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Hürdenläufer Seamus Derbyshire
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Hürdenläufer Seamus Derbyshire Englands neue Hoffnung und Mutmacher für schwule Athleten

ms - 12.08.2026 - 14:30 Uhr
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Seamus Derbyshire (26) macht aus seinem Auftritt auf der Leichtathletikbahn längst mehr als einen sportlichen Wettkampf. Der 26 Jahre alte Hürdenläufer aus England gewann zuletzt bei den Commonwealth Games in Glasgow seinen Vorlauf über 400 Meter Hürden in 48,74 Sekunden. Damit zog er souverän ins Finale ein. Seine Zeit war die zweitschnellste des gesamten Qualifikationsfeldes. Nach dem Erfolg berichtete Derbyshire jetzt, wie ihm die Akzeptanz seiner Homosexualität im Wettkampf hilft. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Der 26-jährige Seamus Derbyshire hat bei den Commonwealth Games in Glasgow das Finale über 400 Meter Hürden erreicht.
  • Der Engländer gewann seinen Vorlauf in 48,74 Sekunden und erzielte damit die zweitschnellste Zeit der Qualifikation.
  • Vor dem Rennen sorgte Derbyshire mit einer K-Pop-Tanzeinlage zu „Magnetic“ der Girlgroup ILLIT für Aufmerksamkeit.
  • Derbyshire ist der einzige offen schwule Mann in der Leichtathletik bei diesen Commonwealth Games.
  • Er sagt, die Akzeptanz seiner eigenen Identität habe ihm geholfen, sportlich bessere Leistungen zu bringen.
  • Inzwischen ist der Hürdenläufer Vorbild für andere junge schwule Sportler in Großbritannien. 

Tanzeinlagen und Erfolge 

Für Aufmerksamkeit sorgte Derbyshire schon vor dem Start. Als die Kamera auf ihn gerichtet war, zeigte er eine choreografierte K-Pop-Bewegung, die vom Lied „Magnetic“ der südkoreanischen Girlgroup ILLIT inspiriert war. Seine bisherige Zeit bei den Spielen würde er nach eigener Aussage mit dem Titel eines anderen K-Pop-Songs beschreiben: „Gnarly“ von KATSEYE. Derbyshire ist dafür bekannt, seine lebensfrohe Persönlichkeit auch unmittelbar vor Wettkämpfen zu zeigen. Bereits im vergangenen Jahr wurde ein von „Wicked“ inspirierter Auftritt in sozialen Netzwerken zum viralen Hit. Bei den Weltmeisterschaften in Tokio präsentierte er die Idee anschließend auch auf internationaler Bühne. Für den Läufer aus Loughborough gehört diese Form des Ausdrucks inzwischen zu seinem Sport. Nach dem Einzug ins Finale veröffentlichte Derbyshire zudem ein ausgelassenes Video auf TikTok. Zu „Yeah“ von Charli xcx tanzte er und feierte seinen Erfolg. 

Der Weg zur eigenen Identität

Derbyshire war bei den diesjährigen Commonwealth Games der einzige offen schwule Mann in der Leichtathletik. Seine persönliche Entwicklung verbindet er eng mit seiner sportlichen Karriere. In einem Interview mit der Loughborough University berichtete er nun, dass er sich zunächst schwer damit getan habe, seine Persönlichkeit im Spitzensport offen zu zeigen. „Es war schwierig, denke ich, in bestimmten Situationen“, so Derbyshire. „Ich habe mich gegenüber meinen Eltern nie verändert; irgendwann fühlte ich mich einfach wohl genug, um zu sagen: ‚Das bin ich‘, weil ich tief im Inneren wusste, dass sie mich immer akzeptieren, lieben und weiterhin meine größten Unterstützer sein würden.“

Im Sport habe er dagegen lange ein anderes Gefühl gehabt. „Im Sport ist es einer dieser stärker von Männern dominierten Bereiche – es ist eine ziemlich hypermaskuline Umgebung“, sagte er. „Ich fühlte mich nicht so wohl dabei, mich selbst auszudrücken. Ich habe versucht, ‚einer der Jungs‘ zu sein, so sehr der junge schwule Seamus das eben konnte, was wahrscheinlich nicht besonders gut funktionierte und verborgen blieb! Es ist nicht so einfach, man selbst zu sein, wenn man nicht in das Bild passt, das andere von einem erwarten.“

Bessere Leistung nach Outing 

Der Versuch, Erwartungen zu erfüllen, setzte ihm nach eigenen Angaben zu. Schließlich sprach er mit seinem Trainer darüber, seinen Umgang mit dem Sport zu verändern. Sein eigenes Wohlbefinden sollte dabei stärker in den Mittelpunkt rücken. „Meine wichtigste Frage war: ‚Kann ich die wahre Version meiner selbst zeigen?‘“, sagte er. „Dann habe ich am meisten Spaß; ich möchte authentisch sein und diese Last von meinen Schultern nehmen – ich wollte einfach ich selbst sein. Verrückterweise fiel das mit einem wirklich großen Leistungsschub zusammen.“ Nach diesem Schritt verbesserten sich auch seine sportlichen Leistungen. Im Juni vergangenen Jahres stellte Derbyshire eine persönliche Bestzeit von 48,42 Sekunden über 400 Meter Hürden auf.

Vorbild für junge Sportler 

Für Derbyshire schloss sich nun in Glasgow ein Kreis. 2017 hatte er als Jugendlicher bei den Commonwealth Youth Games auf den Bahamas Silber gewonnen. Nun trat er erstmals bei den Commonwealth Games der Senioren an. Seine Offenheit macht ihn dabei auch zu einem Vorbild für jüngere Athleten. „Ich hätte nie erwartet, ein Vorbild zu sein, aber ich glaube, dass ich durch die Nominierung für die Commonwealth Games als Seniorathlet ehrlich gesagt erkannt habe, wie cool mein jüngeres Ich mich vielleicht finden würde“, erklärte Derbyshire weiter. 

„Der 17-jährige Seamus, wenn er Leichtathletik geschaut und mich heute sehen würde, würde denken: ‚Er scheint wirklich cool und ein netter Mensch zu sein. Vielleicht könnte ich eines Tages so sein.‘“ Derbyshire sieht seine Auftritte deshalb nicht lediglich als Show. Sie sind für ihn Ausdruck einer Identität, mit der er sich inzwischen wohlfühlt. „Wenn ich bei den Spielen antreten darf, kann ich mich ausdrücken und zeigen, was ich am besten kann. Es ist fast wie ein Auftritt vor einem Publikum, auf eine Art, die ich mir als Jüngerer nicht erwartet hätte. Ich freue mich stets darauf, dort draußen mein Bestes zu geben.“

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