Direkt zum Inhalt
Norwegens neue Trans-Politik

Norwegens neue Trans-Politik Gesundheitskommission stuft Pubertätsblocker als experimentell ein

ms - 13.03.2023 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Mit viel Verständnis und unter Einbindung unterschiedlicher Standpunkte hat sich die Nationale Untersuchungskommission für das Gesundheits- und Pflegewesen (UKOM) in Norwegen jetzt ausführlich dem Thema Geschlechtsdysphorie und Transitionswunsch bei Kindern und Jugendlichen gewidmet. Dabei betont UKOM: „In der Öffentlichkeit gibt es eine anhaltende Debatte über Behandlungsmöglichkeiten für Geschlechtsinkongruenz. Diese ist anspruchsvoll, und viele Menschen zögern, sich an der Debatte zu beteiligen. Es kann schwierig sein, sich daran zu beteiligen, weil es sowohl zwischen den Gruppen als auch innerhalb der Gruppen große Meinungsverschiedenheiten gibt. Wir sind uns bewusst, dass die Wahl der Worte und das Verständnis für die Komplexität wichtig sind. Die Situation der Ungewissheit und Uneinigkeit wirkt sich auf die Entwicklung der Gesundheitsdienste aus.“ Ziel der Studie sei es dabei gewesen, eine sichere Hilfe und Behandlung für Kinder und Jugendliche mit Geschlechtsinkongruenz zu gewährleisten.

Besondere Wachsamkeit bei Jugendlichen nötig

Für den ausführlichen Bericht hat UKOM mit Akteuren sowohl von Seiten der Behörden, des Gesundheitspersonals als auch der Patienten- und Angehörigenorganisationen gesprochen. Die Kommission sah sich dazu veranlasst, die aktuelle Sachlage allein schon deswegen zu untersuchen, da die Fallzahlen zuletzt sehr stark angestiegen sind. Gab es bis 1990 noch im Durchschnitt vier Überweisungen pro Jahr bezüglich einer Geschlechtsdysphorie bei Kindern und Jugendlichen, verzeichneten die Behörden in den letzten Jahren seit 2018 bis zu 600 Fälle jährlich.

Der größte Anstieg ist dabei bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu verzeichnen, die bei der Geburt als Mädchen registriert wurden, sich aber als Jungen identifizieren. „Unser besonderes Augenmerk gilt daher Teenagern und jungen Menschen mit Geschlechtsinkongruenz und Geschlechtsdysphorie, die medizinische Hilfe suchen. Kinder und Jugendliche sind körperlich, geistig, sexuell und sozial noch nicht voll entwickelt. Dies erfordert besondere Wachsamkeit im Hinblick auf die Patientensicherheit. Unsere Erkenntnisse und Empfehlungen werden auch für die Dienstleistungen für Erwachsene relevant sein“, so UKOM weiter.

Mangel an forschungsbasiertem Wissen

Zusammenfassend stellt UKOM dabei fest, dass die nationalen Leitlinien für Geschlechtsinkongruenz überarbeitet werden müssen, um eine gleiche und gute Behandlung für alle zu gewährleisten. UKOM empfiehlt daher, die pubertätsverzögernde Behandlung (Pubertätsblocker) sowie die hormonelle und chirurgische Behandlung zur Bestätigung des Geschlechts bei Kindern und Jugendlichen als „Versuchsbehandlung“ beziehungsweise „experimentelle Behandlung“ zu definieren.

„Die Evidenzbasis, insbesondere das forschungsbasierte Wissen über geschlechtsangleichende hormonelle und chirurgische Behandlungen, ist unzureichend, und die langfristigen Auswirkungen sind nicht gut bekannt. Dies gilt insbesondere für die jugendliche Bevölkerung, bei der die Stabilität ihrer Geschlechtsinkongruenz ebenfalls nicht bekannt ist. Es mangelt an forschungsbasiertem Wissen über die Behandlung von Patienten mit nicht-binärer Geschlechtsinkongruenz.“

Gesundheitssystem überfordert mit Situation

Vielerorts seien deswegen Gesundheitsdienstleister bezüglich der Anzahl der Fälle als auch des fundiert medizinischen Umgangs selbst überfordert. Die UKOM spricht von einer „Lücke“ zwischen den Leitlinien und den derzeit verfügbaren Dienstleistungen. „Ohne eine gut dokumentierte Evidenzbasis und ohne einen guten Überblick über die negativen und schädlichen Aspekte der verschiedenen Behandlungen ist es für den Gesundheitsdienst schwierig, die Erwartungen zu erfüllen.“ Es bedarf also neuer Grundsätze im Umgang für Behandlungen von Jugendlichen mit Transitionswunsch.  

