Kampf den Fake News Neue Regularien im Einsatz gegen Angriffe auf die LGBTIQ+?
Die britische Regierung erwägt, soziale Netzwerke dazu zu verpflichten, Inhalte vertrauenswürdiger Nachrichtenquellen stärker hervorzuheben. Das teilte das Kulturministerium in London jetzt mit. Ziel ist es dabei, verstärkt gegen Fake News vorzugehen. Ein Kernanliegen, das im Grundsatz auch queere Verbände in England begrüßen, denn oftmals sind Homosexuelle und queere Menschen Opfer von bösartigen Hass- und Falschnachrichten.
Das Wichtigste im Überblick
- Die britische Regierung erwägt neue Vorgaben für soziale Netzwerke wie Facebook, YouTube und TikTok.
- Inhalte öffentlich-rechtlicher Medien und anderer vertrauenswürdiger Nachrichtenanbieter sollen in Feeds und Suchergebnissen leichter auffindbar werden.
- Ziel der Pläne ist es, Desinformation und Falschinformationen wirksamer zu bekämpfen.
- Die Überlegungen folgen auf die kürzlich angekündigten Einschränkungen für die Nutzung sozialer Medien durch unter 16-Jährige.
- Die Maßnahmen sind Teil einer umfassenden Reform des britischen Medien- und Rundfunksystems.
- Queere Verbände begrüßen im Grundsatz den Schritt, da viele LGBTIQ+-Menschen online Opfer von Fake News werden.
Regierung prüft neue Vorgaben
Die britische Regierung erwägt, soziale Netzwerke dazu zu verpflichten, Inhalte vertrauenswürdiger Nachrichtenquellen stärker hervorzuheben. Das teilte das Kulturministerium in London mit. Betroffen wären Plattformen wie Facebook des Meta-Konzerns, YouTube von Alphabet und TikTok. Inhalte öffentlich-rechtlicher Medien – darunter die BBC, ITV und Channel 4 – sowie weiterer als vertrauenswürdig eingestufter Nachrichtenanbieter könnten künftig in den Feeds und Suchergebnissen der Nutzerinnen und Nutzer leichter auffindbar werden. Die Pläne sind Teil eines umfassenderen Vorhabens der Regierung, die Regulierung sozialer Medien zu verschärfen.
Soziale Medien als Nachrichtenquelle
Nach Daten der britischen Medienaufsicht Ofcom sind soziale Medien inzwischen für die Mehrheit der britischen Erwachsenen sowie für rund drei Viertel der 16- bis 24-Jährigen eine zentrale Nachrichtenquelle. Eine weitere Ofcom-Untersuchung aus dem Jahr 2024 ergab, dass vier von zehn Erwachsenen in Großbritannien innerhalb eines Monats mit Falschinformationen in Berührung gekommen waren. Der Großteil dieser Inhalte wurde online verbreitet.
Kulturministerin Lisa Nandy erklärte: „Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir sicherstellen, dass Menschen einen besseren Zugang zu vertrauenswürdigen und genauen Nachrichten haben und dass unsere regulierten öffentlich-rechtlichen Medien im harten Kampf gegen Fehl- und Desinformation gesehen und gehört werden.“ Nach Ansicht der Regierung könnte eine stärkere Sichtbarkeit regulierter Nachrichtenanbieter insbesondere in Krisensituationen helfen, die Verbreitung von Falschinformationen einzudämmen.
Mögliche Eingriffe in die Ranking-Systeme der Plattformen dürften jedoch auf Widerstand stoßen. Die Betreiber argumentieren häufig, dass solche Regelungen die Wahlfreiheit der Nutzerinnen und Nutzer einschränken und andere Inhalteanbieter benachteiligen könnten. Die Unternehmen X, Meta, TikTok und YouTube reagierten zunächst nicht auf Anfragen von Reuters.
Teil einer größeren Medienreform
Die Vorschläge sind Bestandteil einer umfassenden Reform des britischen öffentlich-rechtlichen Mediensystems. Die Regierung will Sender dabei unterstützen, sich im Wettbewerb mit Streamingdiensten und angesichts veränderter Sehgewohnheiten besser zu behaupten. Darüber hinaus prüfen die Ministerien, den Status öffentlich-rechtlicher Medien auch auf reine Online-Anbieter auszuweiten. Zudem wird über einen erweiterten Schutz frei empfangbarer Übertragungen großer Sportereignisse für Abrufangebote nachgedacht. Außerdem soll beraten werden, ob Großbritannien ab 2034 oder 2044 schrittweise auf internetbasiertes Fernsehen umstellt. Die Überlegungen kommen nur eine Woche nach der Ankündigung der britischen Regierung, die Nutzung der meisten sozialen Netzwerke für unter 16-Jährige zu verbieten. Damit verfolgt London einen deutlich strengeren Kurs bei der Regulierung digitaler Plattformen.
Fake News und LGBTIQ+
Queere Menschen sind besonders häufig Ziel von Falschinformationen, weil LGBTIQ+-Themen immer wieder politisch instrumentalisiert werden. Über soziale Netzwerke verbreiten sich gezielt irreführende Behauptungen über sexuelle Orientierung, geschlechtliche Identität oder queere Bildungsangebote oft sehr schnell und erreichen ein großes Publikum. Zudem suchen viele queere Jugendliche online nach Informationen, Vorbildern und Gemeinschaften, weil sie diese im direkten Umfeld nicht immer finden. Gerade deshalb können Fake News, Desinformation und hetzerische Inhalte erheblichen Schaden anrichten, Vorurteile verstärken und zur Verunsicherung oder Ausgrenzung von LGBTIQ+-Menschen beitragen.