Direkt zum Inhalt

Sportstars zeigen ihre Liebe Jugendspiele im Schatten der Verfolgung

Von ms - 05.11.2026 - 14:00 Uhr
Sportstars zeigen ihre Liebe
Foto: IMAGO / Fotoarena
ANZEIGE
Loading audio player...

Die Olympischen Jugendspiele sollen junge Sportler aus aller Welt zusammenbringen und Werte wie Respekt, Gleichberechtigung und gegenseitige Anerkennung vermitteln. Doch die Austragung der Spiele 2026 im Senegal steht unter dem Eindruck der staatlichen Verfolgung homosexueller Menschen. Während sich Nachwuchstalente auf ihre sportlichen Leistungen konzentrieren, werden im Gastgeberland Männer und Frauen wegen ihrer sexuellen Orientierung festgenommen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Mindestens 30 LGBTIQ+-Sportler: Mindestens 30 ehemalige Teilnehmer der Olympischen Jugendspiele sind offen LGBTIQ+. Darunter befinden sich bekannte Olympiasieger, Weltmeister und internationale Sportstars.
  • Menschenrechtslage im Senegal: Die Olympischen Jugendspiele 2026 in Dakar finden vor dem Hintergrund einer verschärften Verfolgung homosexueller Menschen statt. Hunderte Männer und Frauen wurden nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen festgenommen.
  • IOC unter Druck: Das Internationale Olympische Komitee versichert, dass die Olympische Charta eingehalten werden soll. Human Rights Watch und Sportaktivisten kritisieren die Haltung angesichts der Menschenrechtslage.
  • Prominente Vorbilder: Zu den ehemaligen Teilnehmern gehören der britische Wasserspringer Tom Daley, der brasilianische Turner Arthur Nory Mariano, die Tennisspielerin Daria Kasatkina und die Basketballstars Paige Bueckers und Arike Ogunbowale.
  • Liebe und sportliche Erfolge: Mehrere ehemalige Teilnehmer haben inzwischen ihre gleichgeschlechtlichen Beziehungen öffentlich gemacht, geheiratet oder sich verlobt.

30 LGBTIQ+-Olympioniken

Parallel dazu zeigt ein Blick auf die Geschichte der Olympischen Jugendspiele, dass zahlreiche ehemalige Teilnehmer inzwischen offen als LGBTIQ+ leben. Mindestens 30 Sportler, die bei den Nachwuchswettbewerben antraten, haben ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität öffentlich gemacht. Die dokumentierten Lebenswege reichen von Nachwuchstalenten, die später Weltmeister wurden, bis zu international bekannten Olympiasiegern. Unter ihnen befinden sich Sportler aus Europa, Nord- und Südamerika sowie verschiedenen Disziplinen des Sommer- und Wintersports. Einige von ihnen zählen heute zu den erfolgreichsten Athleten ihrer Disziplin. Die Geschichten dieser Sportler verdeutlichen, welche Bedeutung sichtbare Vorbilder gerade für junge Menschen haben können, die sich noch mit ihrer eigenen Identität auseinandersetzen.

Endlose Gedanken und Fragen

Zu den ehemaligen Teilnehmern gehört der venezolanische Wasserspringer Robert Paez. Er machte seine Homosexualität 2018 öffentlich. Paez schilderte dabei seine Jugend in Venezuela und die Unsicherheit, die ihn als Teenager wegen seiner sexuellen Orientierung beschäftigte. Als er 2010 an den ersten Olympischen Jugendspielen in Singapur teilnahm, war er 16 Jahre alt. Im Turmspringen vom Zehn-Meter-Turm belegte Paez den fünften Platz. Im Kunstspringen vom Drei-Meter-Brett wurde er Zwölfter. Auch der britische Wasserspringer Tom Daley, der bereits zuvor an regulären Olympischen Spielen teilgenommen hatte, war in Singapur dabei. Er erreichte vom Drei-Meter-Brett den neunten Platz.

Beide Sportler traten zwei Jahre später bei den Olympischen Spielen in London an. Daley machte seine Beziehung zu einem Mann 2013 im Alter von 19 Jahren öffentlich. Paez berichtete rückblickend von „endlosen Gedanken und Fragen“, die ihn während seiner Jugend beschäftigt hätten. Solche Erfahrungen dürften auch heute zahlreiche junge Athleten machen, die sich mit ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität auseinandersetzen.

Hunderte Festnahmen im Senegal

Die Olympischen Jugendspiele 2026 in Dakar finden unter schwierigen menschenrechtlichen Bedingungen statt. Nach Berichten über eine verschärfte staatliche Verfolgung homosexueller Menschen wurden im Senegal Hunderte Männer und Frauen festgenommen. Unter den Betroffenen sollen sich auch Jugendliche befinden. Verurteilten drohen teilweise langjährige Haftstrafen. Die Entwicklung hat massive Kritik von Menschenrechtsorganisationen und Sportaktivisten ausgelöst. Sie stellen infrage, ob ein Land, in dem homosexuelle Menschen staatlicher Verfolgung ausgesetzt sind, die Grundwerte der olympischen Bewegung ausreichend gewährleisten kann. 

