Erstes Statement von Cavelius Angriff nach dem Kampf – Olympia weiter im Blick
Eineinhalb Wochen nach dem Angriff ist Timo Cavelius noch immer erschüttert. Der schwule deutsche Judoka war am 5. September nach einem Bundesligakampf in Leipzig vom georgischen Judoka Akaki Japaridze angegriffen worden. Cavelius erlitt dabei einen doppelten Kieferbruch, zudem wurden ihm zwei Zähne ausgeschlagen.
Das Wichtigste im Überblick
- Der deutsche Judoka Timo Cavelius wurde Anfang September nach einem Bundesligakampf in Leipzig vom georgischen Judoka Akaki Japaridze angegriffen.
- Cavelius erlitt einen doppelten Kieferbruch und verlor zwei Zähne.
- Der Vorfall wird von Polizei und zuständigen Sportverbänden untersucht.
- Cavelius war 2024 der erste offen schwule Mann, der im Judo bei Olympischen Spielen antrat.
- Er will nicht spekulieren, ob seine sexuelle Orientierung eine Rolle bei dem Angriff gespielt haben könnte.
- Japaridze erklärte, er habe sich durch eine Geste und eine angebliche verbale Provokation von Cavelius provoziert gefühlt.
- Cavelius sagt, er habe seinen Sieg lediglich in Richtung seines eigenen Teams gefeiert.
- Nach der Operation wurde sein Kiefer mit drei Platten stabilisiert. Er muss sechs bis acht Wochen auf Sport verzichten.
- Wegen der Verletzung verpasst er den Grand Slam in Budapest und die Weltmeisterschaften in Baku. Auch seine Olympia-Qualifikation ist gefährdet.
- Cavelius hat rechtliche Schritte eingeleitet und will eine objektive Aufklärung des Vorfalls. Japaridze hat sich bislang nicht bei Cavelius entschuldigt.
- Cavelius betont trotz des Angriffs weiterhin die Bedeutung von Respekt, Fairness und gegenseitiger Rücksichtnahme im Judo.
Schock in der Judo-Szene
Der Vorfall hat den Judosport erschüttert und ist Gegenstand von Untersuchungen durch die Polizei und die zuständigen Sportverbände. Cavelius befindet sich nach einer Operation in der Genesung. Wegen der Verletzung wird er bei den Weltmeisterschaften im kommenden Monat fehlen. Auch seine Chancen auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles sind dadurch gefährdet. Japaridze hatte in den vergangenen Tagen erklärt, er habe auf eine Geste und eine angebliche verbale Provokation von Cavelius reagiert. Der Georgier hat sich bislang nicht direkt bei Cavelius entschuldigt.
„Ich bin immer noch schockiert über das, was passiert ist. Nachdem der Kampf beendet war, war ich glücklich über meinen Sieg und habe in Richtung meines Teams und meiner Mannschaftskollegen gefeiert. Der Kampf war knapp und ausgeglichen, deshalb war ich natürlich sehr erleichtert und glücklich, gewonnen zu haben.“ Mit einer solchen Eskalation habe er unmittelbar danach nicht gerechnet. „Ich hätte nie erwartet, dass die Situation unmittelbar danach auf diese Weise eskalieren würde. Ich finde es immer noch schwer zu verstehen, wie ein sportlicher Wettkampf zu einer solchen Situation führen konnte.“ Der Georgier hatte ohne Vorwarnung den schwulen 29-Jährigen zu Boden geschlagen und immer weiter auf ihn eingeprügelt.
Attacke wegen Homophobie?
