Doppelmord in Italien Homophobie bleibt Thema, Ermittlungen gehen weiter
Nach dem Doppelmord im italienischen Pieve di Camaiore in der Toskana haben die Ermittler weitere Details zu den Hintergründen der Tat bekanntgegeben. Demnach gehen sie derzeit davon aus, dass die Homophobie des mutmaßlichen Täters zwar Teil des familiären Konflikts gewesen sei, nach den bisherigen Erkenntnissen jedoch nicht den unmittelbaren Auslöser der Tat dargestellt habe.
Das Wichtigste im Überblick
- Die Ermittler sehen Homophobie derzeit nicht als unmittelbaren Auslöser des Doppelmords von Camaiore.
- Nach Angaben der Carabinieri könnte sie jedoch eine Mitursache gewesen sein.
- Der Vater soll seine Ehefrau und seinen Sohn mit einem Jagdgewehr erschossen und die Waffe nach den ersten Schüssen erneut geladen haben.
- Bei den Ermittlungen wurde zudem eine geringe Menge Kokain in der Handyhülle des getöteten Sohnes gefunden.
- Mirko Moriconi hatte bereits vor der Tat öffentlich über die Ablehnung seiner Homosexualität durch seinen Vater berichtet.
Grausame Tat in der Toskana
Bei dem Verbrechen waren die 52-jährige Kety Andreoni und ihr 24-jähriger Sohn Mirko Moriconi in ihrem Wohnhaus mit Schüssen aus einem Jagdgewehr getötet worden. Festgenommen wurde Piero Moriconi (63), Ehemann der Getöteten und Vater des jungen Mannes. Unmittelbar nach der Tat war insbesondere die Beziehung zwischen Vater und Sohn in den Fokus gerückt. Mirko Moriconi hatte in sozialen Netzwerken öffentlich geschildert, dass sein Vater seine Homosexualität nicht akzeptiere. In einem Beitrag schrieb er: „Es ist schlimm zu denken, dass ein Vater dich lieber tot als schwul sehen würde.“
Nach Angaben des Provinzkommandeurs der Carabinieri von Lucca, Michele Lastella, sprechen die bisherigen Ermittlungen jedoch gegen ein ausschließlich homophobes Tatmotiv. Die homophobe Haltung des Vaters sei „unbestreitbar vorhanden“ gewesen und habe „im besonders komplexen familiären Umfeld eine Rolle gespielt“. Nach den ersten Ermittlungsergebnissen gebe es jedoch einen anderen unmittelbaren Auslöser für die Tat. „Sie kann eine Mitursache darstellen, nicht aber den auslösenden Grund“, so Lastella. Die Ermittler betonten damit, dass die Tat nicht auf ein einziges Motiv reduziert werden könne. Gleichzeitig schließen sie die dokumentierte Homophobie innerhalb der Familie ausdrücklich nicht aus der Rekonstruktion der Ereignisse aus.
Fünf Schüsse auf Ehefrau und Sohn
Neue Erkenntnisse gibt es auch zum Ablauf des Verbrechens. Tatwaffe soll ein ordnungsgemäß registriertes Jagdgewehr des Kalibers 12 gewesen sein, das Piero Moriconi gehörte. Demnach wurden insgesamt fünf Schüsse abgegeben. Nach derzeitigem Ermittlungsstand sollen drei Schüsse Kety Andreoni und zwei Schüsse Mirko Moriconi getroffen haben. Eine abschließende Rekonstruktion liegt jedoch noch nicht vor. Besonders bedeutsam ist nach Angaben der Ermittler, dass der Tatverdächtige das Gewehr nach den ersten Schüssen erneut geladen haben soll.
„Ich kann das bestätigen. Der Festgenommene hat das Gewehr nach den ersten Schüssen erneut geladen und anschließend weitergeschossen, um beide Opfer zu töten“, so Lastella. Darüber hinaus teilten die Ermittler mit, bei der Durchsuchung eine geringe Menge Kokain in der Handyhülle des getöteten Mirko Moriconi gefunden zu haben. Nach Angaben Lastellas habe der Beschuldigte gegenüber den Ermittlern von „einer sehr komplexen Situation im Zusammenhang mit der Drogenabhängigkeit des Sohnes“ gesprochen. Erste Ermittlungsergebnisse hätten entsprechende Hinweise ergeben. „Wir haben eine Dosis Kokain gefunden und sichergestellt – zumindest ergab das der durchgeführte Schnelltest –, versteckt in der Handyhülle des getöteten Sohnes“, erklärte Lastella.
Weitere Erkenntnisse der Ermittler
Die Ermittler weisen jedoch darauf hin, dass dieser Fund zwar für die Rekonstruktion des familiären Umfelds relevant sein könne, derzeit aber auch keine eigenständige Erklärung für die Tat darstelle. Nach der Tat wurde zudem bekannt, dass Mirko Moriconi sich an das trans* Beratungszentrum im italienischen Torre del Lago gewandt hatte, um sich über einen möglichen Weg der Geschlechtsangleichung beraten zu lassen. Nach Angaben der Polizei erlaubt dies jedoch keine Rückschlüsse auf eine nicht bestätigte Geschlechtsidentität, der junge Mann definierte sich offiziell bis zuletzt als schwul.
Auch Kety Andreoni bleibt im Mittelpunkt der Ermittlungen. Nach bisherigen Erkenntnissen soll sie ihren Sohn nach dessen Coming-Out unterstützt und ihm in den familiären Konflikten beigestanden haben. Sollte sich dies bestätigen, wäre dies ein weiterer Baustein für die Rekonstruktion der familiären Situation vor dem Doppelmord. Die strafrechtlichen Ermittlungen zu den Hintergründen und dem genauen Tatablauf dauern an.