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CSDs: Die Nerven liegen blank Jüngster Fall Pride in San Francisco: "Sobald die Polizisten losliefen, rannten alle los."

Von ms - 28.06.2022 - 10:30 Uhr
Nach Attentat in Oslo herrscht große Verunsicherung
Foto: IMAGO / NTB
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Nach dem brutalen Attentat eines iranischstämmigen Islamisten am vergangenen Samstag in einer Schwulen-Bar in Oslo mit zwei Todesopfern liegen die Nerven in der LGBTI*-Community anscheinend immer mehr blank. Jüngster Vorfall ist ein Ereignis beim Pride in San Francisco. Einen guten Tag nach dem Attentat in Norwegen brach in der amerikanischen Millionenmetropole deswegen Panik aus.

Auslöser bei den Pride-Feierlichkeiten in San Francisco am vergangenen Sonntag war ein unbekannter Täter, der Reizgas in die Menge sprühte und damit Panik auslöste. Der Vorfall ereignete sich abends im Civic Center der Stadt, wo das jährliche Pride-Festival stattfand. Binnen kürzester Zeit verbreitete sich das Gerücht, es handele sich um einen aktiven Schützen und Attentäter, weswegen die Besucher der Pride-Veranstaltung panisch flüchteten und dabei sogar unter den Flüchtenden Kämpfe ausbrachen. "Alle waren in Panik. Alle haben geschrien, aber niemand wusste wirklich, was los war, also habe ich mich gefragt, warum alle Angst haben, und dann hörte ich nur noch jemanden rufen: Pistole, Pistole, Pistole", erzählt Zen Williams gegenüber NBC Bay Area.

Lokale Medien meldeten in ersten Berichten über eine mögliche Schießerei, bevor sie kurz danach klarstellten, dass die Panik unbegründet sei. Die Polizei von San Francisco war schnell vor Ort und suchte bewaffnet mit Elektroschockern nach möglichen Tätern – die Präsenz der Polizei versetzte dabei wohl weitere LGBTI*-Besucher in Panik, weswegen die Polizisten in der aufkommenden Massenpanik auch Tränengas eingesetzt haben sollen. In einem offiziellen Statement noch am selben Abend stellte die Polizei klar, dass es keine Opfer gegeben habe, trotzdem seien sicherheitshalber die Pride-Feierlichkeiten vorzeitig beendet worden. In der Massenpanik war es dabei zu mehreren Schlägereien gekommen, als die Menschen vom Ort des Geschehens fliehen wollten. "Wir waren gerade auf der Hip-Hop- Bühne und plötzlich gab es ein paar Gruppen, die sich an vielen verschiedenen Stellen stritten, und alle fingen auf einmal an zu rennen. Jemand sagte, dass geschossen wird, und die ganze Menge begann zu rennen", so ein Zuschauer gegenüber ABC News. "Die Leute fingen an, sich zu ducken und sich hinter etwas zu verstecken. Dann ließ die Polizei Tränengas los und alle fingen wieder an zu rennen. Sobald die Polizisten losliefen, rannten alle los!“

Die Veranstalter des San Francisco Pride veröffentlichten später am Abend ebenso eine Erklärung zu den Ereignissen: "Es gab einen Vorfall in der Nähe der Kaiser Permanente Hauptbühne, der Anlass zur Sorge gab. Wie von der Bühne aus zu erkennen war, handelte es sich bei dem Täter um eine Person, die Pfefferspray in die Menge sprühte. Obwohl niemand zu Schaden kam, wissen wir, dass es keine angenehme Erfahrung war. Wir haben uns im Interesse der Sicherheit deswegen dazu entschlossen, die Pride-Veranstaltung vorzeitig abzubrechen."

San Francisco ist dabei kein Einzelfall –in den letzten Wochen kam es immer wieder zu Zwischenfällen während zahlreicher Pride-Veranstaltungen: In Zürich versuchten Maskierte, während eines queeren Gottesdienstes zu randalieren und griffen LGBTI*-Menschen an, beim CSD in Linz wurden trans-Jugendliche verprügelt und in Idaho konnten 31 bewaffnete Rechtsradikale in letzter Sekunde von der Polizei abgehalten werden, eine Pride-Veranstaltung zu stürmen. Spätestens seit dem tödlichen Anschlag am Pride-Wochenende in Oslo herrscht jetzt große Verunsicherung in der LGBTI*-Community – im Juli und August stehen die größten Events dabei erst noch an, darunter der Jubiläums-Pride in London, die Pride Events in Amsterdam, Madrid und Stockholm sowie auch in Deutschland die CSDs in Berlin, Köln, München und Hamburg.

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