Queeres Paar angegriffen Brutaler Vorfall erschüttert Münchner Glockenbachviertel
Nach einem queerfeindlich motivierten Angriff auf zwei junge Menschen im Münchner Glockenbachviertel hat die Polizei jetzt die Ermittlungen aufgenommen. Die beiden Betroffenen im Alter von 19 und 20 Jahren waren nach Angaben der Beamten am Sonntagabend zunächst trans- und homophob beleidigt und anschließend mit Pfefferspray attackiert worden. Den Vorfall meldeten sie erst am Montag der Polizei. Nun werden Zeugen gesucht.
Das Wichtigste im Überblick
- Zwei junge queere Menschen werden im Münchner Glockenbachviertel beleidigt und mit Pfefferspray angegriffen.
- Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung und bittet um Zeugenhinweise.
- Die Beratungsstelle Strong! registrierte 2025 in Bayern mehr als 42 Prozent mehr queerfeindliche Vorfälle als im Vorjahr.
- Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Taten nicht angezeigt werden.
- Oberbürgermeister Dominik Krause ruft zu Solidarität und Zusammenhalt gegen queerfeindliche Angriffe auf.
Pfefferspray-Angriff ohne Vorwarnung
Wie die Polizei mitteilte, hielten sich die beiden gegen 22.15 Uhr auf einer Parkbank nahe dem Stephansplatz auf, als ein Mann sie ansprach und ihnen Betäubungsmittel anbot. Nachdem sie das Angebot abgelehnt hatten, kehrte der Mann zu einer Gruppe zurück, die aus vier Männern und einer Frau bestand. Aus dieser Gruppe heraus seien anschließend homo- und transphobe Beleidigungen gefallen.
Als die beiden jungen Menschen den Ort verließen, sei ihnen eine Person aus der Gruppe gefolgt und habe sie ohne Vorwarnung mit Pfefferspray besprüht. Die Angegriffenen spülten die Substanz anschließend in einer nahegelegenen Gaststätte aus den Augen. Eine medizinische Behandlung nahmen sie nicht in Anspruch. Das Kommissariat 44 ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung.
Gewaltanstieg von 80 Prozent in zwei Jahren
Der Vorfall reiht sich in eine Entwicklung ein, die Fachleute seit Längerem beobachten. Nach Angaben der bayernweiten Beratungsstelle Strong! ist die Zahl der Angriffe und Anfeindungen gegen LGBTIQ+-Menschen im Jahr 2025 erneut deutlich gestiegen. Die Beratungsstelle verzeichnete gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs von mehr als 42 Prozent. Wie Strong! mitteilte, wurden im vergangenen Jahr bayernweit 413 Vorfälle gegen Schwule, Lesben, trans* Personen und andere queere Menschen aus der LGBTIQ+-Gemeinschaft dokumentiert. Im Jahr zuvor waren es 289 Fälle gewesen. Nach Einschätzung der Fachstelle spiegelt der Anstieg eine zunehmend aufgeheizte gesellschaftliche Stimmung wider. Binnen eines Jahres entspricht dies einem Plus von fast 43 Prozent, innerhalb der vergangenen zwei Jahre sogar einem Anstieg von 80 Prozent.
Hohe Dunkelziffer vermutet
Sowohl die Polizei als auch die Beratungsstelle gehen zudem davon aus, dass die tatsächliche Zahl queerfeindlicher Angriffe deutlich höher liegt. Mehrere Studien der vergangenen Jahre, darunter Untersuchungen der EU-Grundwerteagentur, bekräftigen, dass lediglich rund zehn Prozent aller Attacken auch angezeigt und damit auch statistisch erfasst werden. Besonders viele Vorfälle registrierte Strong! dabei in München. Dort wurden 161 Fälle dokumentiert. Hinzu kamen 78 queerfeindliche Vorfälle im Internet. Auch in diesem Bereich setzte sich der Anstieg fort. Auffällig bleibt nach Angaben der Beratungsstelle zudem die geringe Zahl der Strafanzeigen. Lediglich in 98 Fällen wurde nachweislich Anzeige bei der Polizei erstattet. Als Gründe nennen Betroffene neben Scham auch geringe Erfolgserwartungen, die Angst vor weiteren Repressalien durch Täter sowie mangelndes Vertrauen in staatliche Institutionen.
Zusammenhalt stärken
Vor diesem Hintergrund appellierte Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) bereits im Juni dieses Jahres an den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Stadt und Community müssten die vielfältige und solidarische Stadtgesellschaft entschlossen verteidigen. „Diesem Backlash müssen wir uns vereint und mit aller Kraft entgegensetzen. Wir – das meint zum einen die gesamte Stadtgesellschaft, die für ein weltoffenes München steht. Wir – das meint aber genauso die Community in all ihrer Vielfalt. Oft zielen queerfeindliche Angriffe vor allem auf einzelne Gruppen, auf trans* Personen zum Beispiel. Die Community war immer dann stark, wenn sie solidarisch war und gemeinsam für gleiche Rechte und Akzeptanz gekämpft hat. Genau das braucht es auch jetzt, denn die Angriffe auf Einzelne sind Angriffe auf alle“, so Münchens neuer Oberbürgermeister.