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Dating in Warteschleife
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Dating in Warteschleife Experten erklären den Dating-Trend

ms - 27.08.2026 - 10:00 Uhr
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Dating kann in der modernen Welt zur Belastungsprobe werden. Dating-App-Burnout, der Druck einer stark auf Äußerlichkeiten fixierten Gesellschaft und der Umgang mit einer Welt, in der Ghosting alltäglich geworden ist, machen die Partnersuche kompliziert.

Das Wichtigste im Überblick

  • „Benching“ bezeichnet eine Dating-Taktik, bei der jemand einen potenziellen Partner auf Abstand hält, ohne den Kontakt ganz abzubrechen.
  • Betroffene bekommen gerade genug Aufmerksamkeit, um weiter auf eine Beziehung zu hoffen.
  • Experten sehen darin eine manipulative und häufig belastende Form des Dating-Verhaltens.
  • Anders als beim „Ghosting“ verschwindet die andere Person nicht vollständig, sondern hält den Kontakt bewusst aufrecht.
  • LGBTIQ+-Menschen können durch „Benching“ in besonderer Weise belastet werden, etwa aufgrund von Diskriminierung, Minderheitenstress oder einem niedrigen Selbstwertgefühl.
  • Häufige Gründe für „Benching“ sind Bindungsangst, Konfliktvermeidung, die vermeintlich unendliche Auswahl auf Dating-Apps oder die Suche nach Bestätigung.
  • Wer ein solches Muster erkennt, sollte nicht die Schuld bei sich suchen, sondern die eigenen Bedürfnisse und Grenzen klar benennen.
  • Experten empfehlen, Ehrlichkeit und Verbindlichkeit einzufordern und sich gegebenenfalls aus der Situation zurückzuziehen.

Leben in der Warte-Hotline

Ob es um einen schnellen Flirt oder eine langfristige Beziehung geht: Viele Menschen haben bereits schlechte Erfahrungen mit Dating gemacht. Gleichzeitig entstehen immer wieder neue Begriffe für manipulative Verhaltensweisen. Einer davon ist „Benching“ – eine Dating-Taktik, die Experten teilweise für noch problematischer als Ghosting halten. Beim „Benching“ verschwindet eine Person nicht vollständig aus dem Leben des anderen. Stattdessen hält sie ihn oder sie auf unbestimmte Zeit hin. Während die betroffene Person darauf hofft, den passenden Partner gefunden zu haben, hält die andere Person sie als Option bereit – möglicherweise in der Erwartung, dass sich noch etwas Besseres ergibt. Für queere Menschen und kann Dating dadurch zusätzlich kompliziert sein.

Was bedeutet „Benching“?

Der Begriff stammt aus dem Sport. Dort wird ein Spieler auf die Ersatzbank gesetzt, bleibt aber Teil der Mannschaft und könnte jederzeit zum Einsatz kommen. Beim Dating funktioniert das Prinzip ähnlich. Der Psychotherapeut Nick Fager, Gründer der LGBTIQ+-inklusiven Praxis Expansive Therapy, zieht ebenfalls den Vergleich zum Sport. „Sie warten während eines Spiels sehnsüchtig auf der Ersatzbank auf die Chance, eingewechselt zu werden und sich zu beweisen. Beim Dating ist es genauso. Wenn jemand eine Liste potenzieller Partner führt, gibt es diejenigen, mit denen er aktiv ausgeht – also die, die im Spiel sind – und diejenigen, die er auf der Ersatzbank hält: Er datet sie nicht aktiv, gibt ihnen aber gerade genug Kontakt, damit sie das Gefühl haben, weiterhin Teil des Teams zu sein.“

Neu ist das Phänomen allerdings nicht. Bereits 2016 bezeichnete das Magazin Teen Vogue „Benching“ als einen „grausamen neuen Dating-Trend, der schlimmer als Ghosting“ sei. Der Unterschied: Der Geist kommt immer wieder zurück, um uns heimzusuchen. Das „Benching“ sei sogar mit neuer Stärke zurückgekehrt – sofern es überhaupt jemals verschwunden war, wie Experten weiter betonen. 

