Ein schweißgetränktes Tennis-Outfit und ein darunter sichtbarer Jockstrap haben dem chinesischen Profi Sun Fajing unverhoffte Aufmerksamkeit im Netz beschert. Ein Video des Sportlers beim Guangzhou Challenger erreichte inzwischen mehr als 20 Millionen Aufrufe – und erinnerte dabei zahlreiche schwule Nutzer an den ursprünglichen Zweck des heute auch in der schwulen Mode- und Fetischkultur weit verbreiteten Kleidungsstücks.
Das Wichtigste im Überblick
- Ein Video des chinesischen Tennisprofis Sun Fajing beim Guangzhou Challenger wurde mehr als 20 Millionen Mal angesehen.
- Durch sein schweißgetränktes weißes Outfit war zu erkennen, dass der Sportler offenbar einen Jockstrap trug.
- Zahlreiche schwule Nutzer reagierten überrascht – obwohl Jockstraps ursprünglich als Sportbekleidung entwickelt wurden.
- C. F. Bennett entwickelte 1897 einen „jockey strap“, der Radfahrer auf Kopfsteinpflaster vor Verletzungen schützen sollte.
- Später fanden Jockstraps unter anderem im Boxsport Verwendung und wurden zugleich zu einem festen Bestandteil schwuler Mode- und Fetischkultur.
- Sun selbst schied beim Turnier bereits in der zweiten Runde aus.
Viraler Hit um schweißnassen Tennisprofi
Sun trat bei seinem Match vollständig in Weiß an. Während der Partie war seine Kleidung schließlich so stark mit Schweiß durchtränkt, dass sich die Konturen seines Körpers deutlich abzeichneten. Dabei wurde auch sichtbar, was der Spieler offenbar unter seiner Tenniskleidung trug: einen Jockstrap. Die Aufnahme verbreitete sich daraufhin rasant in den sozialen Netzwerken und wurde binnen kurzer Zeit auf einzelnen Profilen bereits mehr als 20 Millionen Mal angesehen. Mit wachsender Reichweite erreichte das Video auch immer mehr schwule Nutzer – von denen sich einige überrascht darüber zeigten, dass ein Sportler einen Jockstrap trägt.
Andere Nutzer reagierten auf die Verwunderung mit einem Hinweis auf die Geschichte des Kleidungsstücks. „Wofür glaubt ihr denn, wurden Jockstraps erfunden?“, hieß es in einer viel beachteten Antwort. Denn lange bevor der Jockstrap zu einem festen Bestandteil schwuler Mode- und Fetischkultur wurde, erfüllte er einen ausgesprochen praktischen Zweck im Sport.
Geschichte des Jockstraps
C. F. Bennett entwickelte im Jahr 1897 einen sogenannten „jockey strap“. Dieser sollte Radfahrer davor schützen, sich beim Fahren über Kopfsteinpflaster durch Stöße gegen den Fahrradsattel zu verletzen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Jockstraps als Möglichkeit beworben, Verletzungen zu verhindern. Später wurden dem Prinzip zeitweise sogar gesundheitliche Wirkungen zugeschrieben. Ein Beispiel dafür war der sogenannte Heidelberg Electric Belt. Das mit Batterien und Elektroden an Vorder- und Rückseite des Hüftbereichs ausgestattete Produkt versprach, bei unterschiedlichen medizinischen Beschwerden zu helfen. Diese angeblichen gesundheitlichen Wirkungen erwiesen sich allerdings als Trugschluss.
Die tatsächliche Schutzfunktion von Jockstraps spielte im Sport dagegen weiterhin eine Rolle. So begannen auch Boxer, sie zum Schutz ihres Intimbereichs vor Schlägen „unter die Gürtellinie“ zu tragen. Später wurden dafür verstärkt spezielle Schutzschalen eingesetzt. Jockstraps blieben dennoch Teil der Sportkultur. Zugleich entwickelte sich das Kleidungsstück weit über seinen ursprünglichen Verwendungszweck hinaus. Besonders in der schwulen Kultur wurde Sportbekleidung mit homoerotischen Assoziationen immer wieder aufgegriffen und neu interpretiert. Ein vergleichbares Beispiel ist das ursprünglich aus dem Ringen bekannte Singlet.
Vom Sportartikel zum schwulen Modeklassiker
Jockstraps entwickelten sich dabei zu einem besonders prominenten Kleidungsstück. Sie waren unter anderem in Zeichnungen von Tom of Finland sowie in Softcore-Magazinen für Erwachsene zu sehen. In vermeintlichen „Fitness“-Magazinen aus der Mitte des 20. Jahrhunderts posierten Bodybuilder häufig in knapper Kleidung wie Bikinis, G-Strings oder Jockstraps. Nachdem Jockstraps in den 1980er- und 1990er-Jahren an Popularität verloren hatten, erlebten sie in den vergangenen beiden Jahrzehnten ein Comeback.
Heute bieten sowohl in der schwulen Community populäre Mode-Marken als auch große Mainstream-Modeunternehmen wie Calvin Klein und Versace eigene Varianten an. Während Singlets häufig vor allem in Fetisch- und Kink-Zusammenhängen auftauchen, sind Jockstraps inzwischen deutlich verbreiteter. Mit dem Aufkommen von PrEP und dem Rückgang des sogenannten „Bottom Shaming“ wurden besonders knappe Modelle für viele schwule Männer zudem zu einem Kleidungsstück, mit dem sie ihren Körper präsentieren. Darin steckt eine gewisse Ironie: Entwickelt wurde der Jockstrap ursprünglich, um den Intimbereich auf der Vorderseite zu stützen und zu schützen – während die Rückseite des Kleidungsstücks weitgehend offen bleibt. Heute dient das Kleidungsstück eher der besonderen Präsentation. Und Sun? Für den chinesischen Tennisprofi selbst brachte der Auftritt zwar enorme Aufmerksamkeit im Netz, sportlich verlief das Turnier allerdings weniger erfolgreich – er schied bereits in der zweiten Runde aus.