ein bisschen mehr sehen“
Der schwule australische Turmspringer und Olympiasieger Matthew Mitcham (37) hat sich bereits mehrfach zu seinem Einsatz bei OnlyFans geäußert, jetzt betonte er, dass er inzwischen auf der Plattform deutlich mehr verdiene als zu Zeiten seiner aktiven Sportkarriere. Konkret haben sich seine Einnahmen verdreifacht, so Mitcham gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press.
Knistern in der digitalen Welt
Mitcham hatte 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking Geschichte geschrieben, als erster offen schwuler Mann, der eine Goldmedaille gewann – im Turmspringen vom 10-Meter-Turm. Heute ist der 37-Jährige einer von mehreren Sportlern, die Inhalte über die Bezahlplattform anbieten. Auch britische Wasserspringer wie Matty Lee und Jack Laugher nutzen das Modell.
In seiner Profilbeschreibung schreibt Mitcham: „Alles, was auf Instagram und TikTok verboten wäre“. Zugleich betont er jetzt: „Ich werde auf absehbare Zeit keine sexuellen Handlungen oder vollständige Nacktheit zeigen. Meine Philosophie war immer: Wenn ich es als Kunst verteidigen kann, dann teile ich es. Es ist nicht explizit. Es geht darum, das Knistern zu verkaufen, nicht das Steak.“ Den Schritt zu OnlyFans habe er sich gut überlegt. „Viele sehen es einfach als nicht jugendfreie Plattform, als explizite Sexplattform. Das lag außerhalb meiner Kontrolle“, sagt der in Brisbane geborene Mitcham, der seit sieben Jahren in London lebt. „Leider halte ich das nicht für richtig, aber es gibt Menschen, die darauf herabschauen.“
Zweite Karriere am Theater
Mitcham ist weiterhin im Unterhaltungsbereich aktiv. Derzeit steht er mit dem queeren Theaterstück „Afterglow“ in Melbourne und Sydney auf der Bühne, 2023 war er in „SAS Australia“ zu sehen. Seine OnlyFans-Tätigkeit werde bei Vertragsverhandlungen dabei immer wieder thematisiert. „Sie müssen ihre Sorgfaltspflicht erfüllen und schauen, welche Art von Inhalten produziert wird. Sie müssen einfach besonders vorsichtig sein, und das verstehe ich“. Er sehe darin den Beleg, „dass man einen OnlyFans-Account haben und weiterhin im Mainstream arbeiten kann – denn ich tue das.“
Mitcham verweist dabei auch auf die Vielfalt der Inhalte und bekräftigt: „Ich muss nichts teilen, womit ich mich nicht wohlfühle, nur weil es angeblich erwartet wird – denn das ist nicht der Fall.“ Ein weiterer Beweggrund sei die Nachfrage. „Es gibt viele Leute, die ein bisschen mehr sehen wollen, als andere Plattformen erlauben. Ich fühle mich sehr wohl in meinem Körper – nach Jahrzehnten des Trainings und Aufbaus… man könnte es ein Asset nennen“. Und weiter: „Wenn die Leute es sehen wollen, ich es habe und bereit bin, es zu zeigen – warum sollte ich es kostenlos zeigen, wenn ich es zu Geld machen kann?“
Feste Community auf OnlyFans
Vor seinem Olympiasieg hatte sich Mitcham öffentlich als schwul geoutet. Er wollte „das zuerst hinter mich bringen“, um sich auf den Sport konzentrieren zu können. „Es hätte mich beschäftigt. Ich wollte nicht, dass die Welt mich als etwas Bestimmtes kennenlernt oder Annahmen über mich hat und ich mich dann erst später outen muss.“ Die Reaktionen seien „zu 99,99 Prozent überwältigend positiv und unterstützend“ gewesen. Das habe ihm „Vertrauen in die Öffentlichkeit gegeben, dass meine Offenheit und Ehrlichkeit geschätzt werden“.
Auf OnlyFans beantwortet er inzwischen auch regelmäßig viele Fragen seiner Abonnenten. „Die überwältigende Mehrheit der Menschen, die mir folgen, ist sehr respektvoll, weil sie mich als Person respektieren. Ich würde ohnehin nichts beantworten, womit ich mich nicht wohlfühle, aber solche Fragen bekomme ich sehr selten.“ Viele Nutzer schätzten den direkten Zugang zu ihm und wollten ihn „wahrscheinlich nicht durch vulgäres Verhalten gefährden oder sabotieren.“ Auch nach geraumer Zeit zieht der einstige Spitzensportler somit eine positive Bilanz.
OnlyFans wurde vor rund zehn Jahren gegründet. Ursprünglich war die Plattform als Abo-Modell für exklusive Inhalte von Künstlern und Influencern gedacht. Explizite Inhalte waren anfangs untersagt, das Verbot wurde 2017 aufgehoben. Der Umsatz lag Berichten zufolge 2017 bei 2,6 Millionen Dollar, 2024 bei 7,2 Milliarden Dollar.