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Als Kind wollte sich Turmspringer Matthew Mitcham seine Homosexualität abtrainieren

Ein schwerer Weg Als Kind wollte sich Turmspringer Matthew Mitcham seine Homosexualität abtrainieren

co - 23.10.2023 - 16:00 Uhr
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Matthew Mitcham (35) war einer der ersten Profi-Turmspringer, der sich als schwul outete. Bei seinem Coming-out kurz vor den Olympischen Spielen 2008 in Peking war er gerade einmal zwanzig Jahre alt. Bei dieser Olympiade gewann er Gold – die erste australische Goldmedaille im Turmspringen seit 1924. In der australischen Reality-Show „SAS Australia: Who Dares Wins“ mit Matthew Mitcham enthüllte Mitcham letzte Woche, dass er als Kind versuchte, seine Homosexualität abzulegen.

DIY-Konversionstherapie

Schon mit fünf Jahren wurde Mitcham sich seiner Anziehung zum eigenen Geschlecht bewusst. Für ihn damals ein furchtbarer Gedanke: Das, was er aus Grundschule und Religion bereits darüber erfahren hatte, beschämte ihn. Generell war Mitchams Kindheit keine einfache, auch weil seine alleinerziehende Mutter ihm oft Angst machte, um ihn zu kontrollieren und es sich so einfacher zu machen. 

Mitcham versuchte daher, sich die Homosexualität einfach abzugewöhnen: „Also habe ich ein Gummiband um mein Handgelenk gewickelt, weil ich wusste, dass Schwulsein etwas ganz Schlimmes war. Jedes Mal, wenn ich einen schwulen Gedanken hatte, habe ich das Band geschnipst. Ich wollte mir mit dem Schmerz abtrainieren, schwul zu sein.“ Doch die Gefühle ließen sich nicht unterdrücken und Mitcham griff zu anderen Mitteln: „Wenn ich von meinen inneren Gefühlen überwältigt wurde, habe ich mich geschnitten“, so Mitcham weiter. Einmal ging er dabei jedoch zu weit und musste seine Großmutter anrufen, die ihn dann ins Krankenhaus brachte.

Alkohol und Drogen

Mit dem Coming-out war für den Sportler jedoch nicht alles ausgestanden: Nach seinem Sieg in Peking erfuhr Mitcham, dass er trotz des Olympia-Triumphes nicht die Weltrang-Liste anführte. Er fühlte sich wie ein Versager und geriet schließlich an Alkohol und Crystal Meth. „Da ich wusste, dass ich bei jedem Wettkampf einem Drogentest unterzogen werden würde, machte ich in den Wochen vor jedem Wettkampf einen Entzug durch und durchlebte diese schrecklichen Entzugserscheinungen“, so Mitcham gegenüber BBC. „Sie waren so schlimm, dass ich mir mit jeder Zelle meines Körpers versprach, keine Drogen mehr zu nehmen, aber ich konnte dieses Versprechen nie halten.“

„Es wurde sehr düster“, so Mitcham weiter. „Mein Selbstwertgefühl war zerrüttet. Zeitweise schien Selbstmord der einfachste Ausweg.“ Doch er konnte sich wieder aufrappeln und machte eine Entziehungskur. Über seine Abhängigkeit schrieb Mitcham auch schon 2013 in seiner Autobiografie „Twists and Turns“. Im Januar 2023 feierte der ehemalige Turmspringer bereits sieben Jahre ohne Drogen. Auf Instagram schrieb er, er sei so „glücklich und gesund wie nie“.

 

Hier gibt es Hilfe

Die Berichterstattung über Suizid ist ein überaus sensibles Thema. Wir möchten es in KEINSTER Weise glorifizieren oder romantisieren. Viele Menschen, die durch Suizid sterben, leiden an einer psychischen Erkrankung. Wenn es dir nicht gut geht oder du daran denkst, dir das Leben zu nehmen, versuche mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen du dich melden kannst.

Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.

Weiterhin gibt es von der Telefonseelsorge das Angebot eines Hilfe-Chats. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer E-Mail-Beratung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls anonym und kostenlos – auf der Webseite. Informationen findest du unter: www.telefonseelsorge.de

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