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Grausamer Mord in Italien Täter schildert eigene Version und sorgt für Debatten

Von ms - 28.07.2026 - 11:00 Uhr
Grausamer Mord in Italien
Foto: Instagram / Luca Esposito
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Schock in Italien: Der 53-jährige, vermeintlich schwule Sportjournalist Luigi „Luca“ Esposito wurde vor rund eineinhalb Wochen bestialisch ermordet, der mutmaßliche Hintergrund beschäftigt seitdem intensiv die italienischen Ermittler und die LGBTIQ+-Community. Esposito war in der Nacht vom 18. auf den 19. Juli auf einem landwirtschaftlichen Gelände bei Eboli in Salerno, einer Hafenstadt südöstlich von Neapel, bewusstlos geschlagen und anschließend lebendig verbrannt worden.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der 53-jährige Sportjournalist Luigi „Luca“ Esposito wurde in der Nacht vom 18. auf den 19. Juli bei Eboli lebendig verbrannt.
  • Der mutmaßliche Täter Ridha Rahmouni hat die Tat gestanden und nennt sexuelle Annäherungen als Motiv.
  • Die Staatsanwaltschaft hat diese Darstellung bislang nicht bestätigt und spricht von einem Streit.
  • Der Fall löste eine Debatte über den Schutz der Privatsphäre des Opfers und seine vermeintliche Homosexualität aus.
  • Der LGBTIQ+-Verband Arcigay warnt davor, aus den Aussagen des Beschuldigten einen öffentlichen Prozess zu machen.

Beschuldigter nennt Motiv

Der mutmaßliche Täter Ridha Rahmouni, ein 26 Jahre alter Tunesier, hat die Tat bereits gestanden und den Ermittlern seine Version des Geschehens geschildert. Nach seinen Angaben habe er gehandelt, weil er sich durch sexuelle Annäherungen des Journalisten belästigt gefühlt habe. Rahmouni erklärte, Esposito habe gegen Bezahlung sexuelle Kontakte zu einigen seiner Landsleute unterhalten und auch mit ihm eine ähnliche Beziehung angestrebt. Die Darstellung des Beschuldigten ist bislang nicht als erwiesener Sachverhalt bestätigt. 

Die Staatsanwaltschaft Salerno unter Leitung von Raffaele Cantone spricht bislang lediglich von einem Streit, dessen genaue Ursachen noch untersucht werden. Der Verteidiger Rahmounis, Giovanni Mauri, verwies gegenüber Medien auf zwei zentrale Punkte hin: die Kontakte des Opfers sowie das religiöse Umfeld seines Mandanten. Nach Darstellung der Verteidigung habe Rahmounis religiöse Überzeugung angesichts der angeblichen Annäherungen Espositos zu der gewaltsamen Reaktion geführt. Rahmouni ist ein tunesischer Staatsbürger, der sich nach Angaben der Behörden irregulär in Italien aufgehalten haben soll und gegen den eine Rückführungsverfügung bestand. Ihm werden vorsätzlicher Mord und die Zerstörung einer Leiche vorgeworfen.

Journalist lebendig verbrannt 

Nach den bisherigen Ermittlungen soll Esposito, der sich selbst Luca nannte, mehrfach mit bloßen Händen geschlagen worden sein. Anschließend sei sein Körper mit Plastikmaterial und Decken bedeckt und angezündet worden. Nach Informationen der Ermittler soll der Journalist zu diesem Zeitpunkt noch gelebt haben. Nach Rahmounis Darstellung hatten sich die beiden am Samstagnachmittag getroffen, nachdem zuvor über mehrere Wochen ein intensiverer telefonischer Kontakt bestanden habe. Die Auswertung der Telefonverbindungen bestätigte nach Angaben der Ermittler den Austausch zwischen den beiden. Auf den Streit sei demnach die Prügelattacke gefolgt, anschließend die Verbrennung des Körpers. Rahmouni erklärte außerdem, er sei praktizierender Muslim und habe einen von ihm beschriebenen Kreislauf wirtschaftlicher Abhängigkeiten beenden wollen. Dabei seien einige seiner Landsleute durch Esposito zu Beziehungen gedrängt worden, die seine Religion ablehne.

Zweifel an Darstellung des Täters

Die Details stammen ausschließlich aus den Aussagen des Mannes, der den Mord gestanden hat. Er habe ein offensichtliches Interesse daran, eine Darstellung zu vermitteln, die seine Verantwortung abschwächt oder die Tat als Reaktion auf eine Provokation erscheinen lässt, betonen die Ankläger. Die bisherigen Ermittlungen, darunter Telefonverbindungen und Standortdaten, haben die Angaben zum Privatleben des Opfers öffentlich weder bestätigt noch widerlegt. Festgestellt wurde bislang lediglich ein häufiger Nachrichtenaustausch zwischen Esposito und Rahmouni. Rahmouni wurde dem Ermittlungsrichter zur Haftprüfung vorgeführt. Anschließend wurde Untersuchungshaft gegen ihn angeordnet.

Streit über Umgang mit Privatleben 

Der LGBTIQ+-Verband Arcigay reagierte kritisch auf die öffentliche Diskussion über die Hintergründe der Tat. Der Verband warnte davor, allein auf Grundlage der Aussagen des mutmaßlichen Täters einen öffentlichen Prozess über das Privatleben des Opfers zu führen. In italienischen Medien entstand eine Debatte darüber, wie mit Informationen über persönliche Lebensumstände des Getöteten umzugehen ist. Im Umfeld des Fußballjournalismus, in dem Esposito arbeitete, habe er einen Ring getragen und den Eindruck erweckt, verheiratet zu sein. Tatsächlich sei er nie verheiratet gewesen.

Nach Einschätzung des Berichts könnte sich ein Bild abzeichnen, wonach Esposito möglicherweise durch ein homophobes Umfeld im Sportjournalismus dazu gedrängt worden sein könnte, eine Lebensgeschichte zu erzählen, die seine tatsächliche sexuelle Identität verdeckte. Laut den Ermittlern verdichten sich die Anzeichen, dass der 53-jährige schwul war. Sollte sich diese Einschätzung bestätigen, wäre der Fall möglicherweise noch schwerwiegender als die bereits brutale Ausführung der Tat. Der Fall müsse trotz der Kritik aus Teilen der LGBTIQ+-Community weiter aufgeklärt werden, heißt es seitens der Staatsanwaltschaft. Ziel müsse es sein, die Hintergründe des Verbrechens zu beleuchten, ohne das Privatleben des Opfers zum Gegenstand einer öffentlichen Verurteilung zu machen.

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