Direkt zum Inhalt
Türkei vor Richtungswahl
ANZEIGE

Türkei vor Richtungswahl LGBTI*-Community hofft auf Neuanfang!

ms - 15.05.2023 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Nach den jüngsten Ergebnissen scheint der amtierende türkische Langzeit-Präsident die absolute Mehrheit bei der gestrigen Wahl knapp verfehlt zu haben – entgegen allen Prognosen erreichte Recep Tayyip Erdogan 49,25 Prozent der Stimmen, sein Herausforderer Kemal Kilicdaroglu rund 45 Prozent. Beide Politiker räumten heute Vormittag ein, dass kein Kandidat die erforderliche Marke von 50 Prozent erreicht habe. Die LGBTI*-Community hofft indes inständig, dass bei der jetzt anstehenden Stichwahl in zwei Wochen Erdogan verlieren wird.

Wie wird die Stichwahl ausgehen?

Wie hoch die Chancen dafür tatsächlich sind, lässt sich nur vermuten und gleicht dem Blick in die Glaskugel. Noch am gestrigen Wahlsonntag hatten die Umfrage-Institute einen deutlichen Vorsprung von Erdogans Herausforderer um rund sieben Prozentpunkte vorausgesagt und lagen damit offensichtlich komplett falsch. Jetzt nach der ersten Wahl scheint medial die nächste Runde der Wahrsagerei eingeläutet zu werden – während einige beflügelt durch das knappe Wahlergebnis bereits das Ende Erdogans erkennen wollen, jubeln andere schon einem erneuten Sieg Erdogans entgegen, der seit rund zwei Jahrzehnten das Land nach seinem Willen geformt hat.

Mit Erdogan bleibt keine Hoffnung mehr für LGBTI*-Menschen

Der Kampf gegen LGBTI*-Menschen in der Türkei wurde dabei in den letzten acht Jahren immer radikaler, sei es nun durch die brutale Unterdrückung von Pride-Paraden oder dem generellen Einsatz gegen mehr Rechte für Homosexuelle oder auch durch direkte verbale Attacken gegenüber der Community, die gerade im Vorfeld der Wahl verstärkt als Sündenbock für alle Missstände im Land herhalten musste – darunter fällt ein Bildungsnotstand sowie ein marodes Gesundheits- und Wirtschaftssystem.

Nur eines ist sicher: Die Präsidenten-Stichwahl Ende Mai wird eine der wichtigsten in der Geschichte sein, gerade auch für Homosexuelle. Durch Verfassungsänderungen sicherte sich Erdogan zuletzt weitreichende Befugnisse und hat inzwischen auch die meisten türkischen Institutionen fest im Griff. Bei der gestrigen Wahl wurde zudem das Parlament neu gewählt – dabei setzte sich offenbar ebenso Erdogans AKP gestärkt gegen die Opposition durch. Bleibt Erdogan weiter Präsident, dürfte dies das Ende jedweder Hoffnung auf rechtliche oder gesellschaftliche Besserung für LGBTI*-Menschen in der Türkei sein.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Trans-Verbot im Militär

Vorhaben scheitert im US-Kongress

Ein republikanischer Vorstoß zur dauerhaften Festschreibung von Trumps Trans-Verbot im US-Militär scheiterte jetzt im Repräsentantenhaus.
Grausamer Mord in Italien

Sportjournalist lebendig verbrannt

In Italien wurde der vermeintlich schwule Sportjournalist Luigi Esposito lebendig verbrannt. Der Täter nennt sexuelle Annährungen als Motiv.
Forderung nach Reform

Petition für Gleichstellung

Rund 120.000 Menschen fordern jetzt eine Reform des Abstammungsrechts, damit Kinder aus Regenbogenfamilien endlich rechtlich gleichgestellt werden.
Mehr Schutz beim CSD

Hamburg reagiert auf Anschlag

Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD verschärft Hamburg die Sicherheitsvorkehrungen für die Pride-Demonstration am kommenden Wochenende.
Debatte nach dem Anschlag

Deutliche Kritik an der Justiz

Nach dem CSD-Anschlag fordern Politik und Experten Konsequenzen – von einer Grundgesetzänderung bis zur Aufarbeitung der Justizentscheidung.
Community unter Schock

LSVD+ fordert Konsequenzen

Nach dem tödlichen Anschlag auf den Berliner CSD fordert der LSVD+ mehr Schutz vor queerfeindlicher Gewalt und warnt vor Instrumentalisierung.
Details über CSD-Todesopfer

Polnische Mutter starb bei Amoklauf

Das Todesopfer des Terroranschlags auf den Berliner CSD stammt aus Polen. Die Tochter der 65-Jährigen überlebte verletzt, Polen ermittelt nun selbst.
Kritik von Stefan Evers

Streit um Reaktion auf Anschlag

Nach dem Terroranschlag am Berliner CSD entbrennt zwischen CDU, Linken, Grünen und SPD ein scharfer Streit über den Umgang mit Islamismus.
Schwule Cowboys im Rampenlicht

Cowboys als Social-Media-Hit

Seit dem Nationalen Cowboy-Tag am Wochenende rücken schwule Cowboys online wieder in den Fokus – und ein altes Klischee erhält neue Aufmerksamkeit.