Direkt zum Inhalt

Kontroverse in San Francisco Debatte um Pride Night bei den Giants

Von ms - 15.06.2026 - 15:00 Uhr
Kontroverse in San Francisco
Foto: IMAGO / ZUMA Press
ANZEIGE
Loading audio player...

Eine Aktion mehrerer Spieler des Baseballteams San Francisco Giants hat während der Pride Night des Clubs eine kontroverse Debatte ausgelöst. Im Mittelpunkt stehen die Pitcher Landen Roupp, JT Brubaker und Ryan Walker, die während der Veranstaltung spezielle Pride-Kappen mit Regenbogenelementen trugen und diese zusätzlich mit Bibelversen beschriftet hatten.

Das Wichtigste im Überblick

  • Drei Spieler der San Francisco Giants sorgten bei einer Pride-Veranstaltung für Kritik.
  • Landen Roupp, JT Brubaker und Ryan Walker trugen Pride-Kappen mit handschriftlich notierten Bibelversen.
  • Der Sportjournalist Cyd Zeigler wertet dies als gezielte Botschaft gegen die LGBTIQ+-Community.
  • Ein weiterer Giants-Spieler verzichtete stattdessen auf die Pride-Kappe und trug die reguläre Mannschaftskappe.
  • Die Debatte dreht sich um die Frage, ob religiöse Botschaften während einer Pride Night als Angriff auf queere Menschen verstanden werden können.
  • Besonders in San Francisco stößt der Vorfall auf Aufmerksamkeit, da die Stadt eng mit der Geschichte der LGBTIQ+-Bewegung verbunden ist.

Reaktionen innerhalb des Teams

Der LGBTIQ+-Sportjournalist Cyd Zeigler kritisierte das Vorgehen scharf und bezeichnete es als bewusste Botschaft gegen die queere Community. Auslöser seiner Kritik war die Entscheidung der drei Spieler, auf ihren Kappen Verse aus Genesis 9,11–16 zu notieren. Die Bibelstelle beschreibt den Regenbogen als Zeichen des Bundes zwischen Gott und den Menschen nach der Sintflut. Nach Auffassung Zeiglers sei die Verwendung dieses Bibeltextes ausgerechnet während einer Pride-Veranstaltung nicht zufällig erfolgt.

Der Journalist verwies darauf, dass ein weiterer Giants-Spieler, Pitcher Sam Hentges, einen anderen Weg gewählt habe. Dieser habe auf die Pride-Kappe verzichtet und stattdessen die reguläre Spielkappe getragen. „Damit habe ich kein Problem. Wer die Kappe nicht tragen möchte, soll sie eben nicht tragen. Wir behalten unseren Regenbogen, ihr behaltet euer einfarbiges Logo – und alle können damit leben.“ Zeigler betont, dass er die Entscheidung einzelner Sportler respektiere, nicht an Pride-Aktionen teilzunehmen. Problematisch sei für ihn jedoch, wenn religiöse Botschaften gezielt im Zusammenhang mit Pride-Veranstaltungen eingesetzt würden.

Symbolkraft des Regenbogens 

Im Zentrum der Diskussion steht die Bedeutung des Regenbogens. Während die Bibel den Regenbogen als Zeichen des Bundes Gottes mit den Menschen beschreibt, gilt er seit Jahrzehnten weltweit als wichtigstes Symbol der LGBTIQ+-Bewegung. Zeigler wirft den Spielern vor, die religiöse Bedeutung bewusst genutzt zu haben, um dem Regenbogen seine Funktion als Identifikationssymbol der queeren Community streitig zu machen.

„Beschämend“, urteilt der Autor über die Aktion. Besonders kritisch bewertet er den Umstand, dass sich der Vorfall in San Francisco ereignete. Die kalifornische Metropole gilt als eines der bedeutendsten Zentren der LGBTIQ+-Bewegung weltweit und spielte eine zentrale Rolle in der Geschichte des Kampfes um Gleichberechtigung und gesellschaftliche Anerkennung.

Diskriminierung und Gewalt

In seinem Kommentar erinnerte Zeigler dann auch an die jahrzehntelange Diskriminierung queerer Menschen. Er verweist auf Zeiten, in denen homosexuelle Menschen von Behörden verfolgt wurden, ihre Arbeitsplätze verloren oder von ihren Familien verstoßen wurden. Auch die psychischen Folgen gesellschaftlicher Ausgrenzung sowie die Auswirkungen der AIDS-Krise gehören für ihn zu diesem historischen Kontext. Besonders in San Francisco habe die HIV- und AIDS-Epidemie tiefe Spuren hinterlassen. Zudem erinnerte Zeigler an prominente Opfer queerfeindlicher Gewalt, darunter den ermordeten Studenten Matthew Shepard, den Politiker Harvey Milk sowie die 49 Todesopfer des Anschlags auf den Pulse-Nachtclub in Orlando. Vor diesem Hintergrund bewertet er die Aktion der Spieler als besonders verletzend.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt der Vorfall durch eine Äußerung von Landen Roupp nach dem Spiel. Auf die Frage, welche Botschaft er an die LGBTIQ+-Community richten wolle, antwortete der Pitcher: „Lest die Bibel.“ Auch diese Aussage löste heftige Kritik aus. Zeigler wirft den Spielern vor, ihre religiösen Überzeugungen als Schutzschild zu verwenden, um eine ablehnende Haltung gegenüber einem wichtigen Teil der Bevölkerung San Franciscos zum Ausdruck zu bringen.

