Direkt zum Inhalt

England sagt Sorry! Homosexualität war im britischen Militär jahrzehntelang verboten, tausende Schwule und Lesben verloren deswegen ihre Jobs.

Von ms - 20.07.2023 - 14:00 Uhr
England sagt Sorry!
Foto: IMAGO / NurPhoto
ANZEIGE
Loading audio player...

Der britische Premierminister Rishi Sunak hat sich jetzt offiziell bei den schwulen und lesbischen Veteranen für die diskriminierende Behandlung entschuldigt, die sie in der Vergangenheit seitens der britischen Regierung erlitten hatten. Das sei ein „entsetzliches Versagen unseres Staats“ gewesen, so Sunak. Viele wurden aufgrund ihrer Homosexualität entlassen oder gezwungen, das Militär zu verlassen. LGBTI*-Verbände gehen davon aus, dass mehrere tausend Veteranen davon betroffen waren – bis ins Jahr 2000 hinein war es im britischen Militär verboten gewesen, homosexuell zu sein.

Rund 1.200 Homosexuelle berichten über Diskriminierung

„Viele von ihnen mussten schrecklichen sexuellen Missbrauch und Gewalt, homophobe Schikanen und Belästigungen erdulden, während sie diesem Land tapfer gedient haben. Heute möchte ich mich im Namen des britischen Staates entschuldigen“, so Sunak wörtlich bei seiner gestrigen Rede im britischen Unterhaus.

Dem vorausgegangen war ein unabhängiger Bericht über die Behandlung von homosexuellen Veteranen über mehr als drei Jahrzehnte hinweg. Geleitet worden war die Untersuchung von dem ersten offen schwulen Richter Großbritanniens, Lord Etherton. Gehört wurden dabei fast 1.200 Homosexuelle, die von dem Verbot betroffen gewesen sind. Trans-Menschen war der Dienst im Militär indes nicht verboten, außer sie waren selbst auch homosexuell.    

Anerkennung des „enormen Schmerzes“

Die lesbische Veteranin Catherine Dixon erklärte, die Entschuldigung sei ein „wichtiger Schritt zur Erlangung von Gerechtigkeit“ für alle Betroffenen. „Viele wurden inhaftiert, erlebten Gewalt und lebten mit dem Makel strafrechtlicher Verurteilungen wegen der Person, die sie liebten, was einige obdachlos und viele arbeitsunfähig machte.“

Dem stimmte auch Emma Riley zu – sie arbeitete als Funkerin für die Royal Navy, wurde aber Anfang der 1990er Jahre verhaftet und entlassen, weil sie lesbisch ist. „Es ist eine Erleichterung, dass unsere Geschichte, unsere Erfahrungen und unser enormer Schmerz anerkannt und entschuldigt werden und dass die Streitkräfte und die Regierung, die das institutionelle Mobbing aufrechterhalten haben, nun zur Verantwortung gezogen werden“, erklärte sie gegenüber der BBC. Bereits vor rund zwei Jahren hatte sich bereits der berühmte britische Geheimdienst MI6 für das Verbot von Homosexuellen in seinen Reihen entschuldigt, das bis in die 1990er Jahre hinein Anwendung gefunden hatte.

Erfreut über die Entschuldigung zeigte sich auch der britische Sondergesandte des Premierministers für LGBT-Rechte, Nick Herbert: „Es wurde eine schreckliche Ungerechtigkeit gegen Menschen begangen, die ihrem Land dienten und gezwungen wurden, es zu verlassen, ohne einen anderen Grund als den, dass sie schwul waren. Jeder, der Zweifel an der Notwendigkeit einer Entschuldigung hat, sollte einfach den Etherton-Bericht lesen.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Süddeutsche ZeitungVeranstaltung in Garching: Fundamentalistische Hassbotschaften im BürgerhausDER STANDARDMit Troye Sivans "She’s The Best" auf der etwas anderen PartytazRazzien gegen Queers in der Türkei: Finsternis am BosporusGALAJorge González: Schwierige Kindheit in KubaAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Spätes Coming-Out mit 40

Saunabesuche, Sex und Politik

Der bekannte britische Radiomoderator Iain Dale spricht über Homophobie bei den Tories, sein spätes Coming-Out und sein früheres Sexleben.
Polizeieinsatz bei Halk TV

Türkei geht erneut gegen Medium vor

Nach einer Razzia bei Halk TV in der Türkei übernimmt der Staat jetzt die Kontrolle. Die Opposition kritisiert den Eingriff in die Pressefreiheit.
Social-Media-Verbot kommt

Regierung verschärft Jugendschutz

Die Bundesregierung plant strengere Social-Media-Regeln für Minderjährige. Für queere Jugendliche geht es dabei auch um wichtige Schutzräume.
Pentagon-Chef unter Druck

Kritik an US-Verteidigungsminister

Der schwule Demokrat Pete Buttigieg wirft US-Verteidigungsminister Pete Hegseth strategisches Versagen im Iran-Krieg vor und fordert seinen Rücktritt.
Kein Geld mehr für LGBTIQ+

Florida streicht Museumsförderung

Das bekannte LGBTIQ+-Museum in Florida verliert seine Förderung. Die Leitung kritisiert den Einfluss neuer Gesetze und fordert politischen Widerstand.
Kuss-Foto löst Hasswelle aus

Todesdrohung nach Familienfeier

Ein harmloses Kuss-Foto eines schwules Paares löst im Netz homophobe Hetze bis hin zu Todesforderungen aus. Das Paar lässt sich nicht einschüchtern.
Droht ein neues LGBTIQ-Verbot?

Aserbaidschans neue Gesetzespläne

Aserbaidschan soll ein Verbot sogenannter „LGBT-Propaganda“ nach russischem Vorbild planen. Einige Abgeordnete dementieren bisher eher halbherzig.
Kampf um die Ehe

Klage gegen die Slowakei

Zwei in Österreich verheiratete Männer kämpfen vor Gericht um die Anerkennung ihrer Ehe in der Slowakei – und berufen sich auf EU-Recht.
Nacktbilder als Druckmittel

Was du bei Sextortion tun kannst

Erpressung mit Nacktbildern? Was du jetzt tun kannst, wie du Hilfe bekommst und welche Dienste gegen die unerlaubte Verbreitung helfen.