Wasserspringer Bryden Hattie Zwischen Sport und Social Media: Sprungstar im Rampenlicht
Bryden Hattie (24) zählt zu den bekanntesten Gesichtern der internationalen College-Wassersprungszene. Doch der schwule Kanadier macht längst nicht mehr nur mit sportlichen Erfolgen auf sich aufmerksam. Während seine Zukunft im Leistungssport weiter offen ist, begeistert der NCAA-Champion Hunderttausende Fans mit seinem Humor und seiner besonders freizügigen Präsenz in den sozialen Medien.
Das Wichtigste im Überblick
- NCAA-Turmsprung-Champion Bryden Hattie verbringt den Sommer in Los Angeles.
- Mit Fotos im Tanga-Speedo sorgt der offen schwule Kanadier auf Instagram für viel Aufsehen.
- Der fünfmalige All-American ist längst auch als Social-Media-Persönlichkeit erfolgreich.
- Ob Hattie bei den Olympischen Spielen 2028 für Kanada startet, ist derzeit noch offen.
Doppeldeutige Urlaubs-Statements
Zum Start in den Sommer gönnte sich Hattie einen Urlaub in Los Angeles. Auf Instagram veröffentlichte der 24-Jährige mehrere Bilder aus einem Rooftop-Pool mit Blick über die Skyline der Stadt. Auf den Fotos trägt er lediglich eine beigefarbene Kappe der Los Angeles Dodgers und einen schwarzen Tanga-Speedo. Dazu schrieb er augenzwinkernd: „Ich zeige dem LAPD, wo es landen soll.“ Die freizügigen Bilder sorgten schnell für zahlreiche Reaktionen seiner Follower. Hattie ist für seinen selbstironischen Humor ebenso bekannt wie für seinen auffälligen Kleidungsstil und seine markante Vokuhila-Frisur. Und die Reaktionen dürften ihm wohl bewusst sein, denn nebst der engen Speedo ist Hattie sonst nur noch mit einer Base-Cap bekleidet, auf der zu lesen ist: „Thats Hot“.
Sportlich blickt der Kanadier bereits jetzt auf eine sehr erfolgreiche College-Karriere zurück. Für die University of Tennessee gewann er vier Titel in der Southeastern Conference (SEC) und wurde insgesamt fünfmal als All-American ausgezeichnet. Auch nach dem Ende seiner NCAA-Laufbahn trainiert Hattie weiterhin auf hohem Niveau. Ob er bei den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles für Kanada antreten wird, hat er bislang allerdings offen gelassen.
Karriere in den sozialen Medien
Parallel zum Sport hat sich Hattie in den vergangenen Jahren eine große Fangemeinde im Internet aufgebaut. Mehr als 210.000 Menschen folgen ihm inzwischen auf TikTok und Instagram, durch die jüngsten Bilder könnten es bald noch mehr werden. Dort präsentiert er sich bewusst unkonventionell, kombiniert humorvolle Videos mit Einblicken in seinen Alltag und greift regelmäßig Trends der LGBTIQ+-Community auf. Besonders bekannt wurde Hattie durch mehrere Aufenthalte in Chile. Er reiste erstmals 2023 anlässlich der Panamerikanischen Spiele nach Santiago und sorgte dort mit spontanen Tanzvideos in der U-Bahn und gemeinsamen Clips mit seinem engen Freund, dem US-Wasserspringer Tyler Downs, für virale Aufmerksamkeit.
In den folgenden Jahren kehrte Hattie noch zweimal nach Chile zurück. Nach eigenen Angaben entwickelte er eine besondere Verbindung zu dem Land und seinen Menschen. Dort absolvierte er unter anderem auch seinen ersten Drag-Auftritt. Einheimische gaben ihm den Spitznamen „Y la queso“. Hattie erklärte, der Ausdruck bedeute ungefähr „It-Girl“, auch wenn er sich über die genaue Übersetzung selbst nicht ganz sicher sei. „Es ist einfach so ein bestimmtes Lebensgefühl“, sagte er in einem Interview. „Am Anfang war ich ziemlich verwirrt.“
Selbstbewusstes Coming-Out
Hattie outete sich im größeren Rahmen bereits im September 2023 in einem Interview und berichtete auch von seinen Erfahrungen davor. Während der Commonwealth Games wurde Hattie erstmals auch außerhalb des Sports als offen schwuler Athlet wahrgenommen. Das inklusive „Pride House Birmingham“ nahm ihn kurzfristig in eine Ausstellung über offen queere Spitzensportler auf. Dazu schickte Hattie ein Foto und eine Botschaft. „Jeder Mensch verdient das Recht, akzeptiert zu werden und authentisch zu leben. Wir sollten lieben dürfen und der Mensch sein dürfen, der wir sein möchten – ohne verurteilt zu werden.“
Größere Diskriminierung habe er persönlich bislang kaum erlebt. Als Jugendlicher hätten Freunde ihn häufig gefragt, ob er schwul sei. „Damals bin ich regelrecht eingefroren und wusste nicht, was ich antworten sollte.“ Mit der Zeit sei das selbstverständlich geworden. „Es gab keinen großen Moment. Es hat sich einfach entwickelt.“ Auch sein früherer Teamkollege Aidan Faminoff spielte eine wichtige Rolle. „Wir sind gemeinsam aufgewachsen und haben ähnliche Erfahrungen gemacht.“ Faminoff outete sich während seines Studiums in Florida. „Ich habe gesehen, wie sehr er danach aufgeblüht ist. Das hat mir geholfen, mich selbst wohler zu fühlen.“ Heute arbeitet Faminoff als Trainer und tritt zusätzlich erfolgreich als Dragqueen Hazel auf.
