Mehr Hass im Stadion Der britische Fußball unter Druck
Homophobe Vorfälle im englischen Spitzenfußball haben erneut zugenommen. Nach offiziellen Zahlen des britischen Innenministeriums wurden in der Saison 2025/26 bei 14,7 Prozent aller Spiele der Premier League Meldungen zu Hasskriminalität aufgrund der sexuellen Orientierung registriert. Damit stieg der Anteil im Vergleich zur Saison 2024/25 um 1,8 Prozentpunkte.
Das Wichtigste im Überblick
- Bei 14,7 Prozent der Spiele in der englischen Premier League wurden 2025/26 Vorfälle im Zusammenhang mit Homophobie gemeldet.
- Die Zahl stieg im Vergleich zur Vorsaison um 1,8 Prozent.
- Besonders häufig betroffen waren Spiele von Chelsea und Brighton & Hove Albion.
- Das LGBTIQ+-Fan-Netzwerk Pride in Football fordert von Fußballverbänden „konkrete Maßnahmen mit spürbarer Wirkung“.
- Die Premier League verweist auf ihre Initiative „Premier League With Pride“ und betont erste Fortschritte
- Auch Online-Hass im Zusammenhang mit englischem Fußball nahm deutlich zu.
Homophobie in der Premier-League
Das britische Fan-Netzwerk der LGBTIQ+-Fangruppen, Pride in Football, fordert angesichts der Entwicklung „konkrete Maßnahmen mit spürbarer Wirkung“ von den zuständigen Stellen. Die Premier League erklärte dagegen, es gebe bereits Fortschritte. Sie verwies auf die, in der vergangenen Saison gestartete Initiative „Premier League With Pride“, die gemeinsam mit Vereinen und Fangruppen entwickelt worden sei.
Die neuen Zahlen des Innenministeriums zeigen, dass Spiele des FC Chelsea besonders häufig mit gemeldeten Vorfällen verbunden waren. Bei 25 von insgesamt 49 nationalen Spielen des Vereins wurden entsprechende Meldungen registriert – mehr als bei jedem anderen Premier-League-Team. Auf Platz zwei folgt Brighton & Hove Albion. Bei Spielen des Vereins wurden 13 Vorfälle gemeldet. Anhänger beider Vereine waren in den vergangenen Jahren immer wieder Ziel massiver homophober Gesänge aus Teilen gegnerischer Fanlager. In einigen Fällen kam es zu Festnahmen und strafrechtlichen Konsequenzen gegen einzelne Verantwortliche. Das Innenministerium registrierte bei fünf Chelsea-Spielen auch „unangemessene Gesänge“. In den vergangenen Jahren hatte der englische Fußballverband Football Association (FA) bereits mehrere Vereine wegen ähnlicher Verstöße sanktioniert.
Auffällig ist: Bei jedem einzelnen Premier-League-Verein wurde in der Saison mindestens ein homophober Vorfall registriert. Die Premier League setzt bei allen Spielen Beobachter ein. Zudem erhalten Ordner inzwischen vor Begegnungen mit Brighton und Chelsea besondere Briefings. Diese beiden Vereine machten zusammen 30 der insgesamt 56 Premier-League-Spiele aus, bei denen 2025/26 homophobe Vorfälle gemeldet wurden.
LGBTIQ+-Fans fordern Konsequenzen
Für LGBTIQ-Fußballfans in Großbritannien bestätigen die Zahlen die Forderung nach stärkeren Maßnahmen gegen Diskriminierung. Parallel stiegen auch gemeldete Hassdelikte gegen die Community. Rishi Madlani, Co-Vorsitzender von Pride in Football, sagte: „Ein Anstieg der Zahl der Premier-League-Spiele, bei denen homophobe Vorfälle gemeldet wurden, zeigt, wie weit der Fußball noch davon entfernt ist, LGBTIQ+-Fans ein sicheres Gefühl zu geben. Wenn diese Art von Missbrauch bei fast 15 Prozent der Spiele der höchsten Spielklasse gemeldet wird, erinnert uns das daran, dass dies für viele Fans weiterhin jede Woche Realität ist.“
Und weiter: „Pride in Football – und die mehr als 50 LGBTIQ+-Fangruppen, die wir vertreten – stehen an vorderster Front. Unsere Mitglieder unterstützen Fans auf den Tribünen, stellen diskriminierendes Verhalten infrage und arbeiten direkt mit Vereinen daran, eine wirklich inklusive Kultur aufzubauen. Wir sind ermutigt, dass mehr Vorfälle gemeldet werden, aber Meldungen müssen zu wirklichen Maßnahmen führen. Der Fußball verfügt über die Strukturen, um das Problem anzugehen; jetzt braucht es den Willen dazu. Unser Netzwerk wird weiter Druck machen, bis jeder LGBTIQ+-Fan zu einem Spiel gehen kann, ohne Angst vor Beschimpfungen haben zu müssen.“
Neue Kampagne gestartet
Im Februar der vergangenen Saison startete die Premier League bereits die Initiative „With Pride“ und beendete damit die langjährige Kampagne „Rainbow Laces“. Ein Sprecher der Premier League sagte gegenüber Outsports: „Wir wollen, dass sich alle Menschen im Fußball willkommen, unterstützt und wohl fühlen, sie selbst sein zu können. In diesem Jahr hat die Premier League Premier League With Pride gestartet, eine Initiative, die die laufende LGBTIQ+-Arbeit der Liga und ihrer Vereine zusammenführt, um langfristige Veränderungen zu ermöglichen. Die Initiative konzentriert sich darauf, die drei Kernthemen Bildung, Feiern und Handeln zu verankern. Während Fortschritte gemacht werden, werden wir weiterhin gegen Diskriminierung in Stadien und im Internet vorgehen.“ Ein Unterschied zur früheren LGBTIQ-Kampagne „Rainbow Laces“ besteht darin, dass Mannschaftskapitäne während der Aktionsspiele nicht mehr verpflichtet wurden, Regenbogen-Armbinden zu tragen. Dadurch gab es insgesamt weniger sichtbare Aktionen mit Spielern. Der Schwerpunkt lag stärker auf Fans.
Deutlicher Anstieg von Online-Hass
Nicht nur in Stadien nahm der Hass im Zusammenhang mit Fußball zu. Auch online registrierte das Innenministerium einen starken Anstieg von Hassdelikten. Die Zahl der erfassten Online-Vorfälle zu Themen wie Rassismus, Behinderung, Nationalität, sexueller Orientierung, Religion, Transfeindlichkeit und anderen Formen von Belästigung stieg um fast 73 Prozent. Meldungen im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wurden dabei noch nicht berücksichtigt. Die tatsächliche Zahl der Online-Vorfälle dürfte daher noch einmal deutlich höher liegen. Eine Umfrage unter fast 200 LGBTIQ+-Fans aus dem vergangenen Jahr ergab, dass 74 Prozent der Befragten bereits Homophobie beim Fußball erlebt oder beobachtet hatten. Weniger als ein Viertel dieser Gruppe gab an, die Vorfälle gemeldet zu haben.
Weniger Fälle in den unteren Ligen
In der English Football League (EFL), die die zweite bis vierte Spielklasse umfasst, wurden homophobe Vorfälle bei 54 Spielen dokumentiert. In der vorherigen Saison waren es noch 70 Partien. Die EFL führt seit drei Jahren die Aktion „Rainbow Ball“ gemeinsam mit ihrem Spielballpartner Puma durch. Die Initiative unterstützt die Kampagne „Football v Homophobia“ sowie das Projekt „Fans for Diversity“ der Football Supporters’ Association.