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) erklärte gegenüber Outsports, es arbeite daran, „sicherzustellen, dass die Grundsätze der Olympischen Charta eingehalten werden“. Zugleich habe es „volles Vertrauen in das Organisationskomitee und die senegalesischen Behörden.“ Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und Aktivisten aus dem Sport kritisieren diese Haltung. Angesichts schwerwiegender Vorwürfe und Menschenrechtsverletzungen werfen sie die Frage auf, welchen praktischen Wert die Olympische Charta besitzt, wenn ihre Grundsätze im Umfeld einer Sportveranstaltung infrage stehen.

Schwule Spitzenathleten 

Neben Tom Daley ist auch Arthur Nory Mariano einer der bekanntesten ehemaligen schwulen Teilnehmer der Olympischen Jugendspiele. Der brasilianische Turner begann seine olympische Laufbahn bei den Jugendspielen 2010 in Singapur. Im Sprungwettbewerb verpasste er damals knapp eine Medaille. Sechs Jahre später stand Mariano bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro auf dem Siegerpodest. Dort gewann er eine Medaille im Bodenturnen. 2019 wurde er Weltmeister am Reck. Im Jahr 2021 machte Mariano seine Beziehung zu seinem Freund Joao öffentlich. Die beiden treten seitdem auch gemeinsam in sozialen Medien auf.

Der ehemalige kanadische Wasserspringer Bryden Hattie verbindet seine sportliche Laufbahn mit persönlichen Erinnerungen an Südamerika. 2018 nahm er an den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires teil. Dort ließ er sich sein erstes Tattoo stechen. Später veränderte er die Tätowierung zu einem Motiv mit Bezug zur Pride-Bewegung. Fünf Jahre nach den Jugendspielen trat Hattie bei den Panamerikanischen Spielen 2023 in Chile an. Zu diesem Zeitpunkt lebte er bereits offen als homosexueller Sportler.

Der amerikanische Beachvolleyballspieler Tim Brewster nahm 2018 an den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires teil. Der damals 18-Jährige belegte gemeinsam mit seinem Partner John Schwegel den geteilten fünften Platz. Rückblickend bezeichnete Brewster die Teilnahme als einen der wichtigsten Momente seiner sportlichen Laufbahn. Sie gehöre „zu den Leistungen, auf die ich am stolzesten bin“, erklärte er. Sechs Jahre später machten Brewster und sein Freund Kyle Friend ihre Beziehung öffentlich. Friend war damals zugleich sein Spielpartner im professionellen Beachvolleyball. Im Oktober 2026 gab das Paar bekannt, dass es sich verlobt hat und heiraten möchte.

Lesbische Liebe bei Olympia 

Die Skeletonfahrerin Kim Meylemans nahm 2012 an den Olympischen Jugend-Winterspielen im österreichischen Innsbruck teil. Damals startete sie für Deutschland, ihr Geburtsland, und belegte den fünften Platz. Zwei Jahre später wechselte sie zum belgischen Nationalteam. In ihrer weiteren Karriere gewann sie zweimal den Europameistertitel und eine Silbermedaille bei Weltmeisterschaften. Im Jahr 2025 heiratete Meylemans die brasilianische Skeletonfahrerin Nicole Silveira. Bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo traten die beiden Ehefrauen gegeneinander an.

Die Tennisspielerin Daria Kasatkina gehörte bereits als Jugendliche zu den größten Talenten ihrer Sportart. Bei den Olympischen Jugendspielen 2014 im chinesischen Nanjing gewann sie gemeinsam mit Anastasiya Komardina die Silbermedaille im Doppel. Zwei Jahre später nahm Kasatkina an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teil. Anschließend etablierte sie sich auf der internationalen Tennistour, gewann mehrere WTA-Turniere und erreichte die Top Ten der Weltrangliste. 2022 machte sie ihre Beziehung zur Eiskunstläuferin Natalia Zabiiako öffentlich. Im Juli 2026 feierten die beiden Frauen ihre Hochzeit. 

Bei den Olympischen Jugendspielen 2014 in Nanjing schrieb die amerikanische Tischtennisspielerin Lily Zhang Sportgeschichte. Die damals 18-Jährige gewann die Bronzemedaille im Einzel der Mädchen. Damit wurde sie zur ersten Sportlerin des US-Teams, die bei regulären Olympischen Spielen oder Olympischen Jugendspielen eine Medaille im Tischtennis gewann. Zehn Jahre später nahm Zhang bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris bereits zum vierten Mal an regulären Olympischen Spielen teil. Während der Wettbewerbe veröffentlichten Zhang und ihre Freundin Jessie mehrere gemeinsame Beiträge in den sozialen Medien. 