Diskussion über Religion und Vielfalt 

Der Vorfall verdeutlicht einmal mehr die Spannungen, die in den USA immer wieder rund um Pride-Veranstaltungen im Profisport entstehen. Die San Francisco Giants planen für den 23. September zudem einen sogenannten „Faith Day“, der sich an Christinnen und Christen sowie Angehörige anderer Religionen richtet. Zeigler betont ausdrücklich, dass religiöse Veranstaltungen und persönliche Glaubensüberzeugungen legitim seien.

Seine Kritik richtet sich vielmehr gegen den Einsatz religiöser Symbole während einer Veranstaltung, die ausdrücklich der Sichtbarkeit und Unterstützung von LGBTIQ+-Menschen gewidmet war. Zum Abschluss seines Kommentars schreibt er, viele queere Menschen könnten sich durch das Verhalten der drei Spieler verletzt fühlen. Nach seiner Auffassung sei es besonders problematisch, wenn Gegner queerer Gleichberechtigung den Regenbogen – das wichtigste Symbol der LGBTIQ+-Community – für eine gegenteilige Botschaft nutzten. „Nach all dem, was wir und die Generationen vor uns ertragen mussten, ist es eine grausame Geste mit den denkbar grausamsten Absichten, wenn Homophobe das einzige Symbol unserer Gemeinschaft vereinnahmen und es für eine Institution beanspruchen, die uns über Jahrhunderte hinweg verunglimpft hat.“ Mit seinem Kommentar hat er die Debatte in den USA von neuem angeheizt. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Berliner MorgenpostHomophober Angriff in Berliner U-Bahnhof: Polizei sucht diese MännerNDR"Haltet euch fest": Frischer Roman über die Kraft des ZusammenhaltsWiener ZeitungTroye Sivan: Er ist gay! Gay! Gay! Gay!BILDKnutsch-Szenen auf dem Court - Wen küsst der Beckham-Spross hier?Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Revision nach Vergewaltigung

Trans* Polizistin ficht Hafturteil an

Trotz Geständnis und Verständigung: Maja S. legt Revision ein. Das Urteil aus Traunstein ist noch nicht rechtskräftig. Was jetzt geprüft wird.
Fahndung nach U-Bahn-Angriff

Schläge, Tritte und Beleidigungen

Zwei Männer sollen in Alt-Mariendorf einen 30-Jährigen homophob beleidigt und verletzt haben. Die Polizei veröffentlicht jetzt Fahndungsbilder.
Eine Sekunde für die Liebe

Schwule Männer im Zeitrausch

Die Schaltsekunde wird abgeschafft. Für schwule Männer beginnt damit eine neue Zeitrechnung – zwischen Grindr, Größenwahn und ganz großen Gefühlen.
Homophobie bei der WM

FIFA meldet Rekordzahlen

240.000 Hassnachrichten bei der Fußball-WM 2026: Besonders Frankreichs Nationalspieler wurden im Netz angefeindet, berichtet jetzt die FIFA.
Vom Eis zur Erotik

Ein verborgenes Fotoerbe

Roy Blakey war Eiskunstläufer und ein Pionier schwuler Fotografie. Nun erzählt seine Nichte von seinem außergewöhnlichen Leben und Werk.
Herbst für zwei

Kuscheln statt Sommerstress

Kalte Tage, warme Bäder und lange Abende: Warum der Herbst für schwule Männer die perfekte Zeit für Nähe zu zweit sein kann.
Überraschung bei „Whalefall“

Ein Wal, ein Vater, ein Geheimnis

Im neuen Survival-Thriller „Whalefall“ verändert eine kurze Frage die Vater-Sohn-Geschichte und eröffnet eine mögliche schwule Deutung.
Vandalismus in Berlin

Was steckt hinter den Attacken?

Vier Angriffe auf die Regenbogenbank in Berlin: Im Exklusiv-Interview warnt die Polizei jetzt vor Einschüchterung und Queerfeindlichkeit.
Romeo Beckham liebt Männer

Tennisrivalität und Leidenschaft

Romeo Beckham und Paul Kircher spielen in „Forty Love“ rivalisierende Tennistalente. Der erste Trailer zeigt Liebe, Eifersucht und blutigen Horror.