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Rekorde beim Rom Pride

Rekorde beim Rom Pride Massenandrang in Rom, Regenbogen trotz Hitze

ms - 22.06.2026 - 08:30 Uhr
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Trotz extremer Hitze von rund 40 Grad im Schatten, politischer Spannungen und einzelner Zwischenfälle ist der Roma Pride 2026 zu einer der größten LGBTIQ+-Demonstrationen Italiens geworden. Unter dem Motto von Gleichberechtigung und Sichtbarkeit zog ein kilometerlanger Demonstrationszug durch die italienische Hauptstadt.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der Roma Pride 2026 zog trotz Temperaturen von bis zu 40 Grad eine riesige Menschenmenge an.
  • Die Veranstaltung war von politischen Forderungen nach mehr LGBTIQ+-Rechten geprägt.
  • Bürgermeister Roberto Gualtieri und Oppositionspolitikerin Elly Schlein nahmen an dem Demonstrationszug teil.
  • Zu Beginn der Veranstaltung sorgten Reizstoff-Ampullen kurzzeitig für Unruhe.
  • Auch Provokationen und politische Spannungen überschatteten die Parade teilweise.

Spannung vor dem Pride 

Der Veranstaltung waren Wochen der Spannungen mit den LGBTIQ+-jüdischen Aktivisten von Keshet vorausgegangen. Erst am Vorabend des Pride sei eine Einigung erzielt worden. Für zusätzliche Kontroversen sorgten Äußerungen des italienischen Generals und Politikers Roberto Vannacci sowie Angriffe der konservativen Organisation Pro Vita. Aufsehen erregte auch der Politiker Mario Adinolfi. Nachdem er wiederholt Kritik an der LGBTIQ+-Community und dem Pride geäußert hatte, erschien er mit einer israelischen Flagge auf der Demonstration. Nach verbalen Auseinandersetzungen mit Teilnehmern und einer hitzigen Diskussion mit Fabrizio Marrazzo vom Gay Center wurde der Vorsitzende der Partei Popolo della Famiglia von der Polizei aus dem Demonstrationszug begleitet. 

Bürgermeister führt Pride an

Insgesamt 30 Paradewagen starteten an der Piazza della Repubblica. Wegen der Temperaturen von bis zu 40 Grad und einer verspäteten Abfahrt blieb der Platz zunächst vergleichsweise leer. Mit Beginn des Zuges füllten sich die Straßen jedoch rasch. Der Demonstrationszug wuchs nach Angaben der Veranstalter kontinuierlich an. Zahlreiche Nachzügler und Touristen schlossen sich an. Zeitweise wurde das Zentrum Roms nahezu vollständig lahmgelegt. Angeführt wurde die Parade von Roms Bürgermeister Roberto Gualtieri, der die gesamte Strecke mitlief. Bei der Abschlussveranstaltung in Caracalla wandte er sich mit deutlichen Worten an die Teilnehmer.

„Im öffentlichen Diskurs breitet sich zunehmend eine schreckliche, anti-rechtliche, homophobe und transfeindliche Kultur aus. Wir können keine Rückschritte akzeptieren, wir müssen vorankommen und uns schämen, dass wir zu den europäischen Ländern mit den schlechtesten Ergebnissen bei den Rechten gehören. Wir wollen die Ehe für alle, das Adoptionsrecht, ein Gesetz gegen Homo-, Bi- und Transfeindlichkeit sowie ein Gesetz, das die Rechte der Kinder gleichgeschlechtlicher Eltern garantiert. Als Hauptstadt Rom kämpfen wir dafür, aber gemeinsam müssen wir unsere Stimme gegenüber dem Parlament erheben. Und da sich dieses bald ändern wird, sollten wir es gemeinsam verändern, um Fortschritte zu erzielen. Es lebe der Pride.“

Rollback in Italien 

Zu den Teilnehmern gehörte auch die Vorsitzende der Demokratischen Partei, Elly Schlein. Gemeinsam mit Politikern verschiedener Oppositionsparteien setzte sie ein Zeichen für LGBTIQ+-Rechte. „Eine großartige Beteiligung, um laut und deutlich zu sagen, dass Liebe nicht diskriminiert werden darf“, schrieb Schlein in sozialen Netzwerken. Sie verwies darauf, dass Italien in der LGBTIQ+-Rechte-Rangliste von ILGA Europe inzwischen auf Platz 36 von 49 Ländern zurückgefallen ist. „Das können wir nicht akzeptieren. Wir müssen zu den anderen europäischen Ländern aufschließen, die bereits Gesetze gegen Hass, die Ehe für alle und Rechte für Regenbogenfamilien haben. Wir müssen die Angriffe nationalistischer rechter Kräfte zurückweisen, die sich insbesondere gegen trans* Menschen richten.“

Auch die ehemalige Fußballnationalspielerin und Politikerin Carolina Morace nahm an der Demonstration teil. „Wir sind nicht hier, um Privilegien zu fordern. Wir sind hier, um etwas Einfaches zu verteidigen: das Recht jedes Menschen, zu lieben, zu leben und eine Familie zu gründen – ohne Angst, ohne Diskriminierung und ohne irgendjemanden um Erlaubnis bitten zu müssen“, sagte Morace. Der Politiker Riccardo Magi trug ein Schild mit der Aufschrift „Lieber ‚unnormal‘ als gewöhnlich“ und bezeichnete den Pride als Antwort auf Ausgrenzung und politische Polarisierung. „Der Pride ist die stärkste, fröhlichste und friedlichste Antwort auf diejenigen, die Zustimmung gewinnen wollen, indem sie Angst, Hass und Spaltung schüren“, erklärte er.

Kritik und Reizstoff-Ampullen 

Innerhalb des Demonstrationszuges gab es auch kritische Stimmen. Die Gruppe Gender X zeigte Plakate mit kopfüber dargestellten Politikern und richtete scharfe Botschaften gegen Zionisten und Pro-Life-Aktivisten. Arcigay Roma kritisierte zudem eine zunehmende Kommerzialisierung vieler Pride-Veranstaltungen. Für kurze Unruhe sorgte zu Beginn des Umzugs das Zünden von Reizstoff-Ampullen inmitten der Menschenmenge. Teilnehmer reagierten besorgt und suchten teilweise das Weite. Die Situation beruhigte sich jedoch schnell. Wer für den Vorfall verantwortlich war, blieb zunächst unklar.

Trotzdem setzte sich der Demonstrationszug unvermindert fort. Selbst eine Stunde nachdem der erste Paradewagen die Abschlussveranstaltung in Caracalla erreicht hatte, bewegten sich noch Tausende Menschen durch die Straßen. Als die Sängerinnen Levante und Francesca Michielin gemeinsam mit Margherita Vicario die Bühne betraten, war im Hintergrund weiterhin ein endloser Strom von Teilnehmern zu sehen. LGBTIQ+-Personen, Verbündete, Eltern und Kinder trotzten der sengenden Sonne und setzten ein Zeichen für Gleichberechtigung. Für viele Teilnehmer wurde der Roma Pride 2026 damit auch zu einem politischen Signal gegen gesellschaftliche Spaltung und gegen den zunehmenden Einfluss rechter Kräfte in Italien. Die Polizei geht von mehreren Hunderttausenden Menschen aus, die CSD-Veranstalter selbst sprechen von bis zu einer Million Pride-Teilnehmer. 

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