Wier erkennt man Benching?

Wer auf die „Ersatzbank“ gesetzt wurde, erlebt häufig eine unregelmäßige Kommunikation. Die andere Person verschwindet immer wieder und taucht später beispielsweise mit einer Nachricht wie „Hey Fremder“ wieder auf. „Die Fassade einer Verbindung durch ein gut getimtes Kompliment oder eine flirtende Nachricht ist ein Köder und wird bewusst eingesetzt, um die Emotionen eines anderen Menschen zu kontrollieren. Diese Kontrolle ist toxisch.“ Menschen, die jemanden „benchen“, halten demnach häufig Verabredungen nicht ein, auf die sie zuvor noch begeistert reagiert hatten. Beim tatsächlichen Zusammensein können sie sich wechselhaft verhalten – mal besonders interessiert, mal auffällig distanziert. 

Die Beziehung entwickelt sich zudem nicht weiter. „Das ist toxisch, weil die Person in diesen kurzen Momenten den Eindruck erwecken will, wirklich interessiert und engagiert zu sein, während man in Wirklichkeit eher ein nachträglicher Gedanke ist.“ Der Psychotherapeut Christian Bumpous arbeitet seit zwölf Jahren mit der LGBTIQ+-Community und kennt das Phänomen aus seiner Praxis. „Es ist wie ein Spielautomaten in Las Vegas. Es ist das Hartnäckigste, von dem wir uns nur schwer lösen können, weil die Belohnung unregelmäßig und unvorhersehbar erfolgt. Diese Art der Belohnung ist für unser Gehirn besonders reizvoll.“

Gerade die Ungewissheit darüber, woran man bei der anderen Person ist, kann „Benching“ schmerzhaft machen. Hinzu kommt, dass die andere Person die Beziehung nicht ausdrücklich beenden muss, wenn diese ohnehin nie klar definiert wurde. „Bei Klienten sehe ich, dass mit Benching normalerweise viel Leid verbunden ist. Sie sind diejenigen, die herumgezogen werden. Die Person, die das Benching betreibt, hat kaum negative Folgen, weil sie das möglicherweise gleichzeitig mit mehreren Menschen macht.“

Benching und Ghosting

Beim Ghosting verschwindet eine Person ohne Erklärung aus dem Leben des anderen. Beim „Benching“ bleibt die Kommunikation dagegen gerade so weit bestehen, dass die betroffene Person weiter Hoffnung hat. Fager bezeichnet „Benching“ als „toxischer als Ghosting, weil normalerweise ein manipulativer Aspekt hinzukommt, anstatt sich einfach vollständig zurückzuziehen.“ Die moderne schwule Dating-Welt kann angesichts von Trends wie „Shrekking“, „Throning“ und „Banksying“ zunehmend dystopisch wirken. Während Ghosting gedankenlos sein kann, bietet es zumindest einen klaren Schlussstrich. „Benching“ hält Menschen dagegen manipulativ in einer Situation, damit sie engagiert bleiben und sich nicht für jemand anderen entscheiden.

Ghosting „kann an sich schmerzhaft und grausam sein, aber normalerweise ist es ein einmaliger Vorgang, im Gegensatz zum Benching, das eher ein langsames Tröpfeln ist. Beim Benching bleibt die Person lange und intensiv genug präsent, sodass der Betroffene denkt: ‚Vielleicht kann daraus etwas werden.‘ Beim Ghosting ist es normalerweise einmal und vorbei.“

