Entsetzen in Kamerun Trauer über ermordeten Schwulen trifft auf puren Hass
Der Mord an einem jungen schwulen Mann hat in der LGBTIQ+-Community der kamerunischen Wirtschaftsmetropole Douala Trauer und Empörung ausgelöst. Gleichzeitig sorgten homophobe Reaktionen in sozialen Netzwerken für zusätzliche Bestürzung. Der Fall lenkt den Blick erneut auf die schwierige Lage Homosexueller in dem zentralafrikanischen Land – seit zehn Jahren existiert ein radikales Anti-Homosexuellen-Gesetz, das hohe Haftstrafen für Lesben und Schwule vorsieht. Die Folgen sind Stigmatisierung, Denunziation, öffentliche Demütigungen, Gewalt, Willkür und Selbstjustiz ohne rechtliche Konsequenzen.
Das Wichtigste im Überblick
- Mord in Douala: Paul Gérard wurde Mitte August tot in seiner Wohnung gefunden.
- Hauptverdächtiger gesucht: Die Polizei fahndet nach Gérards Freund Liam Karl, der bislang nicht festgenommen wurde.
- Homophober Spott: In sozialen Netzwerken reagierten einige Menschen mit Mitgefühl, andere mit offen homophoben Kommentaren.
- Aufruf zur Gerechtigkeit: Menschenrechtler fordern eine umfassende Aufklärung des Mordes.
- In Kamerun stehen gleichgeschlechtliche Beziehungen weiterhin unter Strafe, seit zehn Jahren radikalisiert ein Anti-Homosexuellen-Gesetz die Lage für Lesben und Schwule.
Tragischer Tod zu Hause
Der 25-jährige Paul Gérard wurde Mitte August tot in einer Blutlache liegend in seinem Bett in seiner Wohnung entdeckt. Die Tat hatte sich in der Nacht zuvor im Stadtteil Logpom ereignet. Nach Angaben des Polizeiberichts war Gérard zuvor mit seinem Freund Liam Karl zu Hause gewesen. Karl gilt aktuelle als Hauptverdächtiger und wird von der Polizei gesucht. Aufnahmen einer Überwachungskamera sollen zeigen, wie er gegen 6 Uhr morgens die Wohnung verließ. Eine gerichtsmedizinische Untersuchung ergab, dass Gérard geschlagen und erwürgt worden war. Karl deaktivierte anschließend seine Social-Media-Konten und soll mehrere persönliche Gegenstände des Getöteten mitgenommen haben.
Gérards Nachbarn und Freunde aus der LGBTIQ+-Community beschrieben ihn als gesellig, diskret, höflich und hilfsbereit. Karl ist 33 Jahre alt und soll seit langem mit Gérard befreundet gewesen sein und ebenfalls der schwulen Community in Douala angehören. Eine queere Organisation bot inzwischen über Facebook eine Belohnung von 1 Million CFA-Francs (etwa 1.500 Euro) für Hinweise an, die zur Festnahme des Verdächtigen führen.
Hass-Kommentare im Internet
In den sozialen Netzwerken reichten die Reaktionen von Trauer und Anteilnahme bis zu offenem homophobem Spott. Ein Nutzer schrieb: „Ich hätte nie gedacht, den Namen eines ehemaligen Klassenkameraden mit einer solch tragischen Angelegenheit verbunden zu sehen … Meine Gedanken sind beim Opfer, seiner Familie und allen, die von dieser Tragödie betroffen sind. Möge Gerechtigkeit geschehen.“ Ein anderer mahnte: „Bevor man von ‚der Geschichte eines schwulen Mannes‘ spricht, sollte man sich daran erinnern, dass er vor allem ein Mensch war … Paul war ein Sohn, ein Bruder, ein Freund. Sein Tod ist weder ein Sieg noch ein Witz.“
Daneben gab es leider auch viele deutlich abwertende Reaktionen. Ein Kommentar lautete: „Man empfindet fast Mitleid mit ihm, aber was machen zwei Männer überhaupt nachts in einem geschlossenen Raum?!“ Weitere Kommentatoren beschimpften das Opfer direkt mit wüsten Sprüchen, machten sich über den Tod lustig oder freuten sich direkt darüber, dass es „endlich wieder eine Schwuchtel“ erwischt hat. Ein Nutzer erklärte, es sei gut, wenn sich, wie vielleicht in diesem Fall möglich, die „Schwuchteln inzwischen gegenseitig abschlachten“, dann müsse man das „nicht mehr selbst tun.“
Die Empörung über die Hass-Kommentare schlug daraufhin hohe Wellen, ein Kommentar erklärte stellvertretend für viele: „Was ich in den sozialen Medien sehe, ist abstoßend und zutiefst entmenschlichend. Ein Mensch wurde getötet. Dennoch machen sich einige über ihn lustig, schreiben ironische Kommentare und scheinen sich über seinen Tod beinahe zu freuen, weil er schwul war. Wir sollten uns daran erinnern: Die Kriminalisierung bestimmter gleichgeschlechtlicher Beziehungen in Kamerun setzt die grundlegenden Rechte homosexueller Menschen nicht außer Kraft. Sie gibt niemandem das Recht, sie zu demütigen, anzugreifen oder ihr Leben und ihre Würde zu verletzen. Sein Tod ist weder ein Sieg noch ein Witz!“
Menschenrechtler fordern Ermittlungen
Der Menschenrechtsverteidiger Ebenezer Munkan forderte die Behörden zu umfassenden Ermittlungen auf: „Ein kamerunischer Staatsbürger bleibt ein kamerunischer Staatsbürger, LGBTIQ+ oder nicht. Paul Gérard verdient Gerechtigkeit. Jeder kamerunische Staatsbürger verdient Schutz.“ Er wandte sich in einem offenen Brief unter anderem an den Justizminister, den Minister für Territorialverwaltung, den Verteidigungsminister und den Generaldelegierten für Nationale Sicherheit. Auch die Generalstaatsanwälte der Regionen Littoral und Centre wurden aufgefordert, die Ermittlungen bis zum Abschluss zu führen und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen.