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Jetten warnt vor Rückschritten „Wir können diesen Kampf gewinnen“

Von ms - 21.08.2026 - 12:30 Uhr
Jetten warnt vor Rückschritten
Foto: IMAGO / ABACAPRESS
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Der niederländische schwule Ministerpräsident Rob Jetten warnt vor einem weiteren Rückgang der Akzeptanz von LGBTIQ+-Menschen unter jüngeren Generationen. Gerade sein eigenes Land dürfe sich nicht auf seinen Ruf als Vorreiter bei queeren Rechten verlassen, sagte der 39-Jährige. „Hier in den Niederlanden gibt es noch viel zu tun“, so Jetten. „Wir sehen, dass die Akzeptanz von queeren Rechten in der jüngeren Generation massiv unter Druck steht.“ Bereits vor zwei Jahren zeigte eine erste Studie aus Amsterdam, dass unter Jugendlichen in der Stadt die Akzeptanz von Homosexuellen von 69 auf 43 Prozent gesunken war. Auch Jetten selbst sind homophobe Anfeindungen seit Jahren nicht unbekannt. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Der offen schwule niederländische Ministerpräsident Rob Jetten warnt vor wachsendem Druck auf die LGBTIQ+-Akzeptanz unter Jugendlichen.
  • Auch in den Niederlanden sieht er Handlungsbedarf – trotz der langen Tradition als Vorreiter bei LGBTIQ+-Rechten.
  • Weltweit seien queere Rechte „unter massivem Druck“, sagt Jetten.
  • Er fordert mehr internationale Zusammenarbeit von LGBTIQ+-Communitys, Aktivisten, Politikern und Verbündeten.
  • Seine Regierung plant unter anderem stärkeren Schutz für trans* Menschen, besseren Zugang zur Leihmutterschaft für gleichgeschlechtliche Paare und mehr Polizeischutz.
  • Jetten erinnert sich an seine eigene Jugend und sagt, er hätte seinem 15-jährigen Ich geraten: „keine Angst zu haben, du selbst zu sein und dein Leben zu leben“. 

Keine Nachlässigkeit bei LGBTIQ+

Die Niederlande waren 2001 das erste Land weltweit, das die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare öffnete. Trotzdem warnt Jetten jetzt, sich auf diesen historischen Erfolg auszuruhen. „Es gibt viel zu tun“, sagte er. Die Niederlande könnten „ein bisschen zu stolz“ auf ihre bisherigen Fortschritte sein. „Wir waren in den vergangenen Jahren auch nachlässig“, sagte der Ministerpräsident. Er verweist dabei auch auf politische Kräfte in den Niederlanden, die seiner Einschätzung nach offen gegen Rechte von Schwulen und Lesben vorgehen, sowie auf Debatten über mögliche Einschränkungen bei der medizinischen Versorgung von trans* Menschen. Gleichzeitig sei der Druck auf LGBTIQ+-Menschen längst kein niederländisches Problem mehr.

„Wir sehen es online, in den sozialen Medien“, sagte Jetten. „Wir sehen es auf den Straßen, in Bars und Taxis. Wir sehen es in Ländern, in denen neue Gesetze eingeführt wurden, um die Rechte von Homosexuellen tatsächlich stärker zu kriminalisieren, anstatt sie zu verbessern.“ Queere Gemeinschaften sollten deswegen jetzt enger zusammenarbeiten, Aktivisten in Ländern mit besonders hohem Druck unterstützen und erfolgreiche Strategien miteinander teilen, so der Regierungschef weiter. „Wir können diesen Kampf gewinnen“, bekräftigte Jetten.

Vom Jugendlichen zum Regierungschef

Jetten sprach auch über seine eigene Geschichte. Mit etwa 15 Jahren habe er gewusst, dass er sich zu Jungen hingezogen fühlte. Damals habe er jedoch „so große Angst gehabt, sich darüber zu öffnen“. Heute ist Jetten der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte der Niederlande und der erste offen schwule Regierungschef des Landes. Wenn er seinem jüngeren Ich eine Nachricht übermitteln könnte, wäre es der Rat, „keine Angst zu haben, du selbst zu sein und dein Leben zu leben“. Und weiter: „Das ist etwas, das wir jedem Einzelnen auf der Welt sagen sollten, der gerade mit seiner Identität zu kämpfen hat!“ Seit seinem Amtsantritt im Februar macht der Ministerpräsident LGBTIQ+-Gleichstellung zu einem wichtigen Bestandteil seiner öffentlichen Arbeit. Bei der Pride-Grachtenparade in Amsterdam war er der erste amtierende niederländische Ministerpräsident, der daran teilnahm. Während der World Pride wurde zugleich verstärkt über Sicherheit und Diskriminierung von LGBTIQ+-Menschen diskutiert

Mehr Schutz und Rechte geplant

Jetten verweist außerdem auf Vorhaben seiner Regierung. Dazu gehören stärkere Schutzmaßnahmen für trans* Menschen, ein verbesserter Zugang zur Leihmutterschaft für schwule und lesbische Paare, mehr Polizeischutz für LGBTIQ+-Menschen sowie Investitionen in Bildung. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir der Welt in den kommenden Jahren zeigen können, dass die Rechte von Homosexuellen Menschenrechte sind, dass Liebe Liebe ist und dass wir den Kampf gegen die konservativen Kräfte gewinnen können, die versuchen, uns zurückzuhalten“, so Jetten. Vor kurzem wurde der 39-Jährige, der womöglich noch in diesem Jahr seinen Partner Nicolás Keenan heiraten möchte, auch mit dem internationalen Pride Award ausgezeichnet. „Ich bin sehr dankbar, diese Auszeichnung zu erhalten, aber sie ist nicht nur eine Auszeichnung für mich. Sie ist eine Auszeichnung für jeden einzelnen Politiker, Menschenrechtsaktivisten, jede NGO oder einfach jeden Zuschauer, der sich entscheidet, kein Zuschauer mehr zu sein.“ 

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