Hoffnungsträger der Demokraten Kandidat vor Senatswahl, klare Position zu queeren Menschen
Der demokratische US-Senatskandidat Abdul El-Sayed hat sich in den vergangenen Jahren wiederholt deutlich für die Rechte lesbischer, schwuler, bisexueller, trans*, intergeschlechtlicher und queerer Menschen ausgesprochen. Nach seinem Sieg bei der demokratischen Vorwahl in Michigan rücken seine Positionen zur LGBTIQ+-Politik nun stärker in den Mittelpunkt. Die Demokraten hoffen auf den „New York-Effekt“, nachdem dort im letzten Jahr mit Zohran Mamdani auch ein LGBTIQ+-freundlicher Muslime die Wahl für sich entscheiden konnte und zum neuen Bürgermeister der Stadt gewählt worden war.
Das Wichtigste im Überblick
- Der Demokrat Abdul El-Sayed hat die Vorwahl für den US-Senat im Bundesstaat Michigan gewonnen.
- Der Arzt, Epidemiologe und Politiker gilt als Unterstützer der LGBTIQ+-Community.
- El-Sayed fordert Schutz vor Diskriminierung und spricht sich für die Rechte von trans* Menschen aus.
- Er befürwortet eine umfassende Sexualaufklärung einschließlich sexueller und geschlechtlicher Identität.
- Bei geschlechtsangleichender medizinischer Versorgung sollen Patienten, Eltern und Ärzte entscheiden – nicht der Staat.
- Beim Thema HIV lehnt El-Sayed eine Kriminalisierung der Krankheit ab und setzt auf Prävention, Entstigmatisierung und Zugang zu PrEP.
- Der Demokrat tritt im November gegen den Republikaner Mike Rogers an.
„Alle Menschen sind gleich“
El-Sayed hat bislang kein gewähltes politisches Amt bekleidet. Als Leiter des Gesundheitsamtes von Detroit sowie später des Gesundheitsamtes von Wayne County arbeitete er jedoch mit LGBTIQ+-Organisationen zusammen und setzte sich nach eigenen Angaben für einen besseren Zugang zu Gesundheitsleistungen ein. Ein umfangreiches parlamentarisches Abstimmungsprofil zu LGBTIQ+-Themen besitzt der Demokrat deshalb nicht. Auch zu einzelnen Gesetzen und politischen Vorhaben äußerte er sich bislang vergleichsweise selten. Seine bisherigen Aussagen zeichnen allerdings ein deutliches Bild seiner Haltung.
Bereits 2018 erklärte El-Sayed in einem Interview, seine Unterstützung für die LGBTIQ+-Community stehe nicht im Widerspruch zu seinem muslimischen Glauben. „Viele Menschen werden sagen: ‚Wie kannst du als gläubiger Muslim die LGBTIQ+-Gemeinschaft so sehr unterstützen?‘ Das liegt daran, dass uns in meinem Glauben gesagt wird, dass alle Menschen gleich sind“, sagte El-Sayed. Im Juni 2026 bekräftigte er seine Haltung: „Ich möchte, dass die Community weiß, dass ich vorhabe, ein Löwe für ihre Rechte zu sein.“ Zugleich verwies er auf eine grundsätzliche Überzeugung: „Jedes System, in dem wir zulassen, dass jemand diskriminiert wird, ist ein kaputtes, unfaires und ungerechtes System, das es verdient, gestürzt zu werden.“ Der LGBT&A Caucus der Demokratischen Partei in Michigan bezeichnete El-Sayed als „einen verlässlichen Verbündeten der LGBTIQ+-Community in Michigan“.
