Direkt zum Inhalt
Schwule Männer dürfen Blutspenden // © IMAGO xAdrienxNowakx HL_ANOWAK_1330883
ANZEIGE

Frankreich hebt alle Beschränkungen auf Deutschland diskriminiert Homosexuelle pauschal weiter

ms - 17.03.2022 - 13:53 Uhr
Loading audio player...

Ein starkes und positives Signal kommt heute von unserem Nachbarland Frankreich – ab sofort dürfen auch schwule Männer wieder Blut spenden. Ein historischer Schritt, denn von 1983 bis 2016 bestand ein generelles Blutspende-Verbot für homosexuelle Männer und auch nach 2016 durften nur solche Schwulen spenden, die nachweislich vier Monate keinen Sex gehabt hatten.

 

Frankreich geht mit seiner Gleichberechtigung und der Aufwertung homosexueller Männer im Gesundheitssektor sogar noch einen Schritt weiter – die sexuelle Orientierung wird bei einer Blutspende ab sofort gar nicht mehr abgefragt. Es wird also künftig kein Unterschied zwischen heterosexuell und homosexuell mehr gemacht werden, was de facto die pauschale, diskriminierende Einstufung von schwulen Männern als „Risikospender“ endlich beseitigt. Für alle spende-freudigen Menschen gelten nun dieselben Kriterien, wobei natürlich nach wie vor Risikopunkte wie beispielsweise der Konsum von Drogen abgefragt wird. Auch die Nutzung der PrEP innerhalb der letzten vier Monate ist ein Ausschlusskriterium.

Frankreich ist mit diesem Schritt eines der ersten Länder, das die Stigmatisierung schwuler Männer, geboren aus den Anfängen der AIDS-Krise, beendet. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr die Beschränkungen überarbeitet, allerdings nicht gänzlich aufgehoben. Ähnlich wie Frankreich zuletzt gilt in Deutschland immer noch eine viermonatige Auszeit in puncto Sex, bevor sexuell aktive Singles eine Blutspende durchführen lassen können. Die Blutspende-Sperre gilt laut der reformierten Richtlinie unter anderem bei "Sexualverkehr zwischen Frau und Mann mit häufig wechselnden Partnern/Partnerinnen", "Sexualverkehr zwischen Männern (MSM) mit einem neuen Sexualpartner oder mehr als einem Sexualpartner" und "Sexualverkehr einer Transperson mit häufig wechselnden Partnern/Partnerinnen."

Der FDP-Politiker Jens Brandenburg bezeichnete die neuen Richtlinien 2021 gegenüber der Tagesschau als Augenwischerei.

"Die Diskriminierung bleibt. Auch der geschützte Sex zwischen Single-Männern wird unsinnigerweise pauschal zum Risiko erklärt. Blut ist nicht schwul oder hetero." Björn Beck von der Deutschen Aidshilfe kritisierte in diesem Zusammenhang, dass die gesonderte Nennung von trans-Personen in den Richtlinien „schlicht stigmatisierend“ sei.  

Zum Vergleich: Im Nachbarland Österreich müssen homosexuelle Männer wie einst auch in Deutschland nach wie vor 12 Monate auf Sex verzichten, wenn sie Blut spenden wollen. Eine so lange sexuelle Auszeit dürfte realistischer Weise selbst für den ein oder anderen schwulen Priester schwer durchzuhalten sein.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Liebe trotz Distanz

Rob Jetten und Nicolás Keenan

Der argentinische Hockey-Spieler Nicolás Keenan freut sich auf Zweisamkeit mit seinem Verlobten, den niederländischen Premierminister Rob Jetten.
Volleyballer Merrick McHenry

Die neue Hoffnung aus den USA

Der schwule Volleyball-Star Merrick McHenry führt die USA mit einer starken Leistung zu Silber und empfiehlt sich für die Olympischen Spiele 2028.
Nachfolger von Heartstopper

Schwule Romanze aus Brasilien

Konkurrenz für Heartstopper: Mit „Fünfzehn Tage sind für immer“ bringt Netflix eine schwule Coming-of-Age-Romanze aus Brasilien auf die Bildschirme.
Kampf für die Liebe

Lesbisches Paar in Uganda

Nach Monaten in Haft kämpft das lesbische Paar Wendy und Denise in Uganda weiter für ihre Beziehung – trotz Drohungen, Angst und Ausgrenzung.
Kanada öffnet Samenspende

Ende homophober Diskriminierungen

Kanada streicht umstrittene Regeln für Samenspenden und beseitigt damit eine weitere diskriminierende Hürde für schwule und bisexuelle Männer.
Outing im Job in Österreich

Studien zeigen große Zurückhaltung

Neue Studien zeigen: Viele LGBTIQ+-Menschen in Österreich verschweigen ihre Sexualität im Beruf aus Angst vor Diskriminierung und Benachteiligung.
Sorge um Perez Hilton

Selbstverletzung während Livestream

US-Blogger Perez Hilton hat sich in einem Livestream in offenbar suizidaler Absicht mit einem Messer selbst verletzt. Aktuell ist er in einer Klinik.
Rob Jetten trifft Joe Locke

Meeting beim World Pride

Der niederländische Premierminister Rob Jetten hat Heartstopper-Star Joe Locke getroffen und kündigte Millionenhilfen für mehr LGBTIQ+-Sicherheit an.
Gedenkstätte nach CSD-Anschlag

Berlin schafft Ort des Erinnerns

Mit einem Gedenkbaum und einer Regenbogenbank will Berlin künftig dauerhaft an die Opfer des CSD-Anschlags vom 25. Juli erinnern.