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Sichtbarkeit im Fußball Liste der wichtigsten LGBTIQ+-Menschen im Profifußball

Von ms - 12.06.2026 - 15:30 Uhr
Sichtbarkeit im Fußball
Foto: FASH Medien Archiv KI
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Mit dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft hat das US-Portal Outsports seine „Soccer Power 26“ veröffentlicht. Die Auswahl würdigt 26 offen LGBTIQ+-lebende Persönlichkeiten, die den Männerfußball weltweit prägen und verändern.

Das Wichtigste im Überblick

  • Outsports veröffentlicht zur Fußball-WM die Liste „Soccer Power 26“ mit 26 einflussreichen offen LGBTIQ+-lebenden Persönlichkeiten im Männerfußball.
  • Die Auswahl umfasst Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Funktionäre, Medienvertreter und Fan-Organisatoren aus verschiedenen Ländern.
  • Thomas Hitzlsperger, Josh Cavallo, Sapir Berman und weitere bekannte Namen zählen zu den Geehrten.
  • Die Liste soll die Bedeutung von Sichtbarkeit und Repräsentation im Fußball unterstreichen.
  • Trotz fehlender offen schwuler oder bisexueller Spieler bei der WM sind LGBTIQ+-Personen auf vielen Ebenen des Turniers präsent.

Wichtige Persönlichkeiten der Community 

Berücksichtigt wurden Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Funktionäre, Medienvertreter sowie Organisatoren von Fangruppen. Nach Angaben der Redaktion soll die Liste deutlich machen, wie wichtig Sichtbarkeit im Fußball weiterhin ist.

Zwar nimmt bei der aktuellen Weltmeisterschaft kein offen schwuler oder bisexueller Spieler oder Trainer teil, dennoch seien LGBTIQ+-Personen auf unterschiedlichen Ebenen des Turniers und des internationalen Fußballs präsent. Zu den bekanntesten Namen gehört der ehemalige deutsche Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. Der frühere WM-Teilnehmer von 2006 arbeitet inzwischen als TV-Experte und wird auch die aktuelle Weltmeisterschaft begleiten. 

Hitzlsperger im Fokus 

Seit seinem Coming-Out nach dem Karriereende erhält er immer wieder Rückmeldungen von Menschen, die seine Offenheit als wichtig empfinden. „Menschen halten mich an und sagen: ,Es ist großartig, was du getan hast‘ oder ,Vielen Dank‘“, sagte Hitzlsperger gegenüber Outsports. „Manchmal heißt es: ,Du hast meinem Bruder geholfen‘ oder jemand anderem aus ihrer Familie. Dann weiß ich sofort, worauf sie anspielen. Das sind wirklich wunderbare und unglaubliche Momente.“ Zugleich äußerte er Kritik an Vorwürfen, die LGBTIQ+-Community sei zu präsent. „Deshalb frustriert es mich, wenn Menschen die LGBTIQ+-Community kritisieren und sagen, sie sei ,zu laut‘ oder spreche ,zu oft‘ darüber. Ich versuche lediglich zu erklären, warum Sichtbarkeit so wichtig ist.“

Atkin, Belgacem und Berman

Die Redaktion verzichtete bewusst auf eine Rangliste. Aufgrund der unterschiedlichen Tätigkeitsfelder und Herkunftsländer sei ein direktes Ranking nicht sinnvoll, heißt es. Zu den Geehrten zählt auch Ryan Atkin aus England. Er schrieb 2017 Geschichte als erster offen schwuler Schiedsrichter im englischen Profifußball. Heute leitet er Spiele in der Women’s Super League und engagiert sich gegen Homophobie. Darüber hinaus ist er Turnierdirektor der International Gay and Lesbian Football Association (IGLFA).

