Türkei vor Richtungswahl LGBTI*-Community hofft auf Neuanfang!
Nach den jüngsten Ergebnissen scheint der amtierende türkische Langzeit-Präsident die absolute Mehrheit bei der gestrigen Wahl knapp verfehlt zu haben – entgegen allen Prognosen erreichte Recep Tayyip Erdogan 49,25 Prozent der Stimmen, sein Herausforderer Kemal Kilicdaroglu rund 45 Prozent. Beide Politiker räumten heute Vormittag ein, dass kein Kandidat die erforderliche Marke von 50 Prozent erreicht habe. Die LGBTI*-Community hofft indes inständig, dass bei der jetzt anstehenden Stichwahl in zwei Wochen Erdogan verlieren wird.
Wie wird die Stichwahl ausgehen?
Wie hoch die Chancen dafür tatsächlich sind, lässt sich nur vermuten und gleicht dem Blick in die Glaskugel. Noch am gestrigen Wahlsonntag hatten die Umfrage-Institute einen deutlichen Vorsprung von Erdogans Herausforderer um rund sieben Prozentpunkte vorausgesagt und lagen damit offensichtlich komplett falsch. Jetzt nach der ersten Wahl scheint medial die nächste Runde der Wahrsagerei eingeläutet zu werden – während einige beflügelt durch das knappe Wahlergebnis bereits das Ende Erdogans erkennen wollen, jubeln andere schon einem erneuten Sieg Erdogans entgegen, der seit rund zwei Jahrzehnten das Land nach seinem Willen geformt hat.
Mit Erdogan bleibt keine Hoffnung mehr für LGBTI*-Menschen
Der Kampf gegen LGBTI*-Menschen in der Türkei wurde dabei in den letzten acht Jahren immer radikaler, sei es nun durch die brutale Unterdrückung von Pride-Paraden oder dem generellen Einsatz gegen mehr Rechte für Homosexuelle oder auch durch direkte verbale Attacken gegenüber der Community, die gerade im Vorfeld der Wahl verstärkt als Sündenbock für alle Missstände im Land herhalten musste – darunter fällt ein Bildungsnotstand sowie ein marodes Gesundheits- und Wirtschaftssystem.
Nur eines ist sicher: Die Präsidenten-Stichwahl Ende Mai wird eine der wichtigsten in der Geschichte sein, gerade auch für Homosexuelle. Durch Verfassungsänderungen sicherte sich Erdogan zuletzt weitreichende Befugnisse und hat inzwischen auch die meisten türkischen Institutionen fest im Griff. Bei der gestrigen Wahl wurde zudem das Parlament neu gewählt – dabei setzte sich offenbar ebenso Erdogans AKP gestärkt gegen die Opposition durch. Bleibt Erdogan weiter Präsident, dürfte dies das Ende jedweder Hoffnung auf rechtliche oder gesellschaftliche Besserung für LGBTI*-Menschen in der Türkei sein.