Direkt zum Inhalt
Letzte Hoffnung für Uganda?
ANZEIGE

Letzte Hoffnung für Uganda? Kommt das schwulenfeindlichste Gesetz weltweit wirklich?

ms - 28.03.2023 - 11:00 Uhr
Loading audio player...

Können Europa und die USA genug Druck aufbauen, sodass Ugandas Präsident Yoweri Museveni das schwulenfeindliche Hassgesetz nicht unterschreibt? Internationale wie nationale Organisationen setzen immer mehr ihre letzte Hoffnung darauf, dass vor allem aus finanziellen Erwägungen heraus eines der schlimmsten und menschenfeindlichsten Gesetze gegen Schwule nicht unterzeichnet wird. Berechtigte Hoffnung gibt es allerdings immer weniger.

Vernichtungsfeldzug gegen Homosexuelle

Das beinahe einstimmig verabschiedete Gesetz sieht teils lebenslange Haft- und sogar Todesstrafen für Homosexuelle vor, sowie auch für alle Menschen, die sich für Schwule und Lesben einsetzen, sie unterstützen, sie nicht anzeigen, ihnen eine Wohnung vermieten oder auch nur mit ihnen sprechen – kurzum, es ist die finale Kampferklärung, um Homosexuelle in Uganda zu vernichten. Die USA, die Europäische Union sowie auch zahlreiche Politiker aus Deutschland zeigten sich zuletzt fassungslos angesichts einer solch überbordenden Welle des Hasses.

Zuletzt erklärte heute Morgen Cornelia Möhring, Sprecherin für Entwicklungspolitik der Bundestagsfraktion Die Linke: „Es ist grausam und unmenschlich, die Todesstrafe für Liebende zu verhängen." Und die queer-politische Sprecherin der Partei, Kathrin Vogler, bekräftigte: „Unsere Solidarität gilt der betroffenen ugandischen LGBTIQ-Szene, die seit Jahrzehnten denunziert, stigmatisiert, bedroht wird und gewaltvolle Erfahrungen ertragen muss."

Warum schweigen die Kirchen?

Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland erklärte, das Auswärtige Amt müsse zeitnah alle diplomatischen Mittel nutzen, um die Unterzeichnung durch den Präsidenten zu verhindern. Zudem fordert der Verein auch alle Kirchen auf, endlich klar und eindeutig Stellung für die Gay-Community zu beziehen – bis heute ist der Glauben in Uganda stark ausgeprägt. Homosexualität wird als „Krebsgeschwür“ und große Gefahr für die Fortentwicklung der Menschheit und der Familien angesehen.

Hilft das Einfrieren von Entwicklungshilfen?

Für den LSVD ist zudem klar, es geht hier eindeutig nur um Hass und Verachtung: „Jetzt ist Handeln gefragt – denn das Gesetz könnte nach einem Monat tatsächlich in Kraft treten und alle gefährden! Aktuell befinden wir uns in einer kritischen Phase der Gesetzgebung, denn zum Inkrafttreten fehlt nur noch die Unterschrift des Präsidenten.“ Genau diese finale Unterschrift wird inzwischen als reine Formsache angesehen, sodass die Chancen sehr gering sein dürften, dass sich Museveni tatsächlich anders entscheiden wird.

Erst vor kurzem bekräftigte der 78-jährige Langzeitpräsident (seit 1968 im Amt), dass er das Gesetzesvorhaben begrüße und unterschreiben wolle. Bereits bei den ersten Verschärfungen des Gesetzes hatten einige westliche Länder wie beispielsweise Schweden ihre gesamten Entwicklungshilfe-Zahlungen vorerst eingestellt – auch das beeindruckte weder das Parlament noch den Präsidenten. Im Gegenteil sogar, mehrfach war erklärt worden, es ginge hier um eine grundsätzliche Frage der Moral, die in westlichen Staaten immer mehr verdorben sei.

Wirtschaftswachstum und Goldrausch in Uganda

Abseits von diplomatischen Bemühungen und dem Schritt von weiteren Sperren bei finanziellen Zuwendungen bleibt auch Deutschland oder der Europäischen Union kaum eine weitere Möglichkeit offen, überhaupt noch Einfluss auf Ugandas Präsident zu nehmen, der zudem auf den Rückhalt seiner eigenen Bevölkerung bauen kann. Der Großteil der 47 Millionen Einwohner verabscheut offenbar ebenso homosexuelle Menschen.

Und auch die finanziellen Stellschrauben dürften aus Sicht von Uganda dürftig sein – das Land erlebt seit Jahren einen wirtschaftlichen Aufschwung mit Wachstumsraten von bis zu sechs Prozent jährlich; Kaffee, Tee und Bananen werden in die ganze Welt exportiert – mehr als jede zehnte Banane weltweit kommt aus dem Land in Ostafrika. Im Jahr 2022 wurde dann in Uganda zudem ein gigantisches Goldvorkommen entdeckt, die derzeitigen Schätzungen belaufen sich auf 320.000 Tonnen reinstes Gold. Der derzeitige Marktwert entspricht mindestens rund 19 Billionen (oder 19.000 Milliarden) Euro.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Happy Birthday Ralf König

Comic-Ikone feiert Schnapszahl

Mit seinen Comics prägte Ralf König über Jahrzehnte das Selbstverständnis schwuler Männer – jetzt wird der Meister 66 Jahre jung. Wir gratulieren!
Musikwelt in Trauer

Madonna-Produzent ist tot

William Orbit ist tot. Die Musikwelt verliert einen der einflussreichsten Produzenten, unter anderem von Madonna, Britney Spears und Pink.
Gute Ausreden im Sommer

Hitzefrei im Regenbogenland

Wenn die Temperaturen steigen, wird das Nachtleben kreativ – vor allem bei der Frage, warum heute wirklich niemand auf die Tanzfläche muss.
Schwule Badehäuser in New York

Comeback nach 40 Jahren Verbot

Die Stadt New York prüft nach 40 Jahren Verbot die Rückkehr von schwulen Badehäusern – ein Abschied von Regeln aus der frühen AIDS-Krise.
Tödliche Dating-Masche

Mord in Niederösterreich

Ein 29-jähriger schwuler Mann wurde in Niederösterreich in eine Dating-Falle gelockt und zu Tode geprügelt. Tatverdächtig ist ein 18-Jähriger.
Streit um gleiche Elternrechte

120.000 Unterschriften gesammelt

Eine Petition des LSVD+ fordert gleiche rechtliche Absicherung für alle Kinder – inzwischen haben rund 120.000 Menschen unterschrieben.
LSVD+ und HateAid

Neues Bündnis gegen Hass

QueerSafe Berlin und HateAid bündeln ihre Angebote, um queere Menschen bei digitaler Gewalt schneller und umfassender zu unterstützen.
Feuerwehrkapitänin getötet

Ehefrau legt Mordgeständnis ab

Eine 54-jährige Frau hat jetzt in Kalifornien den Mord an ihrer Ehefrau Rebecca Marodi gestanden. Ermittler sehen Eifersucht als mögliches Motiv.
Streit im Tennissport

Debatte um neue Gen-Tests

Der Streit über den Ausschluss von trans* Sportlerinnen im Frauentennis geht weiter, jetzt äußerte sich Coco Gauff zu den Geschlechtstests der WTA.