Meinungsklima birgt Gefahren in sich

Dabei rät UKOM angesichts der dünnen bisherigen Wissenslage zur Vorsicht, auch und gerade im Umgang mit Medien: „Wir erkennen an, dass sich im Bereich der Geschlechtsinkongruenz ein herausforderndes Meinungsklima entwickelt hat. Das Klima der Meinungsäußerung in der Öffentlichkeit wirkt sich auf die Informationen aus, die Kindern und Jugendlichen mit Geschlechtsinkongruenz und Geschlechtsdysphorie und ihren Familien zur Verfügung stehen. Es hat erhebliche Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche, auch in Bezug auf Behandlung und Gesundheitsdienste. Wir hören von allen Seiten von Ängsten und Befürchtungen, etwas falsch zu machen. Unterschiedliche Auffassungen darüber, was die richtige Behandlung ist, können zu einem schwierigen Spannungsverhältnis führen.“

Neue Leitlinien streng nach Faktenlage

Wichtig sei es daher, eine konstruktive Gemeinschaft für all diejenigen zu schaffen, die sich für eine gute Gesundheitsversorgung von Menschen mit Geschlechtsinkongruenz einsetzen wollen – frei von Dogmen oder Vorurteilen. Das Gesundheitsministerium solle deswegen die nationalen fachlichen Leitlinien  zur Geschlechtsinkongruenz überarbeiten – die Überarbeitung sollte dabei auf einer „systematischen Wissenssynthese“ beruhen. Pubertätsblocker sowie hormonelle und chirurgische Behandlungen zur Geschlechtsangleichung bei Kindern und Jugendlichen müssten als experimentelle Prüfbehandlung definiert werden. Zudem solle ein nationales medizinisches Qualitätsregister für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Geschlechtsdysphorie eingerichtet werden.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Ende einer Cruising-Kultstätte

Park in Brooklyn wird neu gestaltet

Einst der Märchenpark für Schwule, wird der Cruising-Bereich im Brooklyner Prospect Park nun komplett umgestaltet. Die Community blick wehmütig darauf
Skandal in Australien

Gemeine Attacke auf Community

Die Polizei in Westaustralien untersucht Flugblätter gegen LGBTIQ+-Menschen, die darin fälschlicherweise der Pädophilie beschuldigt werden.
Streit an Boston University

Entfernung von Pride-Fahnen

An der Boston University wird derzeit heftig um LGBTIQ+ und Sichtbarkeit gestritten nach dem Entfernen von Pride-Flaggen.
Glückliche schwule Männer

Was macht uns wirklich happy?

Heute feiern wir den Tag des Glücks, doch was genau macht Schwule wirklich glücklich? Und wie können wir unser Glück steigern?
Meilenstein für "Evil Gay"

Aaron Rourke wird Singles-Champion

Historischer Sieg: Wrestler Aaron Rourke alias "Evil Gay" ist der erste offen schwule Singles-Champion in der WWE-Geschichte.
Sicherheitskonzept für den ESC

Hohes Security-Konzept bleibt

Der ORF hat das hohe Sicherheitskonzept für den ESC noch einmal bekräftigt, man sei gewappnet auch angesichts diverser politischer Spannungen weltweit
Urteil in London

Betrug durch Dating-Apps

Ein 26-Jähriger wurde in London jetzt zu drei Jahren Haft verurteilt, er hatte schwule Männer mittels Dating-Apps um viel Geld betrogen.
Kindesmissbrauch im Fußball

Jugendtrainer in Verdacht

Die Polizei ermittelt gegen einen 43-jährigen Ex-Jugendtrainer des 1. FC Köln, der mehrere Kinder sexuell missbraucht haben soll.