Direkt zum Inhalt

Vorwürfe gegen New York Times Queere US-Organisationen fordern Anpassung

Von ms - 16.02.2023 - 12:30 Uhr
Kampfansage an die New York Times
Foto: iStock / mizoula
ANZEIGE
Loading audio player...

Die renommierte New York Times wird in diesen Tagen massiv von queeren Organisationen unter Druck gesetzt – das Zeitungsunternehmen, welches bis heute weltweit für seinen sachlichen und herausragenden Journalismus bekannt ist und auch mehrfach ausgezeichnet wurde, solle seine Berichterstattung über Trans-Menschen sofort ändern. In den letzten Monaten hatte die New York Times nebst Trans-Aktivisten auch kritische Stimmen zu Wort kommen lassen, die beispielsweise die Vergabe von umstrittenen Pubertätsblockern für gefährlich halten. Das geht einer Gruppe von queeren Aktivisten unter Leitung der LGBTI*-Organisation GLAAD zu weit.

Schwule verbreiten “schädliche Informationen“ über Trans-Menschen

Dem Aufruf haben sich weitere queere Organisationen und ein paar wenige überregional bekannte prominente Persönlichkeiten aus der LGBTI*-Community angeschlossen, darunter unter anderem die lesbische Comedian Hannah Gadsby oder das nicht-binäre Queer-Eye-Serienmitglied Jonathan Van Ness. Ebenso mit dabei ist der Komödien-Regisseur Judd Apatow sowie einige international tätige LGBTI*-Organisationen wie die Human Rights Campaign – insgesamt nehmen über einhundert Gruppen, Vereine und Privatpersonen daran teil.

Zu Beginn des öffentlichen Statements wird erklärt, dass die New York Times auf der ganzen Welt für ihre „ethische, gründliche Berichterstattung und durchdachte Meinungsbeiträge geschätzt“ wird. Dies würde sich jetzt aber durch „unverantwortliche, voreingenommene Berichterstattung über Transgender-Personen“ ändern. Dabei habe die New York Times auch kritischen Stimmen von Schwulen und Lesben eine Plattform gegeben, die aus Sicht von GLAAD allerdings “schädliche Fehlinformationen“ über Trans-Menschen verbreitet hätten.

Hat die Times Mitschuld an Suizidfällen?

Indirekt macht GLAAD dabei die New York Times auch mitverantwortlich für die gestiegene Zahl von Suizidfällen unter LGBTI*-Jugendlichen in Amerika, denn die Debatten in der Times würden bereits die psychische Gesundheit negativ beeinflussen – ein Faktor, der zu hohen Selbstmordraten führen würde. Immer wieder erklärt GLAAD dann weiter, die New York Times würde auch „extremistischen Anti-LGBTI*-Aktivisten“ eine Plattform bieten, die es nur auf die “Verunglimpfung und Entmenschlichung von LGBTI*-Personen“ abgesehen hätten.

Keine Fragen, keine Kritik mehr erlaubt?

Dabei kritisiert GLAAD auch, dass die Wissenschaftsredaktion in ihren Artikeln Fragen gestellt habe, beispielsweise zur bestmöglichen medizinischen Behandlung von Trans-Jugendlichen. Diese Fragen seien dabei nicht unschuldig gewesen, so GLAAD, zudem seien die falschen Fachleute nach Ansicht der Organisation zu Wort gekommen. Im weiteren Verlauf behauptet GLAAD zudem, dass „jede größere medizinische Vereinigung die geschlechtsangleichende Behandlung“ unterstütze und es einen medizinischen und wissenschaftlichen Konsens hierüber gäbe. Artikel, die dies auch aus wissenschaftlicher Sicht anders bewerten oder zumindest hinterfragen, seien Texte, die „von Anti-Trans-Extremisten genutzt werden, um Kindern und Familien zu schaden.“

Berichte ändern – auch ohne Quellen

Auch in Detailfragen übt GLAAD Kritik an der New York Times, beispielsweise habe die Zeitung in ihrer Berichterstattung über den Amoklauf im Club Q in Colorado Springs im November letzten Jahres berichtet, dass auch eine “Drag-Tänzerin“ geholfen habe, Menschenleben zu retten. Dabei habe es sich laut GLAAD aber um eine Trans-Frau gehandelt – die New York Times habe den Bericht nicht sofort korrigiert, sondern nach Quellen gefragt. Aus Sicht von GLAAD hätte die Änderung allerdings „sofort vorgenommen werden müssen, da die Geschichte ungenau und respektlos war.“