Die Genesung verlaufe nach Plan, berichtet Cavelius. Bei der Operation wurde sein Kiefer mit insgesamt drei Platten stabilisiert. „Die Operation ist gut verlaufen, und mein Kiefer wurde mit insgesamt drei Platten stabilisiert.“ Für sechs bis acht Wochen muss der Judoka jetzt auf Sport verzichten. Bis zur vierten Woche darf er ausschließlich pürierte oder flüssige Nahrung zu sich nehmen. Nach etwa acht Monaten müssen die Platten wieder entfernt werden. „Meine Genesung hat für mich jetzt Priorität. Ich bin froh, dass bisher alles nach Plan verlaufen ist, und ich möchte meinem Körper die Zeit geben, die er braucht, um vollständig zu heilen.“
2024 schrieb Cavelius Sportgeschichte: Er war der erste offen schwule Judoka, der an Olympischen Spielen teilnahm. In Deutschland sei die sexuelle Orientierung eines Menschen glücklicherweise kein großes Thema. In Ländern wie Georgien könne die Situation anders sein. Ob seine sexuelle Orientierung bei dem Angriff eine Rolle spielte, will Cavelius jedoch nicht beurteilen. „Ich kann und will nicht beurteilen, ob Japaridze mich wegen meiner Sexualität angegriffen hat. Letztlich lässt seine Aussage in dieser Hinsicht Raum für Interpretationen. Was er in diesem Moment gedacht hat, kann nur er selbst beantworten. Solange sich Japaridzes Aussagen nicht ausdrücklich auf meine sexuelle Orientierung beziehen, möchte ich darüber nicht spekulieren. Es ist mir wichtig, bei den Fakten zu bleiben und niemandem ein Motiv zuzuschreiben, das nicht belegt werden kann.“
Siegesfeier als mögliche Provokation
Er könne lediglich seine Sicht der Dinge schildern, so der Spitzensportler weiter gegenüber Outsports: „Letztlich kann nur Akaki Japaridze selbst darauf antworten. Ich kann nur beschreiben, wie ich das Geschehen wahrgenommen habe. Von meiner Seite gab es weder verbale Beleidigungen noch körperliche Angriffe. Mein Verhalten bestand darin, meinen Sieg zu feiern, und diese Feier richtete sich an mein eigenes Team. Ich kann verstehen, dass Japaridze meine Feier als Provokation empfunden haben könnte. Ich kann das als seine Wahrnehmung akzeptieren, ohne dass es meine Absicht gewesen wäre.“
Japaridze zufolge fühlte er sich durch eine Geste von Cavelius provoziert und glaubte, dessen Verhalten habe seine Ehre als Mann verletzt. Cavelius erklärt, seine Feier könne bei seinem Gegner anders angekommen sein als beabsichtigt. „Es war nicht meine Absicht, ihn persönlich zu demütigen oder zu beleidigen. Für mich ist es jedoch entscheidend, zwischen einer Geste und körperlicher Gewalt zu unterscheiden. Eine Geste kann als provokativ oder unangemessen empfunden werden. Darüber kann man im Nachhinein auch kritisch nachdenken. Körperliche Gewalt ist jedoch eine völlig andere Angelegenheit. Auch wenn Japaridze meine Feier als Kränkung oder Provokation empfunden hat, kann das den anschließenden körperlichen Angriff weder erklären noch rechtfertigen. Deshalb möchte ich diese beiden Dinge nicht miteinander vermischen. Ich bin bereit, darüber nachzudenken, wie meine Feier auf Japaridze gewirkt haben könnte. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass jeder für seine eigene körperliche Reaktion verantwortlich bleibt.“
Siege will er weiter feiern
Seine Art, Siege zu feiern, will Cavelius grundsätzlich nicht aufgeben. „Ich werde weiterhin feiern, wenn ich einen Kampf gewinne. Gleichzeitig habe ich natürlich darüber nachgedacht, wie eine Geste von einem Gegner wahrgenommen werden kann. Wenn ich heute noch einmal in derselben Situation wäre, würde ich wahrscheinlich bewusster darauf achten, wie ich meine Feier ausdrücke. Für mich ist das eine Frage des gegenseitigen Respekts. Über mein eigenes Verhalten nachzudenken bedeutet nicht, dass ich die Verantwortung für die Reaktion eines anderen übernehme. Jeder bleibt dafür verantwortlich, seine eigene Reaktion zu kontrollieren.“
