Lebenslange Haft nach Mord Trans* Mann wurde über Wochen grausam gefoltert
Zwei Frauen sind wegen ihrer Beteiligung an der Folter und Tötung des trans* Mannes Sam Nordquist zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung verurteilt worden. Precious Arzuaga und Jennifer „Brooklyn“ Quijano erhielten die Höchststrafe vor einem Gericht in Canandaigua im US-Bundesstaat New York.
Das Wichtigste im Überblick
- Precious Arzuaga und Jennifer „Brooklyn“ Quijano sind zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung verurteilt worden.
- Beide hatten sich zuvor schuldig bekannt.
- Nordquist war 24 Jahre alt und stammte aus Minnesota.
- Er war nach New York gereist, um eine Frau für ein Date zu treffen, die er online kennengelernt hatte.
- Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde Nordquist über Wochen gefangen gehalten, misshandelt und gefoltert.
- Sein Leichnam wurde am 13. Februar 2025 in einem Feld im Yates County gefunden.
- Arzuaga wurde von der Staatsanwaltschaft als Anführerin der Gruppe bezeichnet.
- Insgesamt wurden sieben Menschen im Zusammenhang mit Nordquists Tod angeklagt.
- Emily Motyka und Kyle Sage haben sich ebenfalls schuldig bekannt und warten auf ihre Urteile.
- Patrick Goodwin, Kimberly Sochia und Thomas Eaves sollen sich in getrennten Verfahren vor Gericht verantworten. Ein weiterer Prozess ist für Januar vorgesehen.
Grausame Folter über Wochen
Nordquist war 24 Jahre alt und stammte aus Oakdale im Bundesstaat Minnesota. Im September 2024 reiste er wegen eines Online-Flirts in die Region der Finger Lakes im Bundesstaat New York. Dort hielt er sich im Patty's Lodge in Hopewell auf. Nach Angaben der Behörden wurde Nordquist dann von einer Gruppe von insgesamt sieben Personen vom 1. Januar bis zum 2. Februar 2025 immer wieder grausam und auf bestialische Weise gefoltert, bis er an seinen schweren Verletzungen verstarb. Seine Leiche wurde dann am 13. Februar 2025 in einem Feld im Yates County gefunden.
Arzuaga hatte sich am 26. Juni des Mordes und weiterer Straftaten schuldig bekannt. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete sie als Anführerin der Gruppe. Richterin Kristina Karle sagte jetzt bei der Urteilsverkündung zu Arzuaga: „Er kam hierher, um Liebe zu finden. Und leider und tragischerweise fand er Sie. Und Sie verkörpern alles, was Sam nicht war.“ Nordquist war nach Angaben seiner Familie nach New York gekommen, weil er glaubte, dort eine Frau zu treffen, die er online kennengelernt hatte.
