Direkt zum Inhalt
Kommt das Verbot von Sex und Ehe für Homosexuelle? // © IMAGO / ZUMA Wire
ANZEIGE

Kommt Verbot von Sex und Ehe Amerikas Konservative wollen die Uhr zurückdrehen

ms - 04.05.2022 - 09:00 Uhr
Loading audio player...

Es macht einmal mehr fassungslos, was in diesen Tagen in Amerika passiert. Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten von Amerika könnte tatsächlich in den nächsten zwei Monaten ein Urteil verkünden, dass es Bundesstaaten künftig erlauben würde, Abtreibungen zu verbieten.

Durchgesickerte Informationen zeigen dabei auf, dass auch die gleichgeschlechtliche Ehe und das Recht auf gleichgeschlechtlichem Sex auf dem Prüfstand beim aktuell mehrheitlich konservativ besetzten Gerichtshof stehen.

Im Jahr 2015 hatte der Oberste Gerichtshof final bekräftigt, dass homosexuelle Menschen ein Recht auf eine gleichgeschlechtliche Ehe haben. Damit mussten alle Bundesstaaten es schwulen und lesbischen Paaren ermöglichen, zu heiraten. Zuvor waren Homo-Ehen in zwölf Bundesstaaten verboten, gleichgeschlechtlicher Sex sogar stellenweise in beinahe der Hälfte aller Bundesstaaten.

Was als undenkbar galt, könnte nun geschehen: Nebst der Selbstbestimmung der Frauen könnten auch die Rechte von homosexuellen Menschen massiv beschnitten werden. Im Fall eines möglichen Abtreibungsverbotes würde das Oberste Gericht damit ein Grundsatzurteil von 1973 aufheben, das es Frauen nach dem 14.

Zusatzartikel des US-Verfassung erlaubt hatte, selbstbestimmt über den Fortgang einer Schwangerschaft entscheiden zu dürfen. Mehrere Bundesstaaten haben inzwischen bereits angekündigt, dass Abtreibungsverbot zügig umsetzen zu wollen, sollte die Option dazu tatsächlich höchstrichterlich bestätigt werden.

Der frontale Angriff auf Frauen und Homosexuelle ist dabei Ex-Präsident Donald Trump zu verdanken.

In seiner Amtszeit konnte er mehrere Richterposten am Obersten Gericht neu besetzen – es ist dabei gängige Praxis, dass Präsidenten jene Menschen für diese Stelle auf Lebenszeit benennen, die der politischen Gesinnung des Präsidenten und der Partei entsprechen. In Trumps Fall also konservative Hardliner.

Durch die Stimmen der Richter Gorsuch, Kavanaugh und Barret sorgte er zusammen mit dem bereits im Amt befindlichen, erzkonservativen Richter Alito für eine Mehrheit der homophoben und konservativen Kräfte am Obersten Gerichtshof. Gerade Alito ist kein Unbekannter für die queere US-Community, er hatte schon einmal versucht, die gleichgeschlechtliche Ehe rückgängig zu machen.

Erst 2020 bekräftigte er abermals, dass das Recht auf Eheschließung für Homosexuelle wegen seiner "ruinösen Folgen für die Religionsfreiheit" abgeschafft werden müsse und erklärte weiter: „Keines dieser Rechte hat den Anspruch, tief in der Geschichte verwurzelt zu sein."

Dem gegenüber stehen die eher linksliberal ausgerichteten Richter Breyer, Sotomayor und Kagan. Unklar ist noch die Frage, wie der oberste Richter John Roberts stimmen wird, er könnte in beiden Fällen das berühmte Zünglein an der Waage sein.

Die brisante Abstimmungslage wurde vorab dem Magazin Politico zugespielt, eine finale Entscheidung wird in den nächsten zwei Monaten erwartet.

Seit Bekanntwerden der Möglichkeit, dass Abtreibungs- wie auch LGBTI*-Rechte wieder zurückgenommen werden könnten, laufen liberale Amerikaner, Feministen und auch LGBTI*-Organisationen im ganzen Land Sturm. Laut den geleakten Informationen soll auch das Verbot von homosexuellem Sex erneut zur Debatte stehen – ein solcher Rückschritt in eine längst vergangene Zeit galt in Amerika bis vor kurzem noch als undenkbar.

Mary Trump, die lesbische Aktivistin und scharfe Kritikerin ihres Onkels Donald Trump, fasst via Twitter die dramatische Lage in den USA so zusammen:

„Scheiß auf diesen illegitimen SCOTUS. Scheiß auf die Republikanische Partei, die das ermöglicht hat. Und wenn es euch egal ist, dass diese Entscheidung Frauen zu Bürgern zweiter Klasse macht, dann fickt euch auch! Wir haben nicht den Luxus der Zeit - wir müssen JETZT kämpfen. Es heißt Demokraten gegen Faschisten im Jahr 2022.“

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

CSD Berlin abgebrochen

Auto rast in Menschenmenge

Der CSD in Berlin wurde am Samstagabend gegen 22 Uhr abgebrochen. Nach ersten Informationen ist ein Auto in eine Menschenmenge gerast.
Der schwule Gentleman-Dieb

Gegenentwurf zu Sherlock Holmes

Der viktorianische Meisterdieb Raffles gilt als schwuler Gegenentwurf zu Sherlock Holmes und wurde von realen schwulen Persönlichkeiten inspiriert.
War Chopin schwul?

Neue Studie über den Komponisten

Eine neue Studie untersuchte Chopins Briefe an Männer und stellt traditionelle Erzählungen über sein Liebesleben infrage. War der Komponist schwul?
Templo zeigt Kraft und Kunst

Schwuler Pole-Star auf Welttour

Der costa-ricanische schwule Pole-Performer Templo bringt beim World Pride 2026 queere Kunst, Athletik und lateinamerikanische Kultur auf die Bühne.
Glamour trotz Hitze

Drag-Queens in der CSD-Sonne

Wenn die Temperaturen wieder Rekorde brechen, liefern sich Make-up, Mode und Sommerhitze bei CSDs einen Kampf, den meist nur der Humor gewinnt.
Team LGBTIQ+ in Glasgow

Commonwealth Games 2026

Bei den Commonwealth Games 2026 in Glasgow treten mehrere LGBTIQ+-Athleten an und setzen trotz kleinerem Teilnehmerfeld ein Zeichen für Vielfalt.
Ekelhafter Angriff in Kiew

Abgehackte Schweineköpfe

Ein Kiewer Schönheitssalon wurde wegen seiner LGBTIQ+-Unterstützung angegriffen: Mit Schweineköpfen sollten die Betreiber eingeschüchtert werden.
Niederlande sichert Förderung

Hilfe für queere Menschen weltweit

Die Niederlande verlängern die Förderung der COC-Arbeit und sichern damit die internationale Unterstützung für LGBTIQ+-Aktivisten in Krisenregionen.
Streit in britischer Community

Umfrage löst Diskussionen aus

Eine nicht repräsentative Umfrage unter Lesben, Schwulen und Bisexuellen sorgt derzeit für viel Kritik und Streit in Großbritannien.