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Hetzjagden in Ägypten
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Hetzjagden in Ägypten Lage wird immer gefährlicher: Polizisten suchen jetzt auch bei Facebook und Instagram nach Homosexuellen.

ms - 01.08.2023 - 10:00 Uhr
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All die politischen Versprechungen haben bisher offenbar nichts bewirkt – die ägyptische Polizei fahndet systematisch nach wie vor nach Homosexuellen und nutzt dazu Dating-Apps wie Grindr sowie aber auch neuerdings Social-Media-Portale wie Facebook oder Instagram. Das bestätigte jetzt die Organisation Bedayaa, die sich seit 2010 für die Rechte von Homosexuellen in Ägypten einsetzt. Dabei zeigt sich – die Hetzjagden nehmen offenbar sogar an Radikalität noch zu. 

Folter und erzwungene Geständnisse

„Queer zu sein wird in Ägypten immer gefährlicher, da die Strafverfolgungsbehörden mit einer beispiellosen Razzia gegen die Community vorgehen. Die Behörden nutzen archaische Gesetze, um queere Menschen zu verhaften, zu bedrohen und zu verfolgen. Schon die Anmeldung bei Dating-Apps wie Grindr kann zur Verhaftung führen. Die Opfer werden diskriminiert und gefoltert, unter anderem durch Schläge und sexuelle Gewalt sowie erzwungene Analuntersuchungen in Polizeigewahrsam“, so Bedayaa.

Damit bekräftigt die Organisation auch die landesweiten Gefahrenmeldungen, die der App-Dienst Grindr erst im März dieses Jahres veröffentlicht hatte. Gezielt schreiben verdeckte Ermittler vermeintliche Homosexuelle online an, kommt es dann zu einem Treffen, schnappt die Falle zu. Die Inhaftierten werden daraufhin offenbar gefoltert, bis sie die Namen weiterer möglicher Homosexueller preisgeben. Bereits in den ersten Monaten dieses Jahres sollen so über 150 schwule Männer verhaftet worden sein, wie auch Human Rights Watch nahelegte.  

Psychische Belastung nimmt weiter zu

Die ägyptische LGBTI*-Rechtsgruppe Bedayaa betont dabei weiter, dass neben den rechtlichen Konsequenzen das harte Durchgreifen immer mehr Schwule und queere Menschen im Land auch psychisch stark belastet. In diesem Zusammenhang bittet die kleine Organisation über Kooperationspartnerschaften mit dem LGBTI*-Verband All-Out auch immer wieder um Spenden, um inhaftierten Homosexuellen vor Ort helfen zu können.

Dabei dokumentiert die Organisation auch die Erlebnisse von Betroffenen. Ein schwuler Mann berichtet so beispielsweise: „Als ich mit Freunden in einem Café war, durchsuchten plötzlich verdeckte Polizisten unsere Handys und beschuldigten uns des Terrorismus. Nachdem sie Nacktfotos und explizite Unterhaltungen auf WhatsApp und Instagram gefunden hatten, wurden wir über einen Monat lang inhaftiert.“

Nicht aufgeklärte Morde

Ein anderer schwuler Ägypter berichtete: „Meine Freunde und ich bekamen eine Sprachnachricht, in der stand, dass 28 schwule Menschen von der Polizei verhaftet und dann gezwungen wurden, ihre Freunde anzurufen, damit sie ebenfalls verhaftet werden konnten. Vor ein paar Monaten wurde einer unserer Freunde tot aufgefunden. Ich bin überhaupt nicht mehr sicher. Ich habe Angst, abgeschlachtet zu werden!“

Besonders perfide dabei: In einigen Fällen zeigte sich, dass bereits ein Like-Button bei Facebook ausreicht, um ins Fahndungsnetz der ägyptischen Polizei zu geraten. „Nachdem ich auf Facebook meine Unterstützung für die LGBT*-Aktivistin Sarah Hegazy gezeigt hatte, wurde ich mit Körperverletzung und sogar Mord bedroht. Ich hatte keine andere Wahl und musste aus meiner Heimatstadt Qalyub flüchten“, berichtet ein weiterer Homosexueller gegenüber Bedayaa.

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