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Eklat in Venedig Kulturministerium verweigert LGBTIQ+-Filmpreis die Unterstützung

Von ms - 14.08.2026 - 10:00 Uhr
Eklat in Venedig
Foto: IMAGO / Future Image
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Ausgerechnet zum 20. Geburtstag des Queer Lion fällt jetzt eine langjährige institutionelle Unterstützung weg: Das italienische Kulturministerium verweigert dem renommierten LGBTIQ+-Filmpreis in diesem Jahr erstmals seine Schirmherrschaft. Der Preis ist eine Begleitveranstaltung der Internationalen Filmfestspiele von Venedig und zeichnet Filme mit homosexueller oder queerer Thematik aus.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der LGBTIQ+-Filmpreis Queer Lion feiert bei den Filmfestspielen von Venedig seine 20. Ausgabe.
  • Erstmals verweigert das italienische Kulturministerium dem Preis seine Schirmherrschaft.
  • Region Venetien und Stadt Venedig unterstützen den Queer Lion dagegen weiterhin.
  • Gründer Daniel N. Casagrande sagt, er könne die Entscheidung des Ministeriums nicht nachvollziehen.
  • Der Queer Lion wurde 2007 erstmals vergeben und zeichnet LGBTIQ+-Filme der Biennale aus.
  • Die Filmfestspiele von Venedig finden 2026 vom 2. bis 12. September statt.

Anderweitige Unterstützung 

Unterstützung kommt dagegen weiterhin von der Region Venetien und der Stadt Venedig. Beide werden von Politikern des Mitte-rechts-Lagers geführt. Das Kulturministerium steht unter der Leitung von Alessandro Giuli. Für den Queer Lion ist die Entscheidung besonders bemerkenswert, weil das Ministerium den Preis bereits von 2011 bis 2017 durchgehend unterstützt hatte, allerdings unter anderen Kulturministern. Auch weitere Institutionen hatten den Preis in der Vergangenheit unterstützt. Dazu gehörten unter anderem das Ressort für Chancengleichheit im italienischen Ministerratspräsidium, mehrere Universitäten sowie der italienische Verband der Filmkritiker.

Der Queer Lion hatte seit 2019 bewusst keine institutionellen Schirmherrschaften mehr beantragt. Zum 20-jährigen Bestehen entschied sich die Organisation jedoch, ausnahmsweise wieder Anträge beim Kulturministerium sowie bei der Region Venetien und bei der Stadt Venedig zu stellen. Bereits mit November sagte der damalige Regionalpräsident Luca Zaia zu, die neue Stadtregierung von Venedig erteilte die Schirmherrschaft dann Mitte Juli. Das Kulturministerium erklärte schließlich erst Mitte August und nur auf Rückfrage überraschend ihre Absage. 

Ein Preis mit langer Geschichte

Die Geschichte des Queer Lion begann mit einer Idee von Daniel N. Casagrande. Im Jahr 2003 interviewte er den damaligen Leiter der Filmfestspiele von Venedig, Moritz De Hadeln. Dieser hatte zuvor als Direktor der Berlinale die Voraussetzungen für die Entstehung des Teddy Award geschaffen, der dort 1987 erstmals vergeben wurde. Casagrande schlug De Hadeln vor, ein vergleichbares Projekt auch in Venedig aufzubauen. Der damalige Festivalleiter stimmte sofort zu. Vier Jahre später, 2007, wurde der Queer Lion erstmals vergeben. Seitdem hat der Preis die Laufbahn zahlreicher Filmschaffender begleitet, deren Werke in Venedig als Weltpremieren gezeigt wurden. 

Als der Queer Lion in den ersten Jahren aufgebaut wurde, war die Reaktion auf die Auszeichnung allerdings anders als heute. Casagrande erinnert sich daran, dass Pressestellen teilweise bei den Veranstaltern anriefen, weil sie befürchteten, durch die Aufnahme eines Films in die Liste mit einem „Gay-Stempel“ versehen und dadurch ausgegrenzt zu werden. Heute sei die Situation umgekehrt, viele Filmemacher bitten inständig darum, aufgenommen zu werden. 

Unerklärbares Verhalten 

Casagrande kann die jetzige Entscheidung des Kulturministeriums nicht nachvollziehen: „Es ist für mich nicht erklärbar, und zwar nicht, weil wir uns für so wichtig halten, dass man uns eine Schirmherrschaft nicht verweigern dürfte, sondern einfach, weil wir über Filme sprechen, die von der Filmfestspielleitung ausgewählt wurden: Das sollte ausreichen, um zu garantieren, dass sich der Queer Lion um Werke von absolutem Wert dreht.“ Die Schirmherrschaft habe zwar eine politische Bedeutung, bringe dem Preis aber keine unmittelbaren finanziellen oder praktischen Vorteile, erläuterte Casagrande weiter. Es gehe nicht um Fördergelder, Steuerbefreiungen oder anderweitige Vorteile.  Der Queer Lion geht damit trotz der verweigerten Unterstützung des Kulturministeriums in sein 20. Jahr. Die Biennale Cinema 2026 findet vom 2. bis 12. September statt. Zuvor soll bereits nächste Woche die Liste der Filme bekannt gegeben werden, die für den Queer Lion ins Rennen gehen. 

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