Attacken bei World Pride LGBTIQ+-Feindlichkeit nimmt zu, Sicherheitsmaßnahmen verschärft
Während Amsterdam zum Start der World Pride mit Regenbogenflaggen geschmückt ist, wird die internationale Feier der LGBTIQ+-Community von zahlreichen Meldungen über Diskriminierung und gewalttätigen Angriffen überschattet. Seit Beginn der Veranstaltungen am vergangenen Eröffnungswochenende wurden bereits mehr als 70 Anti-LGBTIQ+-Vorfälle registriert.
Das Wichtigste im Überblick
- Während des Eröffnungswochenendes der World Pride in Amsterdam wurden mehr als 70 Anti-LGBTIQ+-Vorfälle gemeldet.
- Die Meldungen stammen von der Stiftung RITA Community, einer Anlaufstelle für Diskriminierung und Angriffe gegen LGBTIQ+-Menschen.
- Viele Vorfälle ereigneten sich im öffentlichen Nahverkehr auf dem Weg zu Pride-Veranstaltungen.
- RITA Community warnt, dass die gemeldeten Fälle möglicherweise nur einen Bruchteil des tatsächlichen Ausmaßes darstellen.
- Die Organisation ruft dazu auf, Diskriminierung, Angriffe und Belästigungen zu melden.
Viele Vorfälle bei Pride-Festival
Die Meldungen wurden von der Stiftung RITA Community erfasst. Die Organisation ist eine gemeinsame Initiative der Stadt Amsterdam und von discriminatie.nl und fungiert als zentrale Anlaufstelle für LGBTIQ+-Menschen, die Diskriminierung und homophobe Angriffe erfahren. Nach Angaben der Stiftung liegt die Zahl der gemeldeten Vorfälle deutlich über dem üblichen Aufkommen von „wenigen pro Tag“. Dies deute auf eine deutliche Zunahme von Anfeindungen während der Pride-Veranstaltungen hin.
Nach Auswertung der Meldungen zeigt sich laut RITA Community ein wiederkehrendes Muster: Ein großer Teil der Vorfälle ereignete sich in öffentlichen Verkehrsmitteln. Betroffene wurden demnach häufig auf dem Weg zu oder von größeren Veranstaltungen wie dem Milkshake Festival im Westerpark oder dem Pride Walk in der Innenstadt angegriffen oder belästigt. Die Vorfälle beschränkten sich nicht ausschließlich auf Amsterdam. Auch an Bahnhöfen in anderen Regionen der Niederlande wurden Zwischenfälle gemeldet, während Menschen zur Teilnahme an den Veranstaltungen in die Hauptstadt reisten.
Warnung vor größerem Ausmaß
RITA Community erklärte, die erhöhte Sichtbarkeit während der Pride könne dazu beitragen, dass mehr Menschen den Mut hätten, Vorfälle zu melden. Gleichzeitig äußerte die Organisation die Befürchtung, dass die bisher gemeldeten Zahlen nur einen Teil der tatsächlichen Fälle widerspiegeln. Nach Angaben der Stiftung stellen die mehr als 70 Meldungen „nur einen Bruchteil der tatsächlichen“ Zahl der Vorfälle dar. Damit könnte das tatsächliche Ausmaß von Diskriminierung, Belästigung und gewalttätigen Attacken deutlich größer sein, da viele Betroffene Vorfälle nicht offiziell melden. Den Eindruck bestärken auch aktuelle Studien wie beispielsweise von der EU-Grundwerteagentur, demnach nur zehn Prozent aller Fälle von Hasskriminalität gegen LGBTIQ+ überhaupt gemeldet und damit auch publik werden.
Sicherheit bleibt Herausforderung
Die Meldungen verdeutlichen nach Einschätzung der Organisation, dass die LGBTIQ+-Community weiterhin mit Sicherheitsproblemen konfrontiert ist – auch während einer Zeit, die eigentlich von Sichtbarkeit, Begegnung und gemeinsamen Feiern geprägt sein soll. RITA Community ruft dazu auf, jede Form von Diskriminierung, Angriffen und Belästigung zu melden, damit Vorfälle dokumentiert und bearbeitet werden können. Die Erfassung soll dazu beitragen, ein genaueres Bild der Situation zu erhalten und angemessen reagieren zu können. Die niederländische Polizei hat derweil ihr Sicherheitskonzept nach der Amokfahrt beim CSD in Berlin am vergangenen Wochenende angepasst und ist mit verstärkten Einsatzkräften vor Ort.