Der Franzose Ouissem Belgacem wurde durch sein Buch „Adieu ma honte“ („Leb wohl, meine Scham“) bekannt. Darin schildert er die Homophobie, die er während seiner Zeit in der Jugendakademie von Toulouse erlebt habe. Heute setzt er sich öffentlich für mehr Akzeptanz im Fußball ein. Für Aufmerksamkeit sorgte auch die israelische Schiedsrichterin Sapir Berman. Sie wurde 2025 zur ersten offen trans* Frau, die ein internationales Fußballspiel leitete. Nach ihrer Ernennung erklärte Yariv Teper, Geschäftsführer der israelischen Schiedsrichtervereinigung: „Wir hatten das Privileg, Sapir auf ihrem mutigen, bahnbrechenden und inspirierenden Weg zu begleiten. Ohne jegliche Sonderbehandlung hat Sapir aus eigener Kraft das internationale Abzeichen erreicht, das sie sich so sehr gewünscht hat.“

Der bekannteste schwule Kicker 

Der Australier Josh Cavallo gilt seit seinem Coming-Out im Jahr 2021 als bekanntester aktiver schwuler Fußballspieler der Welt. Mit mehr als einer Million Followern auf Instagram nutzt er seine Reichweite, um über LGBTIQ+-Themen im Sport zu sprechen. In Deutschland rückte in diesem Jahr auch Christian Dobrick in den Mittelpunkt. Der Trainer der U19 des FC St. Pauli gilt als erster offen schwuler Trainer in der Bundesliga. „Diese Scharade hat mich zu sehr ausgelaugt“, sagte der 29-Jährige über die Zeit vor seinem Coming-Out. „Bei meinen früheren Vereinen in den Nachwuchsleistungszentren habe ich meine Homosexualität vor den Spielern geheim gehalten. Das ging über Jahre hinweg so und war unglaublich belastend. Jetzt ist es vorbei.“ Dobrick, der mit nur einem Arm geboren wurde, erklärte weiter: „Ich möchte das Schweigen brechen. Meine Behinderung kann ich nicht verstecken – und meine Homosexualität möchte ich ebenfalls nicht länger verstecken.“

Ebenfalls auf der Liste steht die frühere US-Nationaltrainerin Jill Ellis. Als Chief Football Officer der FIFA verantwortet sie heute die globale Fußballstrategie des Weltverbandes. Zuletzt äußerte sie sich kritisch über die zunehmende Zahl von Gesetzen gegen LGBTIQ+-Menschen in den USA. Große Anerkennung erhielt auch der Brasilianer Emerson Ferretti. Der frühere Torhüter machte seine Homosexualität 2022 öffentlich und erklärte später, dass sie seine Karriere nach dem aktiven Sport beeinträchtigt habe. „Ich kenne Funktionäre, die mich nicht eingestellt haben, weil ich schwul bin“, sagte Ferretti.

Ikone aus Afrika

Der Südafrikaner Phuti Lekoloane gehört zu den ersten offen schwulen Fußballern Afrikas. Für sein Engagement bei den African Pride Games wurde er 2025 als „Volunteer of the Year“ ausgezeichnet. Bei der Preisverleihung sagte er: „Ich bin der erste schwule Fußballer Afrikas.“ Anschließend ergänzte er: „Und ich bin außerdem Gründer der African Pride Games.“ Zu den weiteren Geehrten zählen unter anderem die Fußballfunktionärin Anna Deignan, die ehemalige Olympiasiegerin Lori Lindsey, der frühere MLS-Profi Collin Martin, der belgische Liga-Chef Lorin Parys, FIFA-Mediendirektor Bryan Swanson sowie Alexander Wehrle, Vorstandsvorsitzender des Bundesligisten VfB Stuttgart.

Wehrle gehört zu den wenigen offen schwulen Spitzenfunktionären im internationalen Profifußball. Er hat sich wiederholt dafür ausgesprochen, homosexuelle und bisexuelle Spieler zu unterstützen, die ihre sexuelle Orientierung öffentlich machen möchten. Die Liste verdeutlicht nach Einschätzung von Outsports, dass LGBTIQ+-Menschen längst auf allen Ebenen des Männerfußballs vertreten sind – auch wenn sich dies bislang noch nicht in der Zahl offen queerer und homosexueller Spieler bei großen Turnieren widerspiegelt. Wäre die Fußballweltmeisterschaft jetzt nicht eine großartige Gelegenheit, das zu ändern? 

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