Der Druck zum Posten Urlaub ohne Smartphone? Für immer mehr Menschen undenkbar
Flugzeug-Selfie, Hotel-Reel und ein großer Foto-Rückblick nach der Reise: Für viele junge Menschen gehört das Posten in sozialen Netzwerken inzwischen fest zum Urlaub. Gerade für die Generation Z sind Instagram, TikTok und Co. längst Teil des Reiseerlebnisses – also jene Generation, die sich inzwischen zu 22 Prozent als LGBTIQ+ definiert. Gleichzeitig wächst die Erkenntnis, dass eine digitale Auszeit der psychischen Gesundheit guttun kann, gerade bei queeren Menschen, für die die digitale Welt mitunter immer mehr zu einem unverzichtbaren Teil ihres Lebens wird und zu einer Art von Safe Space innerhalb der eigenen Bubble.
Das Wichtigste im Überblick
- Für 57 Prozent der Urlauber gehört das Posten von Urlaubsinhalten inzwischen selbstverständlich dazu.
- Besonders ausgeprägt ist das Verhalten bei den 16- bis 29-Jährigen.
- Jeder Vierte gibt offen zu, mit Urlaubsfotos andere neidisch machen zu wollen.
- Eine neue Studie zeigt, dass bereits eine Woche ohne soziale Medien psychische Belastungen deutlich verringern kann.
- Experten raten zudem aus Sicherheitsgründen davon ab, Urlaubsorte und Standorte in Echtzeit zu veröffentlichen.
Mehrheit lebt online im Urlaub
Wie stark soziale Medien inzwischen den Urlaub begleiten, zeigt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Demnach sagen 57 Prozent der Urlauberinnen und Urlauber, dass das Posten von Inhalten für sie selbstverständlich zum Urlaub gehört. Im Vorjahr lag der Wert noch bei 50 Prozent. Besonders ausgeprägt ist das Verhalten bei jungen Menschen. Unter den 16- bis 29-Jährigen geben 69 Prozent an, im Urlaub Inhalte auf Social Media zu veröffentlichen. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es mit 66 Prozent nur geringfügig weniger.
Die Beiträge sollen dabei nicht ungesehen bleiben. 44 Prozent der Befragten wünschen sich ausdrücklich Aufmerksamkeit für ihre Urlaubsbilder und Videos. Jeder Vierte (26 Prozent) räumt sogar offen ein, mit den Aufnahmen andere neidisch machen zu wollen. Gerade in der queeren Community spielen soziale Netzwerke oft eine besondere Rolle. Viele nutzen Plattformen wie Instagram nicht nur zur Selbstdarstellung, sondern auch, um Reiseziele, Hotels oder Veranstaltungen zu entdecken, andere LGBTIQ+-Menschen kennenzulernen oder positive Vorbilder zu finden. Gleichzeitig kann genau diese permanente Sichtbarkeit den Druck erhöhen, einen möglichst perfekten Urlaub präsentieren zu müssen.
Weniger Depressionen und Ängste
Dass eine Pause von sozialen Medien positive Auswirkungen haben kann, zeigt eine 2025 im Fachjournal JAMA Network Open veröffentlichte Studie. Darin begleiteten Forscher 18- bis 24-Jährige zunächst zwei Wochen lang bei ihrer normalen Social-Media-Nutzung. Anschließend verzichteten die Teilnehmer eine Woche lang auf soziale Netzwerke. Während dieser Woche gingen Symptome einer Depression um 24,8 Prozent zurück. Angstsymptome verringerten sich um 16,1 Prozent, Schlaflosigkeit um 14,5 Prozent. Die Werte für Einsamkeit blieben hingegen unverändert. Die Autoren betonen zwar, dass weitere Studien notwendig seien, um langfristige Effekte zu untersuchen. Dennoch deuten die Ergebnisse darauf hin, dass bereits kurze digitale Auszeiten das Wohlbefinden verbessern können. Der Urlaub könne dafür ein geeigneter Zeitpunkt sein. Statt ständig nach dem nächsten perfekten Foto zu suchen oder auf Likes zu warten, könne die freie Zeit bewusst offline erlebt werden.
Frage der Sicherheit
Auch Sicherheitsexperten empfehlen Zurückhaltung beim Posten. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät davon ab, Urlaubsfotos oder den aktuellen Standort in Echtzeit in sozialen Netzwerken zu veröffentlichen. Solche Informationen könnten Kriminellen Hinweise darauf geben, dass eine Wohnung oder ein Haus während der Reise unbewohnt ist. Für homosexuelle und queere Menschen könnten zudem auch anderweitig Probleme auftreten, wenn sie Live-Standorte aus Ländern posten, die beispielsweise Homosexualität noch immer kriminalisieren – ein Paradebeispiel ist hier Ägypten, deren Polizisten bis heute versuchen, vor allem Schwule online in Fallen zu locken.
Der Trend zeigt damit zwei Seiten: Soziale Medien gehören für viele junge Menschen und auch für zahlreiche queere Nutzer selbstverständlich zum Urlaub. Gleichzeitig sprechen sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse als auch Sicherheitsexperten dafür, das Smartphone zumindest zeitweise beiseitezulegen – und den Urlaub nicht nur durch den Bildschirm zu erleben.