Durchbruch in der HIV-Forschung? Neue Heilungsansätze, aber nicht für viele HIV-Patienten geeignet
Es geht um die sogenannte „New Yorker Patientin“ – dabei handelt es sich um die erste Frau, die allem Anschein nach von HIV geheilt wurde. Das amerikanische Forscherteam setzte in diesem Fall eine hochmoderne Stammzellentransplantationsmethode ein – ein Verfahren, das durchaus stark umstritten ist. Kritiker betonen, dass eine HIV-Heilung durch eine Stammzellentransplantation ein toxisches und manchmal tödliches Behandlungsverfahren ist, das zudem nur in Einzelfällen angewandt werden kann. So wichtig die aktuellen Ergebnisse auch seien, für eine generelle Heilung komme dies nicht in Frage.
Zum Hintergrund: In diesem Verfahren soll das Immunsystem einer Person durch das einer anderen Person ersetzt werden, um deren Krebs zu behandeln und gleichzeitig ihr HIV zu heilen. Zunächst müssen die Ärzte dabei das ursprüngliche Immunsystem mit Chemotherapie zerstören. Die Hoffnung ist, dass dadurch auch möglichst viele Immunzellen zerstört werden, die trotz wirksamer antiretroviraler Behandlung noch immer HIV beherbergen. Wenn sich die transplantierten HIV-resistenten Stammzellen dann gut einnisten, können neue Viruskopien, die aus den verbleibenden infizierten Zellen entstehen könnten, keine anderen Immunzellen mehr infizieren. Das neue Immunsystem des Patienten heilt sich damit sozusagen selbst.
Die „New Yorker Patientin“ wurde in einem New Yorker Krankenhaus behandelt, infizierte sich 2013 mit HIV und bekam 2017 die Diagnose Leukämie. Zuvor gab es 2007 bereits den ersten Fall einer letztlich erfolgreichen HIV-Heilung: Timothy Ray Brown, bekanntgeworden als „der Berliner Patient“, hatte im Charité Campus Benjamin Franklin in Berlin ebenso wegen akuter Leukämie eine Stammzelltransplantation von einem Spender erhalten, der eine genetische Anomalie aufwies, die die Körperzellen immun gegen HIV machte. Diese genetische Anomalie ist sehr selten und tritt vor allem bei Menschen mit nordeuropäischer Abstammung auf. Die Chance, einen geeigneten Stammzellenspender zu finden, ist für die meisten HIV-Patienten also sehr gering. Brown selbst starb 2020 an Leukämie.

Ärzte des Forschungsnetzwerkes wie beispielsweise Carl Dieffenbach, Direktor der Abteilung für AIDS am nationalen Institut für Geschlechtskrankheiten, die die Fallstudie mitfinanzierten, sprachen gegenüber NBC News davon, dass die bisherigen Erfolge trotzdem Grund zur Hoffnung gäben. Seine Kollegin Dr. Deborah Persaud, Spezialistin für pädiatrische Infektionskrankheiten an der Johns Hopkins University School für Medizin und ebenso Mitarbeiterin der Studie erklärte indes: "Wir freuen uns zwar sehr über den neuen Fall einer möglichen HIV-Heilung, aber die Stammzellbehandlungsmethode ist immer noch keine praktikable Strategie für alle, sondern nur bei einer Handvoll der Millionen von Menschen anwendbar, die mit HIV leben müssen."