Familie ist entsetzt
Die Staatsanwaltschaft erklärte, Nordquist sei über längere Zeit gefangen gehalten und schwer misshandelt worden. Die Ermittler gehen von wochenlanger Folter aus. Bei der Verhandlung wandten sich auch Nordquists Mutter und seine Schwester an Arzuaga. Seine Mutter Linda Nordquist sagte: „Du wusstest genau, warum Sam hierherkam. Er vertraute dir. Er glaubte, dass du dich um ihn kümmerst.“ Auch seine Schwester Kayla sprach über das Verhältnis zwischen ihrem Bruder und Arzuaga. „Die Person, der er sein Herz anvertraute, wurde zum Grund dafür, dass es für immer aufhörte zu schlagen.“
Kayla erinnerte zudem daran, dass sie Arzuaga bei deren Schuldeingeständnis weinen gesehen hatte. „Alles, woran ich denken konnte, war mein Bruder. Wie oft hat er geweint? Wie oft hat er um Gnade gebeten?“ Vor der Verkündung des Urteils durfte auch Arzuaga selbst sprechen. Sie entschuldigte sich bei Nordquists Familie. „Ich kann nicht ungeschehen machen, was passiert ist, obwohl ich mir das wünschte“, sagte sie. „Ich bin bereit, jede Strafe zu akzeptieren, die Sie mir auferlegen.“ An anderer Stelle erklärte Arzuaga: „Sam hat mich und meine Kinder wirklich geliebt.“
Lebenslange Haft
Richterin Karle verhängte anschließend lebenslange Haft ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung. „Niemand hat das verdient, aber er war ein guter Mensch“, sagte Karle zu Arzuaga. „Alles, was Sie nicht sind.“ Als Arzuaga aus dem Gerichtssaal geführt wurde, applaudierten Unterstützer Nordquists. Seine Schwester sagte anschließend, es sei für sie schwer gewesen, ihre Fassung zu bewahren. „Es ist schwer, nicht hinübergehen und das tun zu wollen, was sie meinem Bruder angetan hat. Es ist schwer, zu versuchen, die Fassung zu bewahren, erwachsen zu sein und ein Mensch zu sein.“
Auch Jennifer „Brooklyn“ Quijano wurde am gleichen Tag zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung verurteilt. Quijano hatte sich am 15. Juli des Mordes und weiterer Straftaten schuldig bekannt. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft standen Quijano und Arzuaga in einer lesbischen Beziehung. Die Ermittler gehen davon aus, dass Eifersucht bei Quijanos Beteiligung eine Rolle spielte. Staatsanwältin Sara Van Strydonck sagte: „Es war einfach so, dass Sam die Aufmerksamkeit von Precious hatte und sie ihn dafür hasste. Sie wollen das Motiv wissen? Das Motiv ist Eifersucht.“ Die Staatsanwaltschaft erklärte außerdem, Quijano habe Nordquist zeitweise als „zweibeinigen Hund“ bezeichnet. Eine Entschuldigung Quijanos wurde vor Gericht von ihrer Anwältin verlesen. „Es tut mir leid, was ich Sam angetan habe. Es tut mir leid, was ich nicht für Sam getan habe. Ich werde den Rest meines Lebens im Gefängnis verbringen und ich akzeptiere, dass ich das verdient habe.“
Sieben Menschen angeklagt
Insgesamt wurden sieben Menschen im Zusammenhang mit dem Tod Nordquists angeklagt. Neben Arzuaga und Quijano haben sich auch Emily Motyka und Kyle Sage schuldig bekannt. Ihre Urteile stehen noch aus. Patrick Goodwin, Kimberly Sochia und Thomas Eaves müssen sich weiterhin vor Gericht verantworten. Für sie sind getrennte Verfahren vorgesehen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist ein Prozess für Januar geplant.
Die Staatsanwaltschaft bezeichnete den Fall als außergewöhnlich. Bei der Verhandlung sagte der stellvertretende Bezirksstaatsanwalt James Nobles: „Das mag in Fernsehfilmen vorkommen, aber im wirklichen Leben ist es nicht üblich. Sicherlich ist es im Westen des Bundesstaates New York und ganz sicher im Bezirk Ontario nicht üblich.“ Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden während der Misshandlungen auch Videos aufgenommen, auf denen die Angeklagten Nordquist beschimpften.
Familie will sich an Sam erinnern
Für Nordquists Familie stand bei der Verhandlung nicht nur die Bestrafung der Täter im Mittelpunkt. Seine Angehörigen wollten auch daran erinnern, wer Sam Nordquist als Mensch war. Er war als junger Mann aus Minnesota nach New York gereist. Nach Angaben seiner Familie hatte er geglaubt, dort eine Beziehung weiterentwickeln zu können. Nun sind zwei der Angeklagten zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Für drei weitere Beschuldigte stehen die Prozesse noch bevor. Die Urteile gegen Arzuaga und Quijano sind damit ein wichtiger Abschluss eines Teils des Strafverfahrens. Der Fall ist insgesamt jedoch noch nicht beendet.