Gegen Einschränkungen an Schulen
Bei sogenannten „Don't Say Gay“-Regelungen, die Gespräche über LGBTIQ+-Themen an Schulen einschränken, ist nicht bekannt, ob El-Sayed zu einzelnen Gesetzen ausdrücklich Stellung genommen hat. Grundsätzlich sprach er sich jedoch für eine umfassende Sexualaufklärung aus. „Es ist entscheidend, dass wir junge LGBTIQü-Schüler stärken“, sagte er 2018. „Ich denke, es besteht die Verantwortung, umfassende, klar dargestellte, anatomisch und physiologisch korrekte Gespräche über Sex und Sexualerziehung zu führen – dazu gehören auch Gespräche über sexuelle und geschlechtliche Identität sowie darüber, wie man sich vor sexuell übertragbaren Infektionen schützen kann, darunter HIV.“
Auch beim Thema trans* Jugendliche positionierte sich El-Sayed klar. Er sagte: „Ich denke, es ist wirklich wichtig, dass wir auf Ebene der Bundesstaaten dafür kämpfen, jungen Menschen den Zugang zu den Badezimmern, Umkleideräumen und Sportmannschaften ihrer Wahl zu ermöglichen.“ Verbote an Schulen indes würden trans* Menschen zu Außenseitern machen, die aufgrund ihrer Geschlechtsidentität ohnehin einem höheren Risiko für Mobbing ausgesetzt seien. „Die Auswirkungen auf die psychische Gesundheit sind real. Sie sind greifbar. Wir haben die Verantwortung, junge Menschen zu schützen und zu stärken, ganz gleich, wer sie sind. Das schließt trans Männer und Frauen ein.“
Arzt soll über Behandlung entscheiden
Auch bei der geschlechtsangleichenden medizinischen Versorgung Minderjähriger setzt El-Sayed auf medizinische Entscheidungen zwischen Betroffenen, Eltern und Ärzten. Auf seiner Wahlkampfseite schreibt er unter der Überschrift „Gesundheitsfreiheit für Frauen und LGBTIQ+-Amerikaner“: „Gesundheitsentscheidungen sollten von einem Patienten (und seinen Eltern, wenn er minderjährig ist) und seinem Arzt getroffen werden – von niemand anderem. Dazu gehören reproduktive und geschlechtsangleichende Versorgung.“ Weiter heißt es: „Ich lehne jeden Versuch ab, bestimmte Medikamente zu kriminalisieren oder durch juristische Maßnahmen oder Kürzungen bei der Finanzierung Gesundheitsdienstleister davon abzuhalten, eine umfassende Gesundheitsversorgung anzubieten, die alle Bedürfnisse ihrer vielfältigen Gemeinschaften erfüllt.“
Im Juni 2026 kritisierte El-Sayed zuletzt die Politik der Regierung von Präsident Donald Trump. „Die Trump-Regierung hat versucht, die Regierung gegen LGBTIQ+-Menschen in einem Bereich zu instrumentalisieren, den ich sehr gut kenne, nämlich dem Gesundheitswesen“, sagte er. „Wir werden nicht tatenlos zusehen, während einige Menschen über Bord geworfen werden. Wir fordern, dass jeder das gleiche Recht hat, so zu sein, wie er ist. Wir brauchen mehr bundesweite Schutzbestimmungen, insbesondere im Gesundheitswesen.“
HIV nicht kriminalisieren
Ein weiterer Schwerpunkt seiner bisherigen Arbeit ist die HIV-Prävention. Während seiner Zeit im Gesundheitswesen war El-Sayed nach eigenen Angaben an Bemühungen beteiligt, die sogenannten Ryan-White-Fördermittel des Bundes für HIV-Prävention zu stabilisieren und auszubauen. „In dieser Funktion ging es wirklich darum, darüber nachzudenken, wie wir dieses Programm ins 21. Jahrhundert bringen, wie wir den Zugang zu PrEP verbessern, HIV entstigmatisieren und unserer Verantwortung gerecht werden können, dafür zu sorgen, dass Menschen sicher und gesund sind“, sagte er.
