Direkt zum Inhalt

Budapest Pride ohne Verbote Neuanfang nach Orbán, Bürgermeister Karácsony führt Pride an

Von ms - 29.06.2026 - 09:00 Uhr
Budapest Pride ohne Verbote
Foto: IMAGO / ZUMA Press
ANZEIGE
Loading audio player...

Bei der ersten Budapest Pride seit dem Machtwechsel in Ungarn haben sich am Samstag Zehntausende Menschen an der 31. Ausgabe der LGBTIQ+-Demonstration beteiligt. Die Veranstaltung fand erstmals statt, nachdem der frühere Ministerpräsident Viktor Orbán, dessen Regierung das Jahr zuvor den Pride verbieten hatte lassen, bei der Parlamentswahl im April abgewählt worden war.

Das Wichtigste im Überblick

  • Zehntausende Menschen nahmen an der 31. Budapest Pride teil.
  • Es war die erste Pride seit der Abwahl des früheren Ministerpräsidenten Viktor Orbán.
  • Die Demonstration fand trotz eines unter Orbán eingeführten Verbots statt.
  • Die Polizei genehmigte die Veranstaltung und sicherte den Demonstrationszug.
  • Teilnehmer verbinden mit der neuen Regierung Hoffnungen auf mehr Rechte für LGBTIQ+-Menschen.

Zehntausende feiern Pride

Die Demonstration begann am Samstagnachmittag bei Temperaturen von mindestens 38 Grad Celsius. Wegen der anhaltenden Hitzewelle stellten die Organisatoren Trinkwasser für die Teilnehmer bereit. Zudem nahm das städtische Wasserwerk entlang der Strecke öffentliche Brunnen in Betrieb. Der Demonstrationszug startete am Budapester Opernhaus und führte durch das Stadtzentrum bis über die Elisabethbrücke über die Donau. Mitglieder der LGBTIQ+-Community sowie zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer zogen tanzend und mit Regenbogenfahnen durch die Straßen.

Die Aktivistin Luca Új, die zum dritten Mal an einer Pride teilnahm, sagte gegenüber NBC News, die Atmosphäre habe sich seit dem Regierungswechsel spürbar verändert. Während der 16-jährigen Amtszeit Orbáns hatte dessen Regierung zahlreiche Maßnahmen gegen LGBTIQ+-Menschen eingeführt. „Früher herrschte viel Anspannung. Aber jetzt wirken die Menschen irgendwie glücklicher, und es sind auch mehr ältere Leute dabei“, sagte sie. Die diesjährige Veranstaltung fand etwas mehr als ein Jahr nach einem Gesetz und einer Verfassungsänderung statt, mit denen die damalige nationalkonservative Regierung Orbán den Pride verbieten hatte lassen. Das Vorgehen hatte Kritik von Menschenrechtsorganisationen sowie Politikern aus der Europäischen Union ausgelöst.

Hoffnung auf mehr Rechte

Bereits im vergangenen Jahr hatten sich die Veranstalter über das Verbot hinweggesetzt, maßgeblich unterstützt von Budapests Bürgermeister Gergely Karácsony, der daraufhin angeklagt worden war – erst vor kurzem Anfang Juni wurde das Verfahren eingestellt. Sichtlich stolz führte Karácsony nun in diesem Jahr erneut den Pride-Zug an. Im letzten Jahr waren trotz des Verbots rund 200.000 Menschen zum Pride, 2026 belaufen sich die Schätzungen auf rund 100.000 Teilnehmer. 

Nachdem der mitte-rechts orientierte Péter Magyar mit seiner Tisza-Partei bei den letzten Wahlen deutlich gegen Orbán gewonnen hatte, machte sich auch in der Community vorsichtig etwas Hoffnung breit. Aktivist Kristóf Györgyi betonte dazu gegenüber NBC: „Allein die Tatsache, dass im Parlament inzwischen darüber diskutiert wird, ob ein verwaistes Kind besser bei einem gleichgeschlechtlichen Paar oder in einem Waisenhaus aufgehoben ist, ist ein positives Zeichen. Natürlich haben sich die Gesetze noch nicht geändert, aber für unsere Community gibt es bereits viele hoffnungsvolle Signale.“ 

Kurswechsel bei LGBTIQ+? 