Benching bei LGBTIQ+-Menschen

„Benching“ scheint ein weit verbreitetes Dating-Verhalten zu sein, das queere und homosexuelle Menschen ebenso betrifft wie heterosexuelle. Für LGBTIQ+-Menschen kann die manipulative Dynamik jedoch besondere Auswirkungen haben. „Es gibt viele Fälle, in denen queere Menschen aufgrund jahrelanger Diskriminierung und Minderheitenstress ein sehr geringes Selbstwertgefühl haben. Das kann dazu führen, dass sie an Beziehungsdynamiken festhalten, die eindeutig nicht gut für sie sind, etwa an Benching. Oft geben diese Menschen sich selbst die Schuld dafür, auf die Ersatzbank gesetzt worden zu sein, anstatt die Dynamik als das zu erkennen, was sie ist. In diesem Fall ist eine Therapie oder eine andere Form unterstützender therapeutischer Arbeit wahrscheinlich am besten.“

Benching, Outing oder Sex

Gleichzeitig glaubt Fager, dass queere Menschen mitunter leichter über solche Probleme sprechen können. „Ich glaube tatsächlich, dass eine der positiven Seiten des Queerseins darin besteht, dass wir gezwungen sind zu lernen, über unangenehme Dinge zu sprechen. Deshalb haben meine queeren Klienten oft weniger Angst davor, eine Dynamik anzusprechen, die für sie nicht funktioniert.“ Allerdings könnten auch andere Erfahrungen aus der LGBTIQ+-Community fälschlicherweise als „Benching“ interpretiert werden. „Ich würde auch argumentieren, dass die eigene Unsicherheit hinsichtlich der Sichtbarkeit bei jemandem, der sich nicht vollständig geoutet hat, genauso aussehen und sich genauso anfühlen kann wie Benching. All diese Dinge sehe ich bei meinen heterosexuellen Klienten nicht, weil sie sich typischerweise nicht mit solchen Fragen auseinandersetzen müssen.“

Skyler weist zudem darauf hin, dass Menschen, die eher an unverbindlichem Sex als an einer dauerhaften Beziehung interessiert sind, dies klar kommunizieren sollten. Andernfalls könnte eine Person auf der eigenen Kontaktliste für sexuelle Begegnungen fälschlicherweise annehmen, sie werde „gebencht“. Skyler weiter: „In solchen Fällen ist es wichtig, die eigenen Absichten sehr klar zu kommunizieren, damit beide Seiten auf Grundlage ausreichender Informationen Entscheidungen treffen können.“

Warum hält man einen anderen hin?

Die scheinbar grenzenlose Auswahl auf Dating-Apps führt nach Einschätzung der Experten dazu, dass manche Menschen Angst davor haben, sich festzulegen. Sie befürchten, dass noch jemand kommen könnte, der ihnen besser gefällt – gerade unter schwulen Männern kommt oftmals auch der Gedanke dazu, noch etwas Besseres verpassen zu können. „Normalerweise geht es um die Person, die das Benching betreibt – ob sie Angst vor einer Bindung hat oder gelernt hat, dass Dating ein endloses Angebot an Möglichkeiten ist, durch die man wischen kann. Manche haben Angst vor Konflikten und können Dinge nicht beenden, oder sie haben Angst davor, verlassen zu werden. Deshalb halten sie zu viele Optionen offen – wie mehrere Töpfe auf dem Herd.“

Bumpous zufolge geschieht das allerdings meistens nicht aus Bosheit oder mit einer gezielten schlechten Absicht. Viele Menschen wollten lediglich den Weg des geringsten Widerstands wählen, hätten eine vermeidende Bindungsstrategie oder versuchten, ihre eigenen Gefühle zu regulieren, indem sie andere auf Abstand halten. „Manchmal kann das auch mit Konfliktvermeidung einhergehen, wenn jemand große Angst davor hat, schlechte Nachrichten zu überbringen, einer Person Nein zu sagen und eine eindeutige Entscheidung zu treffen. Ein fortgesetztes Vielleicht kann sich einfacher anfühlen und den Eindruck vermitteln, dass man die andere Person nicht enttäuscht. Aber auch das ist eine sehr kurzsichtige Sichtweise.“ Fager sieht die Sache dagegen einfacher. Letztlich laufe es auf einen bekannten Rat aus der Serie „Sex and the City“ hinaus: „Wahrscheinlich wirst du einfach auf die Ersatzbank gesetzt, weil die Person nicht wirklich auf dich steht. Vielleicht steht sie auch auf niemanden, sondern nutzt Apps, um sich auf deine Kosten ein Gefühl von Bestätigung und Sicherheit zusammenzubasteln.“

