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Kriegsverbrechen gegen LGBTI*-Menschen „Es ist schlimmer, als man es sich vorstellen kann. Ich würde es als Jagd auf Homosexuelle bezeichnen!“

Von ms - 22.06.2022 - 14:00 Uhr
Kriegsverbrechen gegen LGBTI*-Menschen
Foto: IMAGO / ZUMA Wire
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Ein Recherche-Team von LGBTQ Nation offenbart in ihrem jüngsten Bericht die dramatische Situation von LGBTI*-Menschen in der Ukraine - russische Streitkräfte machen nach Angaben mehrerer Menschenrechtsbeobachter inzwischen ganz offen Jagd auf schwule Männer, vergewaltigen und kastrieren sie. Sowohl nationale wie auch internationale Organisationen und Vereine wie auch die UN untersuchen seit einigen Wochen Kriegsverbrechen in der Ukraine – das Team des Nachrichtenprotals konnte dabei mit einem der US-Ermittler sprechen.

Im Anfangsstadium dieser Ermittlungen wurden bereits mehrere Personen verurteilt, darunter ein 21-jähriger Soldat, der des Mordes an einem unbewaffneten Zivilisten für schuldig befunden wurde, sowie zwei weitere Soldaten, die jeweils zu fast 12 Jahren Haft verurteilt wurden, weil sie Artilleriefeuer auf nichtmilitärische Ziele eröffnet hatten. In mindestens 80 weiteren Fällen wurde aktuell ein Verfahren eingeleitet. Die wahre Dramatik gerade für LGBTI*-Menschen offenbaren die reinen Fakten dabei allerdings nicht, so der Ermittler mit dem Spitznamen Peg Leg (der Mann trägt eine Beinproteste): "Ohne Einzelheiten zu verraten, die die Integrität der Ermittlungen gefährden könnten, kann ich sagen, es ist viel schlimmer, als man sich das vorstellen kann. Wir haben Videoaufnahmen, wir haben Augenzeugenberichte und wir haben Beweise, die, einmal publik gemacht, in jeder Zeitung auf der ersten Seite stehen würden.“

Auf die gezielte Rückfrage, wie es LGBTI*-Menschen derzeit in der Ukraine geht, erklärte der Ermittler weiter: "Es gibt zahlreiche Vergewaltigungen von Männern an Männern und Pläne, Schwule, Lesben und alle, die anders sind, zu jagen und hinzurichten." Dabei stellte der Experte weiter fest, dass es bei den Vergewaltigungen nicht vordergründig um homosexuelle Akte ginge, sondern schlicht darum, Macht auszuüben und die Opfer zu demütigen. Die Mehrzahl der Russen würden Homosexualität nach Auswertungen von Geheimdienstberichten und den Erfahrungen vor Ort bis heute als „zutiefst verabscheuungswürdig und gegen die Naturgesetze“ empfinden. „Wir haben inzwischen zahlreiche Fälle von Vergewaltigungen durch Männer an anderen Männern dokumentiert. Was wir bei männlichen Tätern sexueller Übergriffe festgestellt haben, ist, dass sie bei den Vergewaltigungen von dem gemeinsamen Gefühl angetrieben werden, eine ganze Nation aufgrund ihrer sogenannten westlichen Werte durch diese Taten unterwerfen zu können. Diese Soldaten sind psychotisch, sie denken, dass sie ihre Kultur und die Religion verteidigen, während sie in Wirklichkeit Verbrechen begehen, die lebenslange Haft oder Schlimmeres verdienen", so der Ermittler weiter.

Bereits kurz nach Beginn des Krieges wurden Informationen öffentlich, demnach es unter den russischen Soldaten Fahndungslisten geben solle, auf denen nebst Menschenrechtsaktivisten und politischen Gegnern vor allem auch LGBTI*-Menschen stehen würden. "Nach dem, was ich gesehen habe, gibt es eine abscheuliche Anti-Homosexuellen-Agenda, zu der auch der Wunsch und der Plan gehören, schwule Männer zu kastrieren und zu töten. Das lässt sich nicht mehr freundlich ausdrücken. Ich würde es als regelrechte Jagd auf Homosexuelle bezeichnen. Wir als Ermittler versuchen, Stigmatisierungen gegenüber Homosexuellen abzubauen und Schwule und Lesben soweit die Angst zu nehmen, damit sie sich trauen, als Zeugen auszusagen und die erlebten Gräueltaten bei den ukrainischen Behörden zu melden. Der Krieg ist hier real, in jedem Teil des Landes. Und diese Verbrechen sind Teil des Krieges. Die Täter werden strafrechtlich verfolgt werden, egal, wen sie verstümmelt, getötet oder gefoltert haben. Ich möchte, dass diese Botschaft ganz klar ist: Jeder Mensch in der Ukraine wird Gerechtigkeit erfahren, egal, welches Geschlecht er hat, egal, mit wem er schläft!“

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