Direkt zum Inhalt
Rechtsruck in Finnland
ANZEIGE

Rechtsruck in Finnland Kommen homophobe Rechtspopulisten an die Macht?

ms - 03.04.2023 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Finnland gilt bezüglich seiner Auffassung zum Thema Homosexualität als liberaler Staat in Europa – seit 2017 gibt es die Homo-Ehe, bereits seit 1995 sogar ein Anti-Diskriminierungsgesetz zum Schutz von sexuellen Minderheiten. Auch eine Stiefkindadoption für gleichgeschlechtliche Paare ist seit 2009 möglich. Wie viel davon nun nach den gestrigen Parlamentswahlen in Finnland ernsthaft in Gefahr sein könnte, ist die große Frage, mit der sich Schwule und Lesben in dem kleinen Land mit rund 5,5 Millionen Einwohner konfrontiert sehen.

Homosexuelle sind für Zweitplatzierte eine Gefahr

Die bislang regierenden Sozialdemokraten von Ministerpräsidentin Sanna Marin (links im Bild, daneben mittig Riikka Purra von der Partei Wahre Finnen und Wahlgewinner Petteri Orpo, Chef der Nationalen Sammlungspartei) wurde abgewählt und kam mit 19,9 Prozent aller Wählerstimmen auf den dritten Platz. Knapp davor liegt die rechtspopulistische Partei „Die wahren Finnen“ sowie an erster Stelle mit 20,7 Prozent die Konservativen, sie sogenannte „Nationale Sammlungspartei“. Gerade die Zweitplatzierten bereiten der Gay-Community große Sorgen, seit Jahren positionieren sich die Rechtspopulisten klar gegen die Rechte von Homosexuellen und erklärten immer wieder, dass Schwule und Lesben eine Gefahr für die heterosexuelle Familie seien. So steht am Ende die Frage im Raum, wer mit wem in eine Koalition eintreten wird.

Eine Koalition mit Rechtsaußen?

Die Mehrheitsverhältnisse sind schwierig, das Parlament umfasst 200 Sitze, was bedeutet, dass es mindestens drei Parteien braucht, um eine regierungsfähige Mehrheit zu bilden. Die Konservativen erreichten 48 Mandate, die Finnen-Partei 46, die Sozialdemokraten 43. Bisher regierte Marin von den Sozialdemokraten mit einer Mitte-links-Koalition, bestehend aus fünf Parteien. Nun blicken alle zu Petteri Orpo, dem Chef der Konservativen und voraussichtlich neuem Premierminister des Landes. Anders als die bisherige Premierministerin Martin schloss Orpo die Zusammenarbeit mit keiner Partei aus, auch nicht mit den homophoben Rechtspopulisten.

Angst in der Community

Die Angst innerhalb der schwul-lesbischen Community ist also nicht gänzlich unbegründet, noch dazu, wo die linksgerichteten Parteien beinahe durchwegs abgestraft worden sind, während die rechtspopulistische Finnen-Partei ihr bestes Wahlergebnis der Geschichte einfahren konnte. Orpo von den Konservativen kündigte zudem auch an, Finnland nun auf den „rechten Weg“ zurückführen zu wollen. Fakt ist, für eine Mehrheit braucht er eine der beiden anderen großen Parteien – nur allein mit kleineren Parteien gelingt keine Mehrheit. Entscheidet er sich gegen die Sozialdemokraten, bleiben nur die Rechtskonservativen übrig.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Liebe trotz Distanz

Rob Jetten und Nicolás Keenan

Der argentinische Hockey-Spieler Nicolás Keenan freut sich auf Zweisamkeit mit seinem Verlobten, den niederländischen Premierminister Rob Jetten.
Volleyballer Merrick McHenry

Die neue Hoffnung aus den USA

Der schwule Volleyball-Star Merrick McHenry führt die USA mit einer starken Leistung zu Silber und empfiehlt sich für die Olympischen Spiele 2028.
Nachfolger von Heartstopper

Schwule Romanze aus Brasilien

Konkurrenz für Heartstopper: Mit „Fünfzehn Tage sind für immer“ bringt Netflix eine schwule Coming-of-Age-Romanze aus Brasilien auf die Bildschirme.
Kampf für die Liebe

Lesbisches Paar in Uganda

Nach Monaten in Haft kämpft das lesbische Paar Wendy und Denise in Uganda weiter für ihre Beziehung – trotz Drohungen, Angst und Ausgrenzung.
Kanada öffnet Samenspende

Ende homophober Diskriminierungen

Kanada streicht umstrittene Regeln für Samenspenden und beseitigt damit eine weitere diskriminierende Hürde für schwule und bisexuelle Männer.
Outing im Job in Österreich

Studien zeigen große Zurückhaltung

Neue Studien zeigen: Viele LGBTIQ+-Menschen in Österreich verschweigen ihre Sexualität im Beruf aus Angst vor Diskriminierung und Benachteiligung.
Sorge um Perez Hilton

Selbstverletzung während Livestream

US-Blogger Perez Hilton hat sich in einem Livestream in offenbar suizidaler Absicht mit einem Messer selbst verletzt. Aktuell ist er in einer Klinik.
Rob Jetten trifft Joe Locke

Meeting beim World Pride

Der niederländische Premierminister Rob Jetten hat Heartstopper-Star Joe Locke getroffen und kündigte Millionenhilfen für mehr LGBTIQ+-Sicherheit an.
Gedenkstätte nach CSD-Anschlag

Berlin schafft Ort des Erinnerns

Mit einem Gedenkbaum und einer Regenbogenbank will Berlin künftig dauerhaft an die Opfer des CSD-Anschlags vom 25. Juli erinnern.