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Halleluja auf Eis

Ein Halleluja auf Eis Homosexuelle Segnungen? Ein Graus! Aber Eis, kein Problem!

ms - 02.10.2025 - 15:30 Uhr
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Kommentar von Michael Schmucker

Papst Leo XVI. (70) hat erst im September eindeutig erneut klargestellt, dass er von einer Reform in der römisch-katholischen Kirche nichts hält. Mehr Rechte für Frauen oder Schwule und Lesben? Fehlanzeige. Und die halbherzigen Segnungen von Homosexuellen, erlassen noch von seinem Vorgänger Franziskus, will er nur zähneknirschend zulassen – und rügte prompt indirekt deutsche Bischöfe, die gleichgeschlechtlichen Paaren den Segen erteilen. Das ginge in der Form viel zu weit. Ein echter Segen für Schwule und Lesben? Gott bewahre, nein. Dafür hat Leo jetzt einen schmelzenden Eisblock gesegnet.

Bärendienst für das Klima 

Auch jenseits der Community sorgen diese Bilder mehrheitlich für Kopfschütteln und ungewollte Heiterkeit: Bei der Klimakonferenz „Raising Hope Conference“ in Castel Gandolfo nahe Rom legte der Pontifex voller Ehrfurcht seine Hand auf den Eisblock aus Grönland und segnete ihn. Er wolle damit Hoffnung wecken, beteuerte das Oberhaupt der Kirche weiter. Natürlich im Sinne der Klimakrise. Weiterer prominenter Gast bei dem Event war übrigens „Terminator“-Schauspieler Arnold Schwarzenegger.

In den Medien und selbst unter vielen Katholiken sowie einigen ranghohen Priestern stößt die Aktion auf viel Unverständnis. Und Gelächter. Besonders in der Kritik steht die Aussage des Papstes, es müsse ein Ende sein mit dem Spott gegen die Klimawissenschaft. Das Gegenteil scheint er erreicht zu haben, online wird lustvoll vielfach erklärt, dass es sich wohl eher um eine „Klima-Religion“ als um Fakten handele. 

Segnen, was geht – außer Homosexuelle

Natürlich könnte man entgegnen, dass jeder Priester auch das Weihwasser segnet, da mag ein Eisblock nur der nächste logische Schritt sein. Zudem haben Geistliche immer wieder Schlagzeilen gemacht, weil sie vom Autohaus bis zum Hinweisschild alles segnen, was geht – nur eben Homosexuelle nicht. Papst Leo XVI. hatte zuletzt erklärt, er werde sich mit den Rechten von LGBTIQ+ nicht befassen, denn das sei „höchst polarisierend“ und jene Polarisierung wolle er nicht verstärken. Bei anderen polarisierenden Themen wie der Klimakrise indes scheint Leo weniger Berührungsängste zu haben, wortwörtlich sogar. Oder muss man jedes Mal inzwischen einfach nur dankbar sein, wenn ein Geistlicher Hand anlegt an leblose Gegenstände und Eisblöcke anstatt an minderjährige Ministranten? 

Wie müssen sich gläubige Schwule und Lesben fühlen, die sehen, wie der Papst in einer skurrilen Aktion einen Eisblock segnet, sie selbst und ihre Liebe aber nur unter strengen Auflagen gesegnet werden dürfen – außerhalb eines Gottesdienstes und ohne Nähe zum Ehegelöbnis. Wer so segnet, segnet nicht wertfrei, er teilt ein in „echte“ und „falsche“ Liebe. Wer so segnet, sollte gar nicht segnen. Außer natürlich Wasser, in jedem Zustand, versteht sich. Bleibt die Frage offen, was schneller schmelzen wird: Der Eisblock unter Leos segensreicher Hand oder die Mitgliederzahl der römisch-katholischen Kirche. 

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