Direkt zum Inhalt

Warnung von David Furnish Elton Johns Ehemann schlägt Alarm mit Blick auf HIV

Von ms - 12.06.2026 - 14:00 Uhr
Warnung von David Furnish
Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire
ANZEIGE
Loading audio player...

Der kanadische Filmemacher und Produzent David Furnish (63) hat vor einem gefährlichen Kurswechsel im weltweiten Kampf gegen HIV und AIDS gewarnt. In einem Gastbeitrag für Independent Voices äußerte der Vorsitzende der Elton John AIDS Foundation die große Sorge, dass politische Entscheidungen die Grundlagen erfolgreicher Präventions- und Versorgungsprogramme zunehmend untergraben.

Das Wichtigste im Überblick

  • David Furnish warnt vor Rückschritten im weltweiten Kampf gegen HIV und AIDS.
  • Der Vorsitzende der Elton John AIDS Foundation sieht politische Entscheidungen als größte Gefahr für bisherige Erfolge.
  • Kürzungen bei Präventions- und Versorgungsprogrammen könnten die HIV-Bekämpfung erheblich schwächen.
  • Furnish verweist auf sinkende HIV-Testzahlen und einen Rückgang bei PrEP-Neuaufnahmen.
  • Gleichzeitig würden LGBTIQ+-Organisationen in vielen Ländern zunehmend unter Druck geraten.
  • Neue Präventionsmöglichkeiten wie langwirksame PrEP-Präparate könnten nach Ansicht von Furnish große Fortschritte ermöglichen.

Appell an die Welt

„Ich schreibe dies, weil dieses Vermächtnis jetzt gefährdet ist. Die Bedrohung ist nicht das Virus. Es ist die Politik“, schrieb Furnish. Nach seiner Einschätzung gefährden Regierungen durch Kürzungen bei Präventions- und Gesundheitsprogrammen jene Strukturen, die über Jahrzehnte entscheidend zum Erfolg im Kampf gegen HIV beigetragen haben. Besonders betroffen seien Systeme, die auf Vertrauen, Aufklärungsarbeit, lokaler Vernetzung und verlässlichen Gesundheitsdaten beruhen. Dies habe insbesondere in Ländern schwerwiegende Folgen, in denen gesellschaftliche Vorurteile und Stigmatisierung LGBTIQ+-Menschen den Zugang zur Gesundheitsversorgung ohnehin erschweren.

Gleichzeitig verwies Furnish auf bedeutende medizinische Fortschritte bei der HIV-Prävention. Besonders große Hoffnungen setzt er auf langwirksame Formen der Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP). Dazu zählen auch neue Präparate, die lediglich zweimal pro Jahr verabreicht werden müssen. Diese Entwicklung sei „einer der bedeutendsten Fortschritte in der HIV-Prävention seit einer Generation“, betonte Furnish.

Rückgänge bei Prävention und Tests

Nach Ansicht des Stiftungschefs zeigen aktuelle Zahlen bereits die Folgen politischer Einschnitte. „In den Vereinigten Staaten hat das President’s Emergency Plan for Aids Relief (PEPFAR), das Programm, dem die Rettung von 26 Millionen Menschenleben zugeschrieben wird, einen Rückgang der PrEP-Neuaufnahmen um 41 Prozent erlebt“, so Furnish. Zudem hätten die Daten des Programms ergeben, dass im Jahr 2025 rund 4,7 Millionen Menschen weniger auf HIV getestet wurden als im Vorjahr. PEPFAR gilt als eines der bedeutendsten internationalen Programme zur Bekämpfung von HIV und AIDS und wird vielfach für seine weltweiten Erfolge bei Prävention und Behandlung gewürdigt.

AIDS-Aktivismus der 80er Jahre

Furnish verweist in seinem Beitrag überdies auf die historischen Wurzeln heutiger HIV-Behandlungs- und Präventionsangebote. Viele Fortschritte seien dem Engagement von Aktivisten während der AIDS-Krise in den 1980er- und 1990er-Jahren zu verdanken. Besonders hebt der Ehemann von Popstar Elton John die Arbeit der Gruppe ACT UP hervor, die mit Protesten auf die Dringlichkeit schnellerer Medikamentenzulassungen aufmerksam machte. Im Oktober 1988 demonstrierten rund 1.500 Mitglieder der Organisation vor dem Hauptsitz der US-Arzneimittelbehörde FDA im Bundesstaat Maryland. Furnish zufolge verpflichtete sich die Behörde bereits wenige Monate später dazu, ihre Zulassungsverfahren deutlich zu beschleunigen. 1992 wurde schließlich ein offizieller Weg für beschleunigte Medikamentenzulassungen geschaffen.

