Direkt zum Inhalt

Familiengründung nach Outing Der chilenische Spitzenturner Tomás González spricht erstmals über seine Homosexualität

Von co - 08.08.2023 - 11:30 Uhr
Der chilenische Spitzenturner Tomás González ist schwul
Foto: © tomasgonzalez1
ANZEIGE
Loading audio player...

Turner Tomás González (37) nahm für Chile drei Mal an den Olympischen Spielen teil. Jetzt, kurz vor Ende seiner Sportler-Karriere, outete er sich in seiner Autobiografie „Champion: Lektionen, Triumphe und Stürze eines olympischen Turners“ als schwul. 

„Kein Thema mehr“

Seine sexuelle Orientierung bestätigte González noch einmal im Interview mit der chilenischen Zeitung La Tercera. „Ich nehme an, es ist kein Thema mehr“, sagte er dort. „Aber ja, ich bin schwul.“ Für sein Coming-out wählte der Turner bewusst seine Autobiografie, um es so weit wie möglich von seinen sportlichen Leistungen zu distanzieren. Er habe kein Interesse daran, sich „aktiv an der Politik zu beteiligen“, erklärte González dazu. Zwar werde er „gleiche Rechte für alle immer unterstützen“, habe sich jedoch nicht mit dem Ziel geoutet, um seine Sport-Karriere für den Aktivismus zu nutzen.

Sein Weg zum Glück

Seit sechs Jahren ist González in einer festen Beziehung. Jetzt möchte er seinen Partner heiraten und mit ihm zusammen eine Familie gründen. Doch der Weg bis zu diesem Wunsch war kein einfacher: Als Gonzáles mit 24 Jahren realisierte, dass er sich zu Männern hingezogen fühlt, war er sehr unglücklich: „Ich habe damals viel geweint“, offenbarte González.

„Ich war dabei, mich mit meiner Homosexualität zu arrangieren“, so der Sportler weiter. „Dabei hatte ich das Gefühl, dass auch ein Teil von mir stirbt.“ Gegenüber El Desconcierto erklärte er: „Schließlich wächst man in einer heteronormativen Gesellschaft auf, die einen noch immer prägt.“ Er sei froh, dass sich die Dinge langsam ändern und die neuen Generationen „viel entschlossener“ und weniger religiös „vorbelastet“ seien.

Schwulenhass im Turn-Sport

Bei internationalen Wettstreiten war der Australier Heath Thorpe laut Outsports bislang der einzige offen schwule männliche Turner. Auch unter den 186 queeren Sport-Profis bei der Olympiade in Tokyo war nur eine Turnerin. González glaubt, dass die geringe Zahl an offen queeren Turnerinnen und Turnern mit dem Weltbild des Turn-Sports zusammenhängt: „Machismo und Homophobie“ existierten nicht nur innerhalb der Gesellschaft, sondern „auch in der Turnhalle“.

Das habe er schon am eigenen Leibe erlebt: In seiner Autobiografie schreibt González davon, dass ein Trainer ihn 2007 als „Schwuchtel“ beschimpft habe, als er während eines Turniers stürzte. Rückblickend muss er sich heute eingestehen: „Ich war bereit, meine geistige Gesundheit zu opfern, um zu den Olympischen Spielen zu gelangen.“

Drei Mal in Olympia

Gonzáles nahm 2012 an den Olympischen Spielen in London teil. Auch bei den beiden darauffolgenden Olympia-Terminen 2016 in Rio und 2021 in Tokyo war er dabei. Leider reichte es nie für einen Platz auf dem Treppchen. Auf den vierten Platz schaffte er es bei den Spielen in London in zwei Wettbewerben. Bei den Panamerikanischen und den Südamerikanischen Spielen erturnte Gonzáles hingegen zahlreiche Medaillen.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Die Presse„Vor Scham im Boden versinken“: Audi-Chef Döllner erntet harsche Kritik für Auftritt bei Trump-WahlkampfSüddeutsche ZeitungNews-Überblick: Das sind die Nachrichten des TagesSüddeutsche Zeitung„Sextortion“ in München: Er wollte sich zum Sex treffen. Dann wurde er erpresstrbb24Queere Demo in Kreuzberg: Mehrere tausend Menschen fordern Schutz queeren LebensAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Welche Rolle sollten politische Forderungen auf CSDs spielen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

BBC tilgt Pride-Pins

BBC erklärt Eingriff in Quizshow

Zwei Studierende kritisieren die BBC: Ihre Pride-Anstecker verschwanden aus „University Challenge“. Der Sender verweist auf Richtlinien.
30 Jahre Intersex-Protest

Für das Recht am eigenen Körper

Am 26. Oktober 1996 protestierten intergeschlechtliche Menschen in Boston. Drei Jahrzehnte später geht es weiter um Selbstbestimmung.
Renaissance trifft Hollywood

Verblüffende Ähnlichkeit begeistert

Fotos von „Heated Rivalry“-Star Connor Storrie erinnern verblüffend an Michelangelos David, finden zumindest viele Fans und zeigen sich begeistert.
Wer wird der nächste 007?

Elf Kandidaten im Gespräch

Die Suche nach einem neuen James Bond geht in die entscheidende Phase. Elf LGBTIQ+-Schauspielstars könnten der Agentenreihe ein neues Gesicht geben.
Streit bei Tom of Finland

Finland Gedenkhaus in Gefahr

Nach 40 Jahren droht dem Tom of Finland House in Los Angeles das Aus. Ein Streit um Geld, Kunst und die Zukunft der Stiftung eskaliert.
Täglicher Hass gegen TV-Autor

Attacken auf Russell T Davies

Wegen seines Einsatzes für LGBTIQ+-Rechte wird Russell T Davies täglich beschimpft. Der „Queer as Folk“-Macher warnt vor wachsendem Hass.
Die geheime Pionierin

Ihr Mut schrieb Geschichte

1947 gründete eine junge Sekretärin heimlich das erste bekannte homosexuelle Magazin der USA – und riskierte damit ihre berufliche Existenz.
Angst in Amsterdam

Ziegelstein trifft Kinderzimmer

Nach einem Angriff auf das Schlafzimmer ihrer 13-jährigen Tochter entfernte eine Familie in Amsterdam aus Angst ihre Regenbogenflagge.
CSDs erleben Gewaltrekord

LGBTIQ+-Sichtbarkeit unter Druck

299 CSDs und mindestens 156 gestörte Veranstaltungen: Eine neue Auswertung zeigt eine deutliche Zunahme LGBTIQ+-feindlicher Angriffe in Deutschland.