Lehrer kämpfen für Schutz Besondere US-Initiative gegen Unwissenheit im US-Schulwesen
Eine Lehrerin an einer Mittelschule im US-Bundesstaat Ohio hat eine Bildungsinitiative ins Leben gerufen, nachdem sie festgestellt hatte, dass viele ihrer Kolleginnen und Kollegen die neuen gesetzlichen Einschränkungen für LGBTIQ+-Schüler nicht kannten. Inzwischen hat die Kampagne landesweit für Schlagzeilen gesorgt und könnte andere Lehrkräfte in anderen Bundesstaaten zu ähnlichen Projekten animieren.
Das Wichtigste im Überblick
- Eine Lehrerin aus Ohio hat eine Initiative zur Aufklärung von Pädagogen über LGBTIQ+-Gesetze gestartet.
- Hintergrund sind neue Regelungen, die Rechte queerer Schüler einschränken.
- Besonders umstritten ist ein Gesetz, das Schulen zum Outing von LGBTIQ+-Schülern gegenüber Eltern verpflichtet.
- Die Initiative soll Lehrkräfte informieren und Schutzmaßnahmen an Schulen fördern.
- Ohio gehört laut einer Analyse zu den US-Bundesstaaten mit stark eingeschränkten LGBTIQ+-Rechten.
Lehrerin startet Initiative
Erica Putro befürchtete, dass fehlendes Wissen Lehrkräfte daran hindern könnte, queere Schülerinnen und Schüler zu unterstützen und zu schützen. Gemeinsam mit der LGBTIQ+-Organisation Mahoning Valley Queer Action (MVQA) gründete sie deshalb die Initiative „Honesty for Mahoning Valley Education“. Das Projekt soll Pädagogen darüber informieren, welche Auswirkungen LGBTIQ+-feindliche Gesetze auf Schüler haben. Gleichzeitig sollen Lehrer ermutigt werden, sich bei Schulbehörden für Schutzregelungen einzusetzen. „Wir sollen sicherstellen, dass Kinder gesund, sicher, unterstützt, gefordert und eingebunden sind“, so Putro. „Man kann nicht sicherstellen, dass Kinder gesund und sicher sind, wenn wir eine extremistische Ideologie willkommen heißen.“
Streit um Outing-Pflicht
Besonders kritisch sieht Putro die sogenannte „Parents’ Bill of Rights“ in Ohio. Das Gesetz trat im April 2025 in Kraft und verpflichtet Schulen unter anderem dazu, LGBTIQ+-Schüler gegenüber ihren Eltern offenzulegen. Außerdem erlaubt die Regelung Eltern, ihre Kinder von bestimmten Unterrichtsinhalten zu „Sexualität“ abzumelden. Dazu zählen laut Gesetz „jede mündliche oder schriftliche Unterweisung, Präsentation, Darstellung oder Beschreibung sexueller Konzepte oder von Gender-Ideologie in einem Unterrichtsumfeld“.
Ausnahmen gelten unter anderem für Themen wie sexuell übertragbare Krankheiten und Missbrauch. Für die Klassen drei und darunter gilt ein vollständiges Verbot solcher Inhalte. In höheren Klassen müssen Eltern die Materialien prüfen können. Zudem müssen Schulen über „jede wesentliche Änderung“ bei Schülerdiensten informieren. Dazu zählt auch eine Änderung der Geschlechtsidentität innerhalb des Schulsystems. Putro berichtete, sie habe ein Mitglied der Schulbehörde auf eine neue gesetzliche Regelung angesprochen. Die Person habe daraufhin erklärt, sie wisse nicht, wovon Putro spreche.
Weitere Treffen geplant
Im Juli organisierte „Honesty for Mahoning Valley Education“ auch eine Podiumsdiskussion mit der LGBTIQ+-Schülerorganisation Glisten. Nach Angaben von Putro war die Veranstaltung zwar klein, die Teilnehmer hätten sich jedoch intensiv eingebracht. Ein weiteres öffentliches Treffen ist für diese Woche geplant. Nach Angaben des Movement Advancement Project erreicht Ohio bei der Bewertung der LGBTIQ+-Rechte gerade einmal 1,75 von 49 Punkten. Bei Rechten im Zusammenhang mit Geschlechtsidentität liegt der Bundesstaat bei minus 3 von 26 Punkten. Ohio verbietet trans* Personen unter anderem die Nutzung öffentlicher Toiletten entsprechend ihrer Geschlechtsidentität und legt die rechtliche Definition von Geschlecht auf Grundlage des biologischen Geschlechts fest. Zudem dürfen trans* Jugendliche nicht entsprechend ihrer Geschlechtsidentität an Sportwettbewerben teilnehmen. Bestimmte medizinische Versorgungsangebote für trans* Jugendliche sind ebenfalls untersagt.