Kritik an Kriminalisierung

Mit Sorge blickt Furnish auch auf die Entwicklung der LGBTIQ+-Rechte weltweit. Er verweist auf Daten des gemeinsamen Programms der Vereinten Nationen für HIV/AIDS (UNAIDS). Demnach sei im Jahr 2025 erstmals seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2008 die Zahl der Länder gestiegen, die gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen oder die Geschlechtsidentität von trans* Menschen kriminalisieren. Gleichzeitig würden LGBTIQ+-Organisationen zunehmend „von Fördermitteln abgeschnitten, eingeschränkt oder geschlossen“. 

Für Furnish steht dabei ein direkter Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Gleichberechtigung und erfolgreicher Gesundheitsversorgung. „Wenn Regierungen aufhören, LGBTIQ+-Menschen zu erfassen, wird es leichter, sie im Stich zu lassen“, schrieb er. Zugleich betonte er: „Gleichberechtigung ist nicht getrennt von öffentlicher Gesundheit. Sie ist öffentliche Gesundheit.“

Engagement in mehr als 40 Ländern

David Furnish ist seit vielen Jahren an der Seite seines Ehemanns Elton John im Kampf gegen HIV und AIDS aktiv. Als Vorsitzender der Elton John AIDS Foundation unterstützt er Projekte in mehr als 40 Ländern. Die Stiftung fördert Programme zur HIV-Prävention und Behandlung sowie Initiativen für LGBTIQ+-Gemeinschaften. Dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit der einzigen landesweiten LGBTIQ+-Lotterie Großbritanniens. Mit seinem Appell macht Furnish deutlich, dass die bisherigen Erfolge im Kampf gegen HIV und AIDS nach seiner Ansicht keineswegs selbstverständlich sind. Werden Präventionsangebote geschwächt und LGBTIQ+-Organisationen zunehmend eingeschränkt, könnten jahrzehntelang erkämpfte Fortschritte wieder verloren gehen.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDRegenbogenbank in Berliner Tiergarten nach CSD-Anschlag erneut beschädigttazTürkisches Nachrichtenportal gesperrt: Türkei immer abgehängterDie PresseBei aller Liebe, keinen Sex bitte: Mareike Fallwickls neuer Roman [premium]Frankfurter Allgemeine Zeitung„LGBT-Propaganda“: Warum die Türkei wirklich gegen ein renommiertes Onlineportal vorgehtAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie sollte das Abstammungsrecht für Regenbogenfamilien geregelt werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

36 Jahre Deutsche Einheit

Leben nach dem Mauerfall

Vom Mauerfall bis zur Ehe für alle: Für LGBTIQ+-Menschen brachte die deutsche Einheit neue Freiheiten – aber auch unerwartete Rückschritte.
NHL entdeckt „Heated Rivalry“

Schwule Romanze soll Fans locken

Mit der PR-Aktion „Hot for Hockey“ greift die NHL den Erfolg von „Heated Rivalry“ auf – doch die Marketingstrategie stößt bei Fans auf viel Kritik.
Tom Ford zeigt Haut

Männer-Tanga wird Luxusmode

Tom Ford macht den Männer-Tanga zum Luxus-Look: Kreativdirektor Haider Ackermann verbindet in Paris schwulen Sexappeal mit eleganter Herrenmode.
US-Basketball-Coach sagt Ja

Liebe auf den ersten Blick

US-Basketballtrainer Matt Lynch und Cody Aaron haben sich nach mehr als zwei Jahren Beziehung verlobt – die Hochzeit soll 2027 folgen.
Mehr Schutz in Bangladesch

Petition gegen Diskriminierung

Studenten und Aktivisten in Bangladesch fordern mit einer Petition besseren Schutz für LGBTIQ+-Menschen und ein Ende der Diskriminierung.
Abstimmung über die Ehe

Virginias Änderung der Verfassung

Der US-Bundesstaat Virginia stimmt darüber ab, die Ehe für Homosexuelle in seiner Landesverfassung zu schützen. Ein Schritt mit viel Symbolkraft.
Eklat in Österreich

Streit um queere Touristen

Die FPÖ will Pride- und LGBTIQ+-Themen aus Österreichs Tourismuswerbung zurückdrängen – andere Parteien widersprechen.
Am Ende des Regenbogens

Kulturkampf in den Niederlanden

Niederlands Gemeinde Oldebroek will seine LGBTIQ+-Politik abschaffen und sorgt damit landesweit für Schlagzeilen und Entsetzen in der Community.
Mord auf den Philippinen

Militär tötet queere Aktivistin

Die trans* Aktivistin Kai Sorem wurde auf den Philippinen getötet. Die bisherigen Untersuchungen legen eine Vertuschung durch das Militär nahe.