New York Times soll nur noch auf Trans-Quellen vertrauen

Die Forderungen von GLAAD und den anderen Unterzeichnern ist eindeutig: Die New York Times solle “unverzüglich“ aufhören, kritischen Stimmen eine Plattform zu bieten, die im Statement selbst pauschal alle als “Anti-Trans-Aktivisten“ bezeichnet werden. Ferner dürfe die Zeitung nicht weiter medizinische Behandlungen in Frage stellen oder direkt Fragen zur medizinischen Versorgung von Trans-Menschen stellen. Künftig habe die New York Times nur noch auf „Trans-Quellen, Trans-Menschen und Organisationen, die mit Trans-Menschen arbeiten“ zu hören.

Homosexuelle Redakteure sind unfähig

Des Weiteren habe die New York Times auch Trans-Autoren als Vollzeitmitarbeiter einzustellen. Homosexuelle Redakteure sind aus Sicht von GLAAD unzureichend: „Es ist klar, dass die gleichgeschlechtlichen Autoren und Redakteure der Times - unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Zugehörigkeit zur Queer-Community - einfach nicht in der Lage sind, über transsexuelle Menschen und Themen korrekt zu berichten. Also lasst Trans-Menschen das tun.“

Die New York Times solle spätestens in den nächsten drei Monaten mehrere Trans-Autoren einstellen, so die weiteren Forderungen. Das Statement schließt mit den Worten: „Es ist längst an der Zeit, dass sich die Times ändert.“ Der Forderungskatalog ist in seiner Tragweite und Ausarbeitung bisher einmalig in der Geschichte der freien Presse in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDHomophobe Hassdelikte: Fast jeden Tag ein FallBerliner MorgenpostNach Razzia gegen queeres Gesundheitsprojekt: Demo in Berlin angekündigtSWRGrüner Sozialminister BW sorgt sich um Minderheiten: Hildenbrand will "Anwalt" der queeren Community seinFalterBlauland: Zum Jubiläum ein Regenbogen-HirschgeweihAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Heated Rivalry im Kino

Romanze auf großer Leinwand

„Heated Rivalry“ kommt im November in britische und US-Kinos. Zugleich erscheint ein weiterer Film mit Hauptdarsteller Connor Storrie.
Letzte Küsse in der Kutsche

Romantik auf Abschiedstour

New York hat das Ende der Pferdekutschen im Central Park beschlossen. Für schwule Paare verschwindet damit ein besonders romantisches Erlebnis.
Schwuler Volleyballstar

Japan erlebt einen Wandel

Japans Volleyballprofi Rui Takahashi spricht über sein Coming-Out, die Angst vor dem Karriereende und die Unterstützung seines Bruders Ran.
Schwere Vorwürfe gegen Graham

Drei schwule Sexarbeiter berichten

Drei Sexarbeiter behaupten in einer neuen Dokumentation, vom verstorbenen US-Senator Lindsey Graham für sexuelle Kontakte bezahlt worden zu sein.
Haiti verschiebt die Wahlen

Zehn Jahre ohne Urnengang

Haitis Wahlen werden erneut verschoben. LGBTIQ+-Aktivisten warnen vor wachsender Unsicherheit und einer politischen Krise ohne absehbares Ende.
Neue Vorwürfe in Turkmenistan

Psychiatrie wird zum Albtraum

Neue Berichte über Zwangseinweisungen und Misshandlungen zeigen die dramatische Lage homosexueller Menschen in Turkmenistan.
Gewalt gegenüber Asexuellen

Studie zeigt starke Diskriminierung

Ein neuer internationaler Bericht dokumentiert Gewalt und Diskriminierung gegen asexuelle Menschen und fordert besseren gesetzlichen Schutz.
Regenbogenfamilien im Fokus

Rund 300 Menschen feiern Vielfalt

Bei der Regenbogenfamilienkonferenz in Mannheim forderten LGBTIQ+-Familien mehr rechtliche Sicherheit, Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung
„Glee“-Stars kehren zurück

Diese Stars sind wieder dabei

Die Musicalserie „Glee“ bekommt eine Neuauflage bei Disney+ und Hulu. Die ersten Stars der Originalbesetzung haben jetzt ihre Rückkehr bestätigt.