Singles auf dem Vormarsch Neue Lebensmodelle jenseits der klassischen Ehe
In Deutschland leben immer mehr Menschen allein. Der Anteil der Alleinstehenden an der Bevölkerung ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) von 17 Prozent im Jahr 1996 auf 23 Prozent im Jahr 2025 gestiegen. Zugleich haben sich die Formen des Zusammenlebens verändert: Neben dem wachsenden Anteil der Singles nahm auch die Zahl der Menschen zu, die ohne Kinder mit einem Partner oder einer Partnerin zusammenleben. Besonders vertreten in beiden wachsenden Gruppen ist dabei die LGBTIQ+-Community.
Das Wichtigste im Überblick
- Der Anteil der Alleinstehenden in Deutschland ist seit 1996 von 17 auf 23 Prozent gestiegen.
- Gleichzeitig ist der Anteil der Menschen, die in Familien leben, langfristig zurückgegangen, hat sich seit 2015 aber stabilisiert.
- 2025 lebten 49 Prozent der Bevölkerung als Elternteil oder Kind in einer Familie.
- Auch der Anteil der Menschen, die als Paar ohne Kinder zusammenleben, stieg seit 1996 von 26 auf 28 Prozent.
- Unter den Familien nahm der Anteil der Ehepaare mit Kindern deutlich ab, während Alleinerziehende und nichteheliche Lebensgemeinschaften häufiger wurden.
- Zum gesellschaftlichen Wandel gehören neben nichtehelichen Partnerschaften auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Regenbogenfamilien, die in den vergangenen Jahrzehnten sichtbarer und gesellschaftlich stärker anerkannt worden sind.
- Menschen mit Einwanderungsgeschichte leben überdurchschnittlich häufig in Familien: 60 Prozent gegenüber 43 Prozent bei Menschen ohne Einwanderungsgeschichte.
- Knapp ein Drittel der Familien hatte 2025 eine Einwanderungsgeschichte. 2005 waren es 17 Prozent.
Gesellschaftlicher Wandel
Zu diesem gesellschaftlichen Wandel gehört auch, dass Partnerschaften und Familien heute vielfältiger sind als noch vor einigen Jahrzehnten. Neben verheirateten Paaren gibt es nichteheliche Lebensgemeinschaften, Alleinerziehende sowie gleichgeschlechtliche Paare und Regenbogenfamilien. Für viele homosexuelle Menschen sind Partnerschaft und Familiengründung heute selbstverständlicher Teil ihrer Lebensplanung. Nach den Erstergebnissen des Mikrozensus 2025 lebten 28 Prozent der Bevölkerung als Paar ohne Kinder im Haushalt. 1996 hatte dieser Anteil noch bei 26 Prozent gelegen. Demgegenüber gehört heute ein kleinerer Teil der Bevölkerung einer Familie an. 2025 lebten 49 Prozent der Menschen als Elternteil oder Kind in einer Familie. 1996 waren es noch 57 Prozent gewesen. Nach einem länger anhaltenden Rückgang hat sich der Familienanteil seit Mitte der 2010er-Jahre jedoch stabilisiert. 2015 lag er bei 48 Prozent.
Alterung und Zuwanderung
Thomas Körner, Experte für demografische Analysen zu Familien beim Statistischen Bundesamt, führt den früheren Rückgang vor allem auf die Alterung der geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge zurück. „Der jahrelange Rückgang der Bevölkerung in Familien ist vor allem auf die Alterung der geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge zurückzuführen. Die Babyboomer haben die typische Familienphase mit Kindern im Haushalt hinter sich gelassen“, erklärt Körner. Seit 2015 habe allerdings die Zuwanderung dazu beigetragen, den Rückgang des Familienanteils auszugleichen. „Seit 2015 wirkt die Zuwanderung dem Rückgang der Familien entgegen, weil Eingewanderte und ihre Nachkommen jünger sind und häufiger in Familien leben. Auch dadurch hat sich der Familienanteil an der Gesamtbevölkerung stabilisiert“, sagt der Statistiker.
Menschen mit Einwanderungsgeschichte
Deutliche Unterschiede zeigen sich je nach Einwanderungsgeschichte. 2025 lebten 60 Prozent der Menschen mit Einwanderungsgeschichte in einer Familie. Bei Menschen ohne Einwanderungsgeschichte waren es 43 Prozent. Weniger häufig lebten Menschen mit Einwanderungsgeschichte dagegen als Paar ohne Kinder zusammen. Ihr Anteil lag bei 19 Prozent. Bei Menschen ohne Einwanderungsgeschichte waren es 32 Prozent. Auch beim Anteil der Alleinstehenden gab es einen Unterschied: 21 Prozent der Menschen mit Einwanderungsgeschichte lebten allein, gegenüber 25 Prozent der Menschen ohne Einwanderungsgeschichte.
Ehe verliert an Bedeutung
Nicht nur die Zahl der Menschen in den verschiedenen Lebensformen hat sich verändert, sondern auch die Zusammensetzung der Familien. Ehepaare mit Kindern stellen weiterhin die größte Gruppe, ihr Anteil ist aber deutlich gesunken. 1996 waren noch 78 Prozent aller Familien Ehepaare mit Kindern. 2025 lag ihr Anteil bei 66 Prozent. Gleichzeitig wurden andere Familienformen häufiger. Der Anteil der Alleinerziehenden stieg von 18 Prozent im Jahr 1996 auf 24 Prozent im Jahr 2025. Nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern machten 2025 zehn Prozent der Familien aus. 1996 waren es lediglich vier Prozent.
Zu den vielfältiger gewordenen Familienformen gehören auch Familien mit zwei Müttern oder zwei Vätern sowie andere Familienkonstellationen. Homosexuelle Paare können ebenso wie heterosexuelle Paare mit Kindern leben, etwa mit leiblichen Kindern aus früheren Beziehungen, durch Adoption oder andere Formen der Familiengründung. Das Statistische Bundesamt führt die Entwicklung auf einen gesellschaftlichen Wandel zurück. Besonders in Westdeutschland seien nicht-eheliche Familienformen zunehmend akzeptiert worden. In Ostdeutschland waren sie bereits früher stärker verbreitet.
Zahl der Kinder bleibt konstant
Bei der Zahl der Kinder, die mit ihren Eltern in einem gemeinsamen Haushalt leben, zeigt sich dagegen über einen langen Zeitraum nur wenig Veränderung. 2025 lebte in der Hälfte der Familien ein Kind im Haushalt. In 37 Prozent der Familien waren es zwei Kinder, in 13 Prozent drei oder mehr Kinder. Ein ähnliches Bild hatte sich bereits 1996 ergeben. Damals lebte in 51 Prozent der Familien ein Kind, in ebenfalls 37 Prozent zwei Kinder und in zwölf Prozent drei oder mehr Kinder. Berücksichtigt werden dabei ausschließlich Kinder, die noch im elterlichen Haushalt leben. Der leichte Anstieg des Anteils von Familien mit drei oder mehr Kindern wird vor allem mit der Zuwanderung seit 2015 in Verbindung gebracht.
Bei Familien mit und ohne Einwanderungsgeschichte zeigen sich auch bei der Kinderzahl Unterschiede. 21 Prozent der Familien mit Einwanderungsgeschichte hatten 2025 drei oder mehr Kinder. Bei Familien ohne Einwanderungsgeschichte waren es zehn Prozent. Umgekehrt lebten in Familien mit Einwanderungsgeschichte häufiger weniger Kinder: 43 Prozent hatten ein Kind im Haushalt. Bei Familien ohne Einwanderungsgeschichte lag dieser Anteil bei 54 Prozent.