Was tun bei Benching?

Der erste Schritt besteht darin, das Muster überhaupt zu erkennen. Wer feststellt, dass er hingehalten wird, sollte laut Bumpous vermeiden, die Ursache bei sich selbst zu suchen. „Oftmals erlebe ich, dass meine Klienten bei der Frage hängen bleiben: Was stimmt nicht mit mir? Und ich versuche wirklich, sie dahin zu lenken, außerhalb ihrer selbst zu schauen und auf das Muster, das entsteht“, sagt Bumpous.

„Benching“ bedeute häufig, dass zwei Menschen unterschiedlich stark in eine Beziehung investieren. Das könne bedeuten, dass es sinnvoll sei, die Verbindung zu beenden. „Es kann sein, dass eine Person aktiv etwas aufbauen und verfolgen möchte, während die andere Person die Tür lediglich für alle Fälle offenhält. Letztlich ist das hilfreiche Information, die man haben und verstehen sollte. Es geht nicht um ein Urteil über den eigenen Wert, sondern vielmehr um die Vermeidung von Ambivalenz durch die andere Person. Das kann einem zeigen, wie man hier weitermachen sollte – nämlich vielleicht damit, jemand anderen zu suchen.“

Fager zufolge machen es Menschen, die „Benching“ betreiben, durch die seltene Kommunikation „nahezu unmöglich, in den Textnachrichten oder Direktnachrichten wirklich persönliche oder komplexere Gespräche zu führen.“ Die Dynamik könne zudem Probleme mit dem Selbstwertgefühl und Ängste verstärken. Deshalb sei es sinnvoll, einen Schritt zurückzutreten und sich zu fragen, ob die Beziehung tatsächlich funktioniere. „Man sollte sich weniger darauf konzentrieren, die Person und ihr Verhalten zu verändern, und stattdessen stärker darauf, die Wahrheit auszusprechen. Anstatt sich auf die von ihr geschaffene Dynamik einzulassen, kann man sie einfach spiegeln und der Person mitteilen, welche Voraussetzung sie erfüllen muss, um mit einem selbst in Kontakt zu treten. Das könnte etwa so klingen: ‚Mir fällt auf, dass deine Kommunikation mit mir ziemlich unbeständig ist. Ich suche etwas Beständigeres und Verbindlicheres. Wenn du das auch möchtest, großartig. Wenn nicht, ist das überhaupt kein Problem, und ich wünsche dir alles Gute.‘“

Wer in einer solchen Situation steckt, sollte nach Ehrlichkeit und Verbindlichkeit fragen. Kann oder will die andere Person beides nicht anbieten, sollte man bereit sein, sich zurückzuziehen. „Es liegt an der Person, die auf die Ersatzbank gesetzt wird, innere Arbeit zu leisten, um Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl zu finden und Nein zu diesem toxischen Verhalten zu sagen. Jeder verdient Ehrlichkeit, Vertrauen und eine gute Verbindung, wenn die Grundlage einer Beziehung entsteht. Wenn du die Person wirklich magst, sag ihr, dass du mehr Beständigkeit und Verbindlichkeit möchtest, und setze dir selbst einen zeitlichen Rahmen und eine Grenze dafür, dass die Person ihr Verhalten ändert und wirklich präsent ist.“

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