Stefan Evers warnt vor Hass CDU-Kandidat bezieht Stellung zur Hassgewalt in Berlin
Der designierte schwule CDU-Spitzenkandidat für die Berliner Abgeordnetenhauswahl, Stefan Evers (46), hat angesichts von Anfeindungen gegen homosexuelle und queere Menschen ein entschiedeneres Vorgehen gegen Hassgewalt verlangt. Zugleich berichtete der offen schwul lebende Politiker von eigenen belastenden Erlebnissen im Alltag.
Das Wichtigste im Überblick
- Stefan Evers schildert eigene Erfahrungen mit Anfeindungen als offen schwuler Mann.
- Der CDU-Politiker fordert ein konsequenteres Vorgehen gegen Hasskriminalität.
- Er sieht auch kulturelle und religiös-fundamentalistische Ursachen für Vorurteile und Übergriffe.
- Evers verweist auf eine Studie zum Rechtsverständnis unter muslimischen Schülern.
- Der Berliner CDU-Landesvorstand hat ihn als Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl nominiert.
Kampf gegen Hassgewalt
Mit Blick auf die massive Zunahme von Hasskriminalität gegenüber LGBTIQ+- Menschen in Berlin erklärte der CDU-Politiker: „Ich finde Hassgewalt in jeder Form unerträglich. Jeder in dieser Stadt, ganz gleich woher er kommt, ganz egal, was er glaubt, ganz egal, wen er liebt, soll sich hier sicher und frei bewegen können. Wenn ein schwules Paar sich im Nollendorf-Kiez nicht sicher fühlen kann, dann dürfen wir nicht untätig bleiben. Wenn sich jüdische Menschen mit einer Kippa nicht sicher durch Neukölln bewegen können, haben wir noch viel zu tun. Und man muss sich dabei auch trauen, dorthin zu gehen, wo es weh tut.“
Nach Ansicht von Evers müssten die Ursachen solcher Übergriffe konsequent bekämpft werden. „Wir müssen die Ursachen konsequent an der Wurzel bekämpfen. Vielfach stehen kulturelle Hintergründe oder religiös-fundamentalistische Strukturen hinter Vorurteilen und Übergriffen. Also müssen wir die Wortführer und Autoritäten zur Verantwortung ziehen. Zuletzt hat eine Studie der Bildungsverwaltung festgestellt, dass für fast 30 Prozent der muslimischen Schüler die Scharia das geltende Recht ist und nicht das Grundgesetz. Da geht es los.“
Händchenhaltend in der U7
Weiter sagte Evers: „Wir dürfen nicht Ruhe geben, bis auch dem Letzten klar ist, dass man sich in diesem Land an unsere Regeln zu halten hat. Dazu zählt auch ganz klar die Anerkennung der Freiheit jedes Einzelnen.“ Auf die Frage nach persönlichen Erfahrungen mit Bedrohungen erklärte der CDU-Politiker gegenüber dem Tagesspiegel: „Durchaus. Wenn man händchenhaltend in der U7 unterwegs ist, kann es sehr unangenehme Situationen geben. Und solange das so ist, dürfen wir im Kampf für Respekt und Vielfalt nicht nachlassen.“ Auf die Frage, ob sein Ehemann künftig in der Öffentlichkeit auch weiterhin keine Rolle spielen werde, antwortete Evers knapp: „Genau das heißt es.“
Der Berliner CDU-Landesvorstand hat Stefan Evers als Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September nominiert. Zuvor hatten die Kreisvorsitzenden der Partei den Finanzsenator für diese Aufgabe vorgeschlagen. Die Entscheidung fiel, nachdem der Regierende Bürgermeister Kai Wegner seinen Verzicht auf die Spitzenkandidatur erklärt hatte. Vorausgegangen waren monatelange Diskussionen über widersprüchliche und falsche Angaben zu seinem Krisenmanagement während des mehrtägigen Stromausfalls in Berlin im Januar. Zuletzt hatte Wegner auch innerhalb der Berliner CDU an Rückhalt verloren.