Für seine sportliche Karriere bedeutet der Angriff einen erheblichen Rückschlag. Cavelius wird wichtige internationale Wettbewerbe verpassen, darunter den Grand Slam. „Ich werde wichtige internationale Wettbewerbe verpassen, darunter den Grand Slam in Budapest und die Weltmeisterschaften in Baku. Auch meine Olympia-Qualifikation ist dadurch gefährdet. Das ist besonders schmerzhaft, weil ich mich nach einer langen Verletzungspause gerade wieder in den internationalen Wettkampf zurückgearbeitet hatte. Trotzdem versuche ich, nach vorne zu schauen. Sobald ich wieder gesund bin, möchte ich meine sportlichen Ziele nach und nach weiterverfolgen.“
Rechtliche Schritte und Konsequenzen
Cavelius hat rechtliche Schritte eingeleitet. „Mir ist wichtig, dass der Vorfall objektiv und auf Grundlage dessen untersucht wird, was tatsächlich passiert ist.“ Die strafrechtliche Bewertung sei Sache der zuständigen Behörden. Er wolle den Verfahren nicht vorgreifen und keine Erwartungen an eine bestimmte Entscheidung äußern. „Die sportrechtlichen Konsequenzen sind ebenfalls Sache der jeweiligen zuständigen Verbände. Deshalb halte ich es für unangemessen, Forderungen zu stellen. Die Verbände sind über den Vorfall informiert und werden ihn prüfen. Ich bin zuversichtlich, dass die zuständigen Stellen den Vorfall im Rahmen ihrer Zuständigkeit und im Interesse des Sports bewerten werden.“ Eine Tatsache steht für Cavelius nach eigener Aussage fest: „Soweit ich weiß, ist so etwas im Judo noch nie passiert. Und so etwas darf nie wieder passieren.“
Kein Gespräch mit Japaridze
Da Japaridze sich bislang nicht entschuldigt hat, sieht Cavelius derzeit keine Grundlage für ein Gespräch mit ihm. „Japaridze hat sich mir gegenüber bisher nicht entschuldigt. Außerdem möchte ich zunächst den laufenden strafrechtlichen und sportrechtlichen Verfahren ihren Abschluss ermöglichen und mich auf meine Genesung konzentrieren.“ Was nach Abschluss der Verfahren geschehen könnte, wolle er nicht vorwegnehmen. „Aus meiner Sicht würde ein Gespräch mit Japaridze zunächst eine angemessene Grundlage und vor allem die Bereitschaft voraussetzen, das Geschehene ehrlich und respektvoll aufzuarbeiten.“
Cavelius verfolgt auch die Diskussionen in den sozialen Medien. „Natürlich ist mir bewusst, dass sehr viel darüber diskutiert und debattiert wird, was passiert ist. Ich bin sehr dankbar für die enorme Unterstützung, die ich erhalten habe. Gleichzeitig gibt es auch Spekulationen und viele sehr emotionale Kommentare. Ich versuche, mich davon nicht zu sehr beeinflussen zu lassen. Ich möchte mich nicht in öffentliche Auseinandersetzungen einmischen und auch nicht zu jeder Äußerung Stellung nehmen. Für mich ist entscheidend, dass der Vorfall objektiv untersucht wird und der tatsächliche Ablauf der Ereignisse im Mittelpunkt bleibt.“
Respekt bleibt zentraler Wert
Seine grundlegende Sicht auf den Judosport habe sich durch den Angriff nicht verändert. „Gerade weil Respekt, Fairness und gegenseitige Rücksichtnahme für mich zentrale Werte unseres Sports sind, hat mich der Vorfall besonders tief getroffen. Judo ist ein Sport von großer körperlicher und emotionaler Intensität. Aber das bedeutet auch, seine Emotionen zu kontrollieren und die körperliche Unversehrtheit seines Gegners zu respektieren. Der Wettkampf endet mit seinem Ergebnis. Danach muss die Grenze klar sein.“ Cavelius hofft deshalb, dass der Vorfall objektiv untersucht wird und die Judo-Gemeinschaft die richtigen Schlüsse daraus zieht.
Zunächst muss der Judoka die vorgeschriebene Sportpause einhalten. Danach kann er langsam wieder mit dem Training beginnen. „Wann ich wieder an Wettkämpfen teilnehmen kann, wird davon abhängen, wie meine Genesung voranschreitet. Ich möchte nichts überstürzen. Eine vollständige Genesung hat für mich Priorität. Sobald mein Körper wieder bereit ist, werde ich schrittweise ins Training zurückkehren und dann sehen, wann ich wieder an Wettkämpfen teilnehmen kann.“