Liebe im Basketball 

Die amerikanische Basketballspielerin Arike Ogunbowale gewann bei den Olympischen Jugendspielen 2014 in Nanjing die Goldmedaille im 3×3-Basketball. Später spielte sie für die University of Notre Dame und entwickelte sich zu einem der bekanntesten Stars der amerikanischen Frauen-Basketballliga WNBA. Zweimal wurde Ogunbowale als wertvollste Spielerin des WNBA-All-Star-Games ausgezeichnet. Im Februar 2026 heiratete sie ihre Partnerin Lala Ronay. Die Hochzeit machte ihre Beziehung auch außerhalb des Basketballsports öffentlich sichtbar.

Eine ihrer späteren Teamkolleginnen bei den Dallas Wings hatte vier Jahre nach Ogunbowale ebenfalls olympisches Jugendgold im 3×3-Basketball gewonnen: Paige Bueckers. Bueckers gehörte 2018 zum amerikanischen Team, das bei den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires die Goldmedaille im 3×3-Basketball gewann. Später entwickelte sich Bueckers zu einem der bekanntesten Talente des amerikanischen Frauenbasketballs. Mit dem US-Nationalteam wurde sie zudem Weltmeisterin bei der FIBA-Weltmeisterschaft. Während ihrer ersten Saison in der WNBA bestätigte die inzwischen 25-Jährige, dass sie mit der Basketballspielerin Azzi Fudd zusammen ist.

Signal für junge LGBTIQ+-Sportler

Die Geschichten der ehemaligen Teilnehmer zeigen, wie unterschiedlich die Lebenswege von LGBTIQ+-Sportlern verlaufen können. Einige machten ihre sexuelle Orientierung bereits zu Beginn ihrer Karriere öffentlich, andere erst nach großen sportlichen Erfolgen. Wieder andere entschieden sich erst Jahre nach ihrer Teilnahme an den Jugendspielen für einen offenen Umgang mit ihrer Homosexualität. Gemeinsam ist ihnen, dass ihre sportlichen Leistungen nicht durch ihre sexuelle Orientierung bestimmt werden. Zugleich können ihre Erfahrungen jungen Athleten Mut machen, die sich mit ähnlichen Fragen beschäftigen. Gerade deshalb erhält die Austragung der Olympischen Jugendspiele im Senegal eine besondere Bedeutung. Die internationale Sportveranstaltung steht für Begegnung und Respekt, während die Menschenrechtslage im Gastgeberland für homosexuelle Menschen von Angst und Verfolgung geprägt ist.

Anzeige

Auch Interessant

120 Jahre Luchino Visconti

Ein Leben voller Widersprüche

Vor 120 Jahren wurde Luchino Visconti geboren. Der schwule Regisseur prägte das Kino mit Filmen über Macht, Liebe und gesellschaftlichen Wandel.
Millionen LGBTIQ+-Schüler

Große Herausforderungen an Schulen

Mehr als elf Millionen Schüler besuchen Deutschlands Schulen, darunter auch rund 2,48 Millionen LGBTIQ+-Jugendliche. Viele erleben Mobbing und Angst.
Streit über US-Volkszählung

Keine Erfassung von LGBTIQ+-Daten

Die US-Regierung will bestimmte Fragen bei der Volkszählung 2030 verbieten. LGBTIQ+-Aspekte sind dabein "unerheblich". Kritiker warnen vor Folgen.
Gerechtigkeit nach 14 Jahren

Gericht stärkt Versammlungsfreiheit

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilte jetzt die Ukraine wegen eines Polizeieinsatzes gegen LGBTIQ+-Aktivisten im Jahr 2012.
Hass-Gewalt in Kamerun

Trans* Frau brutal angegriffen

Die Lage für LGBTIQ+-Menschen spitzt sich in Kamerun weiter zu, jetzt wurde eine trans* Frau erneut Opfer brutaler Gewalt.
Russland unter Druck

Škoda droht mit Sponsoring-Aus

Russlands Vorgehen gegen LGBTIQ+-Menschen und der Krieg gegen die Ukraine belasten das Land. Nun wächst auch im Eishockey der Widerstand.
Klage gegen Eliteuniversität

Suizid erschüttert US-Community

Nach dem Suizid einer nicht-binären Person erhebt deren Mutter schwere Vorwürfe gegen die Cornell University. Eine Klage soll Versäumnisse aufklären.
Neue Eskalation in England

Streit um Konversionstherapien

Die britische Opposition kritisiert das geplante Verbot von Konversionstherapien. Die Regierung weist Warnungen vor Eingriffen in die Erziehung zurück

Demokraten unter Druck

Wahlsieg mit Widersprüchen

Nach dem historischen Wahlsieg der Demokraten fordert die Human Rights Campaign einen konsequenten Schutz von LGBTIQ+-Rechten.