Bislang hat Magyar allerdings keine konkreten Maßnahmen angekündigt, um Gesetze aus der Regierungszeit Orbáns zurückzunehmen. Auf entsprechende Fragen ungarischer Medien bat er um Geduld. Auf die Frage, ob seine Regierung die Ehe oder Adoption für gleichgeschlechtliche Paare zulassen werde, sagte Magyar Anfang des Monats: „Wir haben deutlich gemacht, dass aus unserer Sicht jeder frei ist, den Menschen zu lieben, den er möchte, und mit dem Menschen zusammenzuleben, mit dem er möchte – solange dabei keine Gesetze verletzt werden. Wenn der Wunsch besteht, über solche gesellschaftlich und politisch sensiblen Themen zu diskutieren, sind wir dafür offen.“ 

Rémy Bonny, Geschäftsführer der LGBTIQ+-Organisation Forbidden Colours, erklärte: „Es ist ein historischer Moment, dass die Budapest Pride wieder legal stattfinden kann. Es zeigt, dass Veränderungen möglich sind, wenn sich Bürger, Aktivisten und europäische Institutionen weiterhin gegen Diskriminierung und den Abbau demokratischer Standards zur Wehr setzen. Doch das Erbe Viktor Orbáns ist nicht über Nacht verschwunden. In Ungarn gelten nach wie vor Gesetze, die gegen LGBTIQ+-Personen gerichtet sind, Menschen stigmatisieren und Grundrechte einschränken. Premierminister Magyar hat nun die Gelegenheit, entschlossen mit diesem System zu brechen und Ungarn wieder vollständig mit den europäischen Werten von Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde in Einklang zu bringen.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazQueerfeindlichkeit unter Jugendlichen: An der ToleranzgrenzeGALAProtest für Transgender-Rechte: Rowling-Agent übt KritikBerliner MorgenpostHomophober Angriff in Berliner U-Bahnhof: Polizei sucht diese MännerNDR"Haltet euch fest": Frischer Roman über die Kraft des ZusammenhaltsAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

177 Jahre nach seinem Tod

Die Debatte um seine Männerlieben

Am 17. Oktober 1849 starb Frédéric Chopin. Seine Briefe an Männer berühren bis heute – und sorgen weiter für Streit in der Forschung.
Teure Ausgrenzung

Japan verschenkt sein Potenzial

Lohneinbußen, Krankheit und fehlende Rechte: Ein neuer Bericht zeigt, welchen Preis Japan für die Ausgrenzung von LGBTIQ+-Menschen zahlt.
Revision nach Vergewaltigung

Trans* Polizistin ficht Hafturteil an

Trotz Geständnis und Verständigung: Maja S. legt Revision ein. Das Urteil aus Traunstein ist noch nicht rechtskräftig. Was jetzt geprüft wird.
Fahndung nach U-Bahn-Angriff

Schläge, Tritte und Beleidigungen

Zwei Männer sollen in Alt-Mariendorf einen 30-Jährigen homophob beleidigt und verletzt haben. Die Polizei veröffentlicht jetzt Fahndungsbilder.
Eine Sekunde für die Liebe

Schwule Männer im Zeitrausch

Die Schaltsekunde wird abgeschafft. Für schwule Männer beginnt damit eine neue Zeitrechnung – zwischen Grindr, Größenwahn und ganz großen Gefühlen.
Homophobie bei der WM

FIFA meldet Rekordzahlen

240.000 Hassnachrichten bei der Fußball-WM 2026: Besonders Frankreichs Nationalspieler wurden im Netz angefeindet, berichtet jetzt die FIFA.
Vom Eis zur Erotik

Ein verborgenes Fotoerbe

Roy Blakey war Eiskunstläufer und ein Pionier schwuler Fotografie. Nun erzählt seine Nichte von seinem außergewöhnlichen Leben und Werk.
Herbst für zwei

Kuscheln statt Sommerstress

Kalte Tage, warme Bäder und lange Abende: Warum der Herbst für schwule Männer die perfekte Zeit für Nähe zu zweit sein kann.
Überraschung bei „Whalefall“

Ein Wal, ein Vater, ein Geheimnis

Im neuen Survival-Thriller „Whalefall“ verändert eine kurze Frage die Vater-Sohn-Geschichte und eröffnet eine mögliche schwule Deutung.