Budapest Pride ohne Verbote Neuanfang nach Orbán, Bürgermeister Karácsony führt Pride an
Bei der ersten Budapest Pride seit dem Machtwechsel in Ungarn haben sich am Samstag Zehntausende Menschen an der 31. Ausgabe der LGBTIQ+-Demonstration beteiligt. Die Veranstaltung fand erstmals statt, nachdem der frühere Ministerpräsident Viktor Orbán, dessen Regierung das Jahr zuvor den Pride verbieten hatte lassen, bei der Parlamentswahl im April abgewählt worden war.
Das Wichtigste im Überblick
- Zehntausende Menschen nahmen an der 31. Budapest Pride teil.
- Es war die erste Pride seit der Abwahl des früheren Ministerpräsidenten Viktor Orbán.
- Die Demonstration fand trotz eines unter Orbán eingeführten Verbots statt.
- Die Polizei genehmigte die Veranstaltung und sicherte den Demonstrationszug.
- Teilnehmer verbinden mit der neuen Regierung Hoffnungen auf mehr Rechte für LGBTIQ+-Menschen.
Zehntausende feiern Pride
Die Demonstration begann am Samstagnachmittag bei Temperaturen von mindestens 38 Grad Celsius. Wegen der anhaltenden Hitzewelle stellten die Organisatoren Trinkwasser für die Teilnehmer bereit. Zudem nahm das städtische Wasserwerk entlang der Strecke öffentliche Brunnen in Betrieb. Der Demonstrationszug startete am Budapester Opernhaus und führte durch das Stadtzentrum bis über die Elisabethbrücke über die Donau. Mitglieder der LGBTIQ+-Community sowie zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer zogen tanzend und mit Regenbogenfahnen durch die Straßen.
Die Aktivistin Luca Új, die zum dritten Mal an einer Pride teilnahm, sagte gegenüber NBC News, die Atmosphäre habe sich seit dem Regierungswechsel spürbar verändert. Während der 16-jährigen Amtszeit Orbáns hatte dessen Regierung zahlreiche Maßnahmen gegen LGBTIQ+-Menschen eingeführt. „Früher herrschte viel Anspannung. Aber jetzt wirken die Menschen irgendwie glücklicher, und es sind auch mehr ältere Leute dabei“, sagte sie. Die diesjährige Veranstaltung fand etwas mehr als ein Jahr nach einem Gesetz und einer Verfassungsänderung statt, mit denen die damalige nationalkonservative Regierung Orbán den Pride verbieten hatte lassen. Das Vorgehen hatte Kritik von Menschenrechtsorganisationen sowie Politikern aus der Europäischen Union ausgelöst.
Hoffnung auf mehr Rechte
Bereits im vergangenen Jahr hatten sich die Veranstalter über das Verbot hinweggesetzt, maßgeblich unterstützt von Budapests Bürgermeister Gergely Karácsony, der daraufhin angeklagt worden war – erst vor kurzem Anfang Juni wurde das Verfahren eingestellt. Sichtlich stolz führte Karácsony nun in diesem Jahr erneut den Pride-Zug an. Im letzten Jahr waren trotz des Verbots rund 200.000 Menschen zum Pride, 2026 belaufen sich die Schätzungen auf rund 100.000 Teilnehmer.
Nachdem der mitte-rechts orientierte Péter Magyar mit seiner Tisza-Partei bei den letzten Wahlen deutlich gegen Orbán gewonnen hatte, machte sich auch in der Community vorsichtig etwas Hoffnung breit. Aktivist Kristóf Györgyi betonte dazu gegenüber NBC: „Allein die Tatsache, dass im Parlament inzwischen darüber diskutiert wird, ob ein verwaistes Kind besser bei einem gleichgeschlechtlichen Paar oder in einem Waisenhaus aufgehoben ist, ist ein positives Zeichen. Natürlich haben sich die Gesetze noch nicht geändert, aber für unsere Community gibt es bereits viele hoffnungsvolle Signale.“
Kurswechsel bei LGBTIQ+?
Bislang hat Magyar allerdings keine konkreten Maßnahmen angekündigt, um Gesetze aus der Regierungszeit Orbáns zurückzunehmen. Auf entsprechende Fragen ungarischer Medien bat er um Geduld. Auf die Frage, ob seine Regierung die Ehe oder Adoption für gleichgeschlechtliche Paare zulassen werde, sagte Magyar Anfang des Monats: „Wir haben deutlich gemacht, dass aus unserer Sicht jeder frei ist, den Menschen zu lieben, den er möchte, und mit dem Menschen zusammenzuleben, mit dem er möchte – solange dabei keine Gesetze verletzt werden. Wenn der Wunsch besteht, über solche gesellschaftlich und politisch sensiblen Themen zu diskutieren, sind wir dafür offen.“
Rémy Bonny, Geschäftsführer der LGBTIQ+-Organisation Forbidden Colours, erklärte: „Es ist ein historischer Moment, dass die Budapest Pride wieder legal stattfinden kann. Es zeigt, dass Veränderungen möglich sind, wenn sich Bürger, Aktivisten und europäische Institutionen weiterhin gegen Diskriminierung und den Abbau demokratischer Standards zur Wehr setzen. Doch das Erbe Viktor Orbáns ist nicht über Nacht verschwunden. In Ungarn gelten nach wie vor Gesetze, die gegen LGBTIQ+-Personen gerichtet sind, Menschen stigmatisieren und Grundrechte einschränken. Premierminister Magyar hat nun die Gelegenheit, entschlossen mit diesem System zu brechen und Ungarn wieder vollständig mit den europäischen Werten von Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde in Einklang zu bringen.“