Schwule Badehäuser in New York Neues Gesetz will Verbot aus Aids-Zeit endlich beenden
Mehr als 40 Jahre nach der Schließung von schwulen Erwachsenen-Saunen während der Hochphase der Aids-Epidemie wollen Politiker im US-Bundesstaat New York die damalige Regelung abschaffen. Statt eines Verbots soll ein modernes System mit Zulassung und Kontrolle entstehen, das sich an den heutigen Erkenntnissen der Gesundheitswissenschaft orientiert.
Das Wichtigste im Überblick
- Ein neuer Gesetzentwurf im Bundesstaat New York will das Verbot von schwulen Erwachsenen-Saunen aufheben.
- Die Regelungen stammen aus der Zeit der Aids-Krise der 1980er Jahre und sollen durch ein modernes Kontrollsystem ersetzt werden.
- Befürworter verweisen auf heutige HIV-Prävention wie PrEP, Tests und Therapien.
- Gesundheitsbehörden sollen künftig Zulassung und Sicherheitsstandards für solche Einrichtungen entwickeln.
Rückkehr von Badehäusern
Der demokratische Staatssenator Erik Bottcher aus Manhattan und der Abgeordnete Tony Simone haben in dieser Woche den „Public Health Modernization Act“ vorgestellt. Der Gesetzentwurf sieht vor, die seit 1985 geltenden Vorschriften aufzuheben, die schwule Erwachsenen-Saunen – häufig auch als Badehäuser bezeichnet – praktisch untersagen. Nach dem Vorschlag soll das Gesundheitsministerium des Bundesstaates ein Lizenz- und Aufsichtssystem für den Betrieb solcher Einrichtungen entwickeln.
Für Bottcher steht dabei weniger die Wiederbelebung einer bestimmten Geschäftsform im Mittelpunkt als die veränderte Situation bei HIV-Prävention und Behandlung. „Die Wissenschaft hat sich verändert. Die Prävention hat sich verändert. Unsere Gesetze müssen Schritt halten, wenn sich die Fakten vor Ort ändern“, sagte Bottcher. „Diese Einschränkungen wurden während eines außergewöhnlichen Gesundheitsnotstands beschlossen, aber Notfallmaßnahmen sollten nicht automatisch zu dauerhaften politischen Maßnahmen werden.“
Vorschriften aus einer anderen Zeit
Die Regelungen wurden 1985 eingeführt, als über die Übertragung von HIV noch deutlich weniger bekannt war. Damals gab es weder moderne antiretrovirale Therapien noch regelmäßige HIV-Tests, PrEP oder andere Präventionsmöglichkeiten, die heute eine zentrale Rolle im Umgang mit dem Virus spielen. Ein Jahr später nutzte New York City diese staatlichen Vorgaben, um Badehäuser in der Stadt zu schließen. Die Einrichtungen hatten zuvor auch als soziale Treffpunkte innerhalb der schwulen Gemeinschaft gedient.
Bottcher sieht New York inzwischen als Ausnahme im Vergleich zu anderen Großstädten. „New York ist einzigartig unter den großen Städten, weil es diese Einrichtungen nicht erlaubt“, sagte er. „Das ergibt einfach keinen Sinn mehr.“ Der Vorstoß fällt in eine Phase, in der mehrere Städte frühere Regelungen aus der Anfangszeit der Aids-Epidemie neu bewerten. Minneapolis will auch ein 38 Jahre bestehendes Verbot aufheben. Die Stadt San Francisco erlaubt Badehäuser inzwischen unter Vorgaben des Gesundheitsschutzes statt durch ein vollständiges Verbot.
Kontrolle statt Verbot
Anhänger des Gesetzes argumentieren, dass regulierte Einrichtungen den Gesundheitsbehörden bessere Möglichkeiten bieten würden, Prävention anzubieten. Diese Möglichkeiten seien eingeschränkt, wenn sexuelle Aktivitäten in informelle oder nicht kontrollierte Bereiche verlagert würden. „Die Annahme in den 1980er Jahren war, dass die Schließung von Badehäusern die HIV-Übertragung reduzieren würde“, sagte Bottcher. „Wir leben in einer völlig anderen Situation im Bereich der öffentlichen Gesundheit heute. Wir haben PrEP, Tests direkt vor Ort, regelmäßige HIV-Untersuchungen und Behandlung, die grundlegend verändert haben, wie wir HIV verhindern. Andere Städte haben diese Realität erkannt, und New York sollte das ebenfalls tun.“
Der Gesetzentwurf schreibt keine konkreten Betriebsabläufe vor. Stattdessen soll das Gesundheitsministerium des Bundesstaates entsprechende Regeln entwickeln. Sollte die Initiative verabschiedet werden, hätte die Behörde 180 Tage Zeit, Vorschriften für Zulassung und Betrieb von Erwachsenen-Saunen festzulegen. Bottcher zufolge soll das Ministerium dabei mit Fachleuten aus dem Gesundheitsbereich zusammenarbeiten und sich an erfolgreichen Modellen anderer Regionen orientieren.
Unterstützung aus der Community
Befürworter des Vorhabens betonen außerdem, dass ein reguliertes System regelmäßige Kontrollen, eine bessere Gesundheitsüberwachung und einen leichteren Zugang zu Präventionsangeboten ermöglichen könne. Nach Angaben Bottchers wird der Gesetzentwurf bereits von zahlreichen LGBTIQ+-Organisationen und Interessenvertretungen unterstützt. Diese hätten seit Jahren kritisiert, dass das jahrzehntealte Verbot auf einem veralteten Verständnis von HIV beruhe und nicht die heutigen medizinischen Erkenntnisse widerspiegele. „Es geht darum anzuerkennen, dass unsere Gesundheitspolitik auf der heutigen Wissenschaft beruhen sollte, nicht auf den Ängsten von gestern“, sagte Bottcher.