Direkt zum Inhalt
Debatte über Grundgesetzergänzung
ANZEIGE

Debatte Grundgesetzergänzung Saar-Landtag fordert mehr Diskriminierungsschutz für LGBTIQ+

ms - 30.06.2026 - 09:00 Uhr
Loading audio player...

Mit den Stimmen von SPD und CDU hat der saarländische Landtag einen Antrag verabschiedet, der die Aufnahme des Merkmals „sexuelle Identität“ in Artikel 3 des Grundgesetzes unterstützt. Die AfD votierte gegen die Initiative. 

Das Wichtigste im Überblick:

  • Saar-Landtag befürwortet die Aufnahme der „sexuellen Identität“ in Artikel 3 des Grundgesetzes.
  • SPD und CDU stimmen dem Antrag gemeinsam zu, die AfD lehnt ihn ab.
  • Der LSVD+ Saarland wertet die Entscheidung als starkes Signal gegen Diskriminierung.
  • Der Verband fordert nun Fortschritte auf Bundesebene und Unterstützung für den bereits vorliegenden Gesetzentwurf.
  • Für eine Änderung des Grundgesetzes ist im Bundestag eine Zweidrittelmehrheit erforderlich.

Klares Bekenntnis für LGBTIQ+

Der LSVD+ Verband Queere Vielfalt Saarland wertete das Abstimmungsergebnis als klares Bekenntnis zu einem stärkeren Schutz vor Diskriminierung auf verfassungsrechtlicher Ebene. Aus Sicht des Verbandes macht das gemeinsame Vorgehen von SPD und CDU deutlich, dass der Schutz queerer Menschen parteiübergreifend Rückhalt findet. Nach Auffassung des LSVD+ sollte der Beschluss des Landtags nun auch auf Bundesebene konkrete Konsequenzen haben. 

Der Verband verweist darauf, dass ein entsprechender Gesetzentwurf bereits seit Herbst 2025 im Bundestag eingebracht worden sei, bislang jedoch noch nicht weiter beraten werde. Zusätzliche Unterstützung erhielt die Forderung zuletzt beim Christopher Street Day SaarLorLux Ende Mai in Saarbrücken. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich rund 12.000 Menschen an der Demonstration für die Aufnahme der sexuellen Identität in das Grundgesetz.

Stärkung der Berliner Initiative 

Auch Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) sprach sich im Rahmen der Veranstaltung für eine entsprechende Änderung des Grundgesetzes aus. Zugleich kündigte sie an, sich für die notwendige Mehrheit im Bundestag einzusetzen. Der LSVD+ richtet seinen Appell daher nun insbesondere an die CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Diese solle den bereits vorliegenden Gesetzentwurf unterstützen und damit den Weg für eine Verfassungsänderung ebnen.

Nach Einschätzung des Verbandes würde die ausdrückliche Aufnahme der sexuellen Identität in Artikel 3 einen langfristigen und verlässlichen Schutz vor Diskriminierung gewährleisten, der unabhängig von wechselnden politischen Mehrheiten Bestand hätte. Das Saarland schließt sich damit inhaltlich einer Initiative aus Berlin an, auch Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen unterstützen das Vorhaben. Für eine Änderung des Grundgesetzes ist allerdings sowohl im Bundestag wie im Bundesrat eine Zweidrittelmehrheit erforderlich, die nach aktueller politischer Lage als äußerst unwahrscheinlich gilt. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Ein Jahr ohne Helpline

LGBTIQ+-Jugendliche in den USA

Ein Jahr nach dem Ende der US-Krisenhilfe für LGBTIQ-Jugendliche bleibt die Zukunft des Angebots unklar – Experten warnen vor Risiken.
Flucht vor Putins Armee

Homosexuelle Russen in Angst

Russische Deserteure und homosexuelle Menschen fürchten bei einer Rückkehr Verfolgung. Deutschland bietet dabei derzeit nur begrenzten Schutz.
China verschärft Kontrollen

Druck auf Aktivisten wächst

In China werden queere Organisationen und Veranstaltungen zunehmend eingeschränkt. Menschenrechtler warnen vor wachsender Repression.
Anstieg bei Missbrauchsfällen

Immer mehr Taten im Internet

Das BKA warnt vor hohen Missbrauchszahlen bei Jugendlichen und neuen Gefahren durch digitale Tatformen und Künstliche Intelligenz.
Gay-Cruise in Italien

Palermo bereitet Sonderempfang

Nach Absagen in der Türkei und Ägypten legte eine Gay-Kreuzfahrtschiff nun in Palermo an, die Stadt setzt dabei ein starkes Zeichen gegen Homophobie.
Lesbisches Paar in Uganda

Verfahren überraschend beendet

Uganda hat das Verfahren gegen zwei Frauen nach einem öffentlichen Kuss eingestellt. Das radikale Anti-Homosexuellen-Gsetz bleibt jedoch in Kraft.
Neue Regeln im Tennis

WTA verschärft Vorgaben

Die WTA führt Gentests für Tennis-Spielerinnen ein und schließt trans* Frauen künftig grundsätzlich von Wettbewerben aus.
Bedrohung im Regionalzug

Homophobe Gewaltandrohungen

In einem Regionalzug nach Chemnitz beschimpfte und bedrohte ein Mann homosexuelle Fahrgäste, jetzt ermittelt die Bundespolizei.
Brosius-Gersdorf für Umdenken

Neue Debatte um Leihmutterschaft

Nach Spahns Rücktritt fordert Brosius-Gersdorf die Legalisierung der Leihmutterschaft und kritisiert die Haltung der Union.