Direkt zum Inhalt

Attacken bei World Pride LGBTIQ+-Feindlichkeit nimmt zu, Sicherheitsmaßnahmen verschärft

Von ms - 28.07.2026 - 12:00 Uhr
Attacken bei World Pride
Foto: IMAGO / ANP
ANZEIGE
Loading audio player...

Während Amsterdam zum Start der World Pride mit Regenbogenflaggen geschmückt ist, wird die internationale Feier der LGBTIQ+-Community von zahlreichen Meldungen über Diskriminierung und gewalttätigen Angriffen überschattet. Seit Beginn der Veranstaltungen am vergangenen Eröffnungswochenende wurden bereits mehr als 70 Anti-LGBTIQ+-Vorfälle registriert.

Das Wichtigste im Überblick

  • Während des Eröffnungswochenendes der World Pride in Amsterdam wurden mehr als 70 Anti-LGBTIQ+-Vorfälle gemeldet.
  • Die Meldungen stammen von der Stiftung RITA Community, einer Anlaufstelle für Diskriminierung und Angriffe gegen LGBTIQ+-Menschen.
  • Viele Vorfälle ereigneten sich im öffentlichen Nahverkehr auf dem Weg zu Pride-Veranstaltungen.
  • RITA Community warnt, dass die gemeldeten Fälle möglicherweise nur einen Bruchteil des tatsächlichen Ausmaßes darstellen.
  • Die Organisation ruft dazu auf, Diskriminierung, Angriffe und Belästigungen zu melden.

Viele Vorfälle bei Pride-Festival

Die Meldungen wurden von der Stiftung RITA Community erfasst. Die Organisation ist eine gemeinsame Initiative der Stadt Amsterdam und von discriminatie.nl und fungiert als zentrale Anlaufstelle für LGBTIQ+-Menschen, die Diskriminierung und homophobe Angriffe erfahren. Nach Angaben der Stiftung liegt die Zahl der gemeldeten Vorfälle deutlich über dem üblichen Aufkommen von „wenigen pro Tag“. Dies deute auf eine deutliche Zunahme von Anfeindungen während der Pride-Veranstaltungen hin.

Nach Auswertung der Meldungen zeigt sich laut RITA Community ein wiederkehrendes Muster: Ein großer Teil der Vorfälle ereignete sich in öffentlichen Verkehrsmitteln. Betroffene wurden demnach häufig auf dem Weg zu oder von größeren Veranstaltungen wie dem Milkshake Festival im Westerpark oder dem Pride Walk in der Innenstadt angegriffen oder belästigt. Die Vorfälle beschränkten sich nicht ausschließlich auf Amsterdam. Auch an Bahnhöfen in anderen Regionen der Niederlande wurden Zwischenfälle gemeldet, während Menschen zur Teilnahme an den Veranstaltungen in die Hauptstadt reisten.

Warnung vor größerem Ausmaß

RITA Community erklärte, die erhöhte Sichtbarkeit während der Pride könne dazu beitragen, dass mehr Menschen den Mut hätten, Vorfälle zu melden. Gleichzeitig äußerte die Organisation die Befürchtung, dass die bisher gemeldeten Zahlen nur einen Teil der tatsächlichen Fälle widerspiegeln. Nach Angaben der Stiftung stellen die mehr als 70 Meldungen „nur einen Bruchteil der tatsächlichen“ Zahl der Vorfälle dar. Damit könnte das tatsächliche Ausmaß von Diskriminierung, Belästigung und gewalttätigen Attacken deutlich größer sein, da viele Betroffene Vorfälle nicht offiziell melden. Den Eindruck bestärken auch aktuelle Studien wie beispielsweise von der EU-Grundwerteagentur, demnach nur zehn Prozent aller Fälle von Hasskriminalität gegen LGBTIQ+ überhaupt gemeldet und damit auch publik werden. 

Sicherheit bleibt Herausforderung

Die Meldungen verdeutlichen nach Einschätzung der Organisation, dass die LGBTIQ+-Community weiterhin mit Sicherheitsproblemen konfrontiert ist – auch während einer Zeit, die eigentlich von Sichtbarkeit, Begegnung und gemeinsamen Feiern geprägt sein soll. RITA Community ruft dazu auf, jede Form von Diskriminierung, Angriffen und Belästigung zu melden, damit Vorfälle dokumentiert und bearbeitet werden können. Die Erfassung soll dazu beitragen, ein genaueres Bild der Situation zu erhalten und angemessen reagieren zu können. Die niederländische Polizei hat derweil ihr Sicherheitskonzept nach der Amokfahrt beim CSD in Berlin am vergangenen Wochenende angepasst und ist mit verstärkten Einsatzkräften vor Ort. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazNeue ZDF-Serie: Das Geisterhaus im SchwarzwaldhessenschauTanzen gegen die Einsamkeit: Ein Ort, an dem sich queere Menschen nicht erklären müssenBerliner MorgenpostDie Sehnsucht im Italien der bleiernen Jahre: „Buch der Träume“WDRComing-Out-Days: Queeres Leben auf dem LandAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Frankreich verbietet Dickpics

Hohe Strafen für Penisfotos

Frankreich will ungefragt verschickte Penisfotos unter Strafe stellen. Schon ein einziges Bild könnte künftig 15.000 Euro kosten, auch bei Dating-Apps
Schuluniformen in Pornos

Verbot in Großbritannien gefordert

In England wird über eine Petition debattiert, die Schuluniformen aus Pornofilmen verbannen und damit Jugendliche vor Sexualisierung schützen soll.
Justin Lui zieht Bilanz

Schwuler Olympionike hört auf

Der offen schwule Volleyball-Olympionike Justin Lui beendet seine Nationalmannschaftskarriere und blickt stolz auf sein Coming-Out zurück.
Coming-Out im Wandel

Schwul sein ohne Versteckspiel

Zwischen Angst und Selbstverständlichkeit: Das Coming-Out schwuler Männer hat sich in 30 Jahren grundlegend verändert.
Krise unter US-Jugendlichen

Queere Jugendliche ohne Zuhause

Junge LGBTIQ+-Menschen in den USA sind mehr als doppelt so häufig von Wohnungslosigkeit betroffen. Experten fordern jetzt bessere Hilfen.
Nackt durch Vice City

GTA 6 zeigt nackten Helden

Ein neuer GTA-6-Leak zeigt Hauptfigur Jason völlig nackt in Vice City. Rockstar bestätigt jetzt Nacktszenen für das kommende Spiel.
Heiratsantrag am Leuchtturm

Schwule Volleyballstars sagen Ja

Die schwulen Beachvolleyballer Tim Brewster und Kyle Friend haben sich verlobt. Der Heiratsantrag fand an einem Leuchtturm in Maine statt.
Gen Z altert schneller

Studie zeigt beschleunigtes Altern

Neue Studien deuten darauf hin, dass die queer-affine Gen-Z biologisch schneller altert. Die Hintergründe dafür sind noch nicht final erklärt.
Proteste gegen Harry Potter

Aktion gegen Lichter-Show in London

Aktivisten fordern ein Verbot der Harry-Potter-Weihnachtsbeleuchtung in London. Grund ist die Kritik an J. K. Rowlings Haltung zu trans* Rechten.