Seine Haltung zur Kriminalisierung von HIV fasste er mit einem kurzen Satz zusammen: „Man kann eine Krankheit nicht kriminalisieren.“ Gesetze, die HIV kriminalisierten, würden die Stigmatisierung verstärken und langfristig zu „weniger sicheren und weniger hilfreichen Verhaltensweisen“ führen, so El-Sayed. „Wir haben die Verantwortung, gegen die Stigmatisierung von HIV vorzugehen und zu verhindern, dass eine Krankheit kriminalisiert wird. Und dann müssen wir Menschen stärken und in die Diskussion über bewährte Methoden zur Verringerung der HIV-Ausbreitung einbeziehen. Die besten Ergebnisse erzielen wir nur, wenn wir Partnerschaften mit Menschen eingehen, statt sie auszugrenzen.“
Schutz vor Diskriminierung
El-Sayed beschreibt die LGBTIQ+-Community als gesellschaftlich benachteiligt. „Die LGBTIQ+-Gemeinschaft wurde marginalisiert, vernachlässigt und beschuldigt, anstatt unterstützt zu werden“, sagte er 2018. „Jeden Tag wird jemand aus der Community abgewiesen, weil er keinen Arbeitsplatz bekommen kann, oder wird wegen der Person, die er liebt, entlassen oder verliert eine berufliche Chance, weil er sich in einer Transition befindet. Und das ist ein Einwohner Michigans, der dadurch zurückgeworfen wurde.“
Im Juni verwies El-Sayed darauf, dass er und seine Mitarbeiter im Gesundheitswesen Schulungen zur LGBTIQ+-Kompetenz erhalten hätten. „Ich weiß nicht, wie es ist, schwul oder trans* zu sein, aber ich weiß, wie es ist, diskriminiert zu werden. Meine Aufgabe ist es, da zu sein, neugierig zu sein und zu verstehen, wie sich eine solche Diskriminierung konkret äußert, aber auch dann aufzustehen, wenn es schwierig ist, und nicht nur, wenn es einfach ist. Und darauf hoffe ich, dass die Menschen bei mir zählen können.“ Er fügte hinzu: „Ich werde immer da sein, wenn jemand versucht, euch eure Rechte zu nehmen – weil ich zutiefst an ein Amerika glaube, in dem die Rechte aller Menschen respektiert werden, so zu sein, wie man ist, unabhängig davon, ob man anders liebt oder sich anders identifiziert, als einem gesagt wurde, wie man sein sollte. Ich sage immer, dass ich trans* Rechte unterstütze, weil ich an alle Rechte glaube. Eine Regierung, der erlaubt wird, einige Menschen zu diskriminieren und andere nicht, wird letztlich jeden und alle Menschen aus welchen Gründen auch immer diskriminieren, die sie sich aussucht.“
Vom Gesundheitswesen in den Senat?
El-Sayed wurde am 31. Oktober 1984 in Detroit geboren. 2007 schloss er an der University of Michigan ein Studium der Biologie und Politikwissenschaft ab. Anschließend studierte er zwei Jahre an der medizinischen Fakultät der Universität. 2011 erhielt er ein Rhodes-Stipendium für das Oriel College der Universität Oxford und erwarb dort einen Doktorgrad im Bereich Public Health. 2014 schloss er an der Columbia University College of Physicians and Surgeons sein Medizinstudium mit dem M.D. ab. Im selben Jahr wurde El-Sayed Assistenzprofessor in der Epidemiologie-Abteilung der Columbia University Mailman School of Public Health. Im August 2015 ernannte ihn der Bürgermeister zum Gesundheitsbeauftragten und geschäftsführenden Direktor des Detroit Health Department.
2017 trat El-Sayed als Kandidat für das Amt des Gouverneurs von Michigan an, unterlag jedoch. Ein Jahr später gründete er Southpaw Michigan, ein politisches Aktionskomitee zur Unterstützung progressiver Kandidaten im gesamten Bundesstaat. Im Dezember 2022 wurde er zum Leiter des Department of Health, Human, and Veterans Services von Wayne County ernannt. Diese Funktion hatte er bis April 2025 inne. Danach kündigte er seine Kandidatur für den US-Senat an. Im November tritt El-Sayed nun gegen den Republikaner Mike Rogers an. Für progressive Wähler in Michigan könnten seine Positionen zu LGBTIQ+-Rechten eine wichtige Rolle spielen.