Seit 2020 studierte Hattie an der University of Tennessee in Knoxville. Der Wechsel vom liberaleren Kanada in den amerikanischen Süden sei für ihn damals eine völlig neue Erfahrung gewesen. Auf dem Campus sei das Klima liberal. „Außerhalb des Campus ist das ganz anders. Daran habe ich mich zwar gewöhnt, aber manchmal ist es schon verrückt.“ Besonders eindrücklich blieb ihm ein Erlebnis an Weihnachten. „Ein Freund und ich wollten schick essen gehen. Zufällig fand direkt neben dem Restaurant eine Dragshow statt.“ Auf der einen Straßenseite hätten Menschen die Pride-Veranstaltung gefeiert. „Auf der anderen Seite standen zahlreiche Demonstranten gegen Dragqueens.“ Er selbst habe dabei ein glitzerndes Oberteil getragen. „Wir sind ziemlich schnell ins Restaurant geflüchtet.“ Solche Demonstrationen seien dort keine Seltenheit. „Immer wieder kommen Menschen mit großen Schildern auf den Campus, auf denen steht, Schwulsein sei eine Sünde.“ Hattie betonte dazu: „Viele glauben, Kanada und die USA seien sehr ähnlich. Aber der Wechsel von Victoria in den tiefen Süden ist eine ganz andere Welt.“
Vorbild für schwule Jungs
Für den jungen Athleten bleibt Sichtbarkeit wichtig. „Gerade für junge Menschen ist es hilfreich, Vorbilder zu sehen.“ In vielen anderen Sportarten herrsche weiterhin das Bild, Männer müssten besonders hart und männlich auftreten. Er erinnert sich dabei auch an das Coming-Out eines Fußballprofis. „In den Kommentaren gab es so viel Homophobie. Ich habe mich gefragt: Warum ist das immer noch so?“ Er könne nicht nachvollziehen, weshalb manche glaubten, ein schwuler Sportler sei automatisch schlechter. „Zum Glück gibt es immer mehr Sichtbarkeit und immer mehr Menschen, die sich trotz aller Hasskommentare outen. Die Kritiker sollten einfach einmal tief durchatmen, die Realität akzeptieren und verstehen, dass es selbstverständlich schwule Menschen im Sport gibt.“
Auch er bekomme gelegentlich homophobe Nachrichten. Die überwiegende Mehrheit seiner Fans unterstütze ihn jedoch. Im Interview kam auch der deutsche Wasserspringer Timo Barthel zur Sprache, der sich lieber einfach als „Mensch“ statt über sexuelle Orientierung definiert. Hattie kann diesen Gedanken nachvollziehen. „Ich verstehe das. Aber wenn man eine Stimme für schwule Sportler sein kann, dann möchte man auch sichtbar sein.“ Dann formuliert er den Satz, der seine Haltung am besten beschreibt: „Ich bin sehr gern schwul und möchte dadurch anderen Menschen Mut machen. Ich bin ein Mensch – aber ich bin auch schwul. Ich möchte nicht, dass jemand sagt: 'Ach, du bist schwul', als wäre das unwichtig. Gleichzeitig ist es eben doch wichtig – wegen der Sichtbarkeit.“
Leicht bekleidet gehört zum Job
Und zu seinem meist freizügigen Auftreten betonte er, dass im Wasserspringen knappe Badehosen zum Alltag gehörten. „Meine Freunde fragen mich manchmal per FaceTime, warum ich schon wieder kein Shirt anhabe. Mir fällt das oft gar nicht auf.“ Viele männliche Wasserspringer veröffentlichen inzwischen freizügige Inhalte im Internet, teilweise auch zur Finanzierung ihrer Karriere. Damit habe er grundsätzlich kein Problem. Gleichzeitig beobachte er den enormen Druck innerhalb der Community. „Wenn man ständig im Speedo unterwegs ist, möchte man natürlich fit aussehen. Beim Wasserspringen hilft mir der Sport dabei.“ Allerdings werde häufig nur noch über Bauchmuskeln gesprochen. „Das wirkt sich stark auf die psychische Gesundheit vieler schwuler Männer aus. Daran müssen wir als Community arbeiten.“
Nächstes Ziel Olympia 2028?
Seine Social-Media-Auftritte leben von bewusstem Chaos und einer gehörigen Portion Selbstironie. Nach eigenen Angaben interessieren ihn vor allem schwule Memes und sogenannter „Brain Rot“-Humor – absurde Internetwitze, die sich vor allem in sozialen Netzwerken verbreiten. Auf seinem Körper trägt Hattie außerdem ein kleines Tattoo mit der Aufschrift „That's hot“ – ebenso wie auf seiner Base-Cap. Auch seinen Aufenthalt in Los Angeles dokumentierte er ausführlich. Neben den Bildern aus dem Pool veröffentlichte er Eindrücke aus dem Nachtleben der Metropole und von verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Fotos nähren zugleich Spekulationen, dass Hattie der Olympia-Austragungsort 2028 besonders gut gefällt.
Aufgewachsen in der kanadischen Provinz British Columbia, entdeckte Hattie schon früh seine Begeisterung für die Natur. Mit Wanderungen kann er sich allerdings bis heute nur bedingt anfreunden. „Ich liebe die Natur. Das Schwierigste ist für mich aber, mich überhaupt zu einer Wanderung aufzuraffen“, so Hattie. „Ich mag den Ausblick oder das Ziel – aber der Weg dorthin ist nicht so mein Ding.“ Bis zu einer Entscheidung über seine sportliche Zukunft bleibt dem erfolgreichen Turmspringer noch Zeit. Fest steht jedoch schon jetzt: Als Social-Media-Star hat sich Bryden Hattie längst ein zweites Standbein aufgebaut – und versteht es, seine Fans auch abseits